Soziale Netzwerke im Internet
120 Freunde und 560 Bekannte
Alexander Günzler und Christiane Wild, veröffentlicht am 19.05.2009
Die Frage, ob man zu viel von sich preisgibt, wenn man sein Profil in einem sozialen Online-Netzwerk einstellt, ist so alt wie die Netzwerke selbst. Fest steht, dass immer mehr Führungskräfte im Web aktiv berufliche Kontakte knüpfen.
Von Alexander Günzler und Christiane Wild
Die Gedanken mögen frei sein, privat sind sie deshalb noch lange nicht: "An was denkst du gerade?" wird auf der Internetseite des amerikanischen Internet-Netzwerks Facebook jeder gefragt, der sich dort einloggt und damit zur großen Gemeinschaft des Netzwerks gehört. Als Indiskretion soll diese Frage nicht verstanden werden, denn in dem Netzwerk ist man unter Freunden. Das jedenfalls ist das Image, das von den Gründern der Seite, Mark Zuckerberg, Dustin Muskovitz, Chris Hughes und Eduardo Saverin propagiert wird. Die Nutzer erstellen ihr Profil, geben Hobbys und Vorlieben an und garnieren alles mit ihren Fotos und Videos. Auf der Seite kann man nach alten Freunden suchen, ihnen eine Nachricht auf einer virtuellen Pinnwand hinterlassen oder direkt mit ihnen chatten.
Auch die Gruppe der über 35-Jährigen wächst
120 Freunde hat jedes Facebook-Mitglied im Durchschnitt - ein Freundeskreis, der im wirklichen Leben wohl schwer zu pflegen wäre. Das Netzwerk existiert seit 2004 und hat nach eigenen Angaben weltweit inzwischen mehr als 200 Millionen Nutzer, in Deutschland sollen es rund zwei Millionen sein. Nachdem Facebook ursprünglich als eine Plattform für die Studenten der Harvard-Universität konzipiert wurde, wachse laut Betreibern mittlerweile auch die Gruppe der Nutzer, die älter sind als 35 Jahre. Facebook, so scheint es, will als Netzwerk für alle Altersgruppen wahrgenommen werden und wendet sich nicht mehr nur an Studenten.
Prinzipiell kann sich jeder auf der Seite registrieren. Von Freunden per E-Mail eine Einladung zu bekommen und dann dem Netzwerk beizutreten, ist aber die gängigere Variante. Die 27-jährige Sarah aus Stuttgart nutzt Facebook seit Juli 2006. Damals kam sie von einem Auslandssemester zurück und suchte einen Weg, mit ihren Freunden, die sie in Großbritannien kennengelernt hatte, in Kontakt zu bleiben. "Meine Facebook-Freunde leben überall auf der Welt", sagt sie. Im gleichen Netzwerk zu sein, mache es für sie einfacher, diese Freundschaften zu pflegen.
Die Befürchtung, im Internet zu viel von sich preiszugeben, hat Sarah nicht. Im Gegenteil: mehr als 400 Fotos von sich hat sie bei Facebook hochgeladen. In ihrem Eintrag erzählt sie, dass und mit wem sie in einer Beziehung lebt und gerne Harry-Potter-Romane liest. Geschichten von Arbeitgebern, die ihren Angestellten im Internet hinterherschnüffeln und missliebige Äußerungen mit einer Abmahnung strafen, beunruhigen sie trotzdem. "Generell finde ich, dass es meinen Chef nichts angeht, ob und warum ich mich im Internet in Netzwerken aufhalte", sagt sie.
Jede fünfte Führungskraft ist vernetzt
Menschen wie Nils Pleier sehen das anders. Sie nutzen Netzwerke im Internet auch, um berufliche Kontakte herzustellen und zu pflegen. Seit 2005 ist der promovierte Ökonom Mitglied bei Xing, einem Business-Netzwerk für Geschäftsleute und Berufstätige. Das 2003 noch unter dem Namen OpenBC von Lars Hinrichs gegründete Netzwerk verfügt eigenen Angaben zufolge aktuell weltweit über mehr als sieben Millionen Mitglieder. In Deutschland sind mehr als drei Millionen Nutzer registriert. Laut einer von Xing in Auftrag gegebenen Forsa-Studie ist bereits jede fünfte Führungskraft in Deutschland online vernetzt. In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen sind es sogar 30 Prozent.
"Ich bin über zahlreiche Einladungen durch Freunde zu Xing gestoßen", sagt Pleier. Anfangs sei er skeptisch gewesen und habe das Netzwerk zunächst nur genutzt, um sich mit Freunden auszutauschen. Mit der Zeit habe er aber auch die geschäftlichen Möglichkeiten von Xing für sich entdeckt - insbesondere als er noch für kleinere Unternehmen gearbeitet habe. "Ich habe viele interessante Geschäftskontakte gefunden, die ich aufgrund ihres hinterlegten Profils selbst angeschrieben habe oder die sich bei mir gemeldet haben, weil ihnen mein Lebenslauf und meine Interessen zugesagt haben", sagt der 34-Jährige, der inzwischen als Referent für Personalentwicklung bei einem Automobilhersteller arbeitet. "Mich haben auch schon einige Mitglieder angeschrieben, die Fragen zum Thema Doktorarbeit gehabt haben." Daraus hätten sich teilweise intensivere Kontakte ergeben, die bei zwei Kandidaten sogar zu einer Dissertationsbetreuung durch seinen Doktorvater geführt habe, sagt Pleier.
Er selbst habe inzwischen 560 Kontakte, die er persönlich kenne und von denen etwa ein Drittel rein geschäftlich seien. "Das faszinierende an Xing ist, dass ich auch deren Kontakte einsehen kann und somit zweiten Grades sogar 52.000 Kontakte habe - eine mittelgroße Stadt", sagt Pleier. "Gut finde ich dabei auch, dass ich steuern kann, wer meine Kontakte einsehen darf. Bei mir sind das nur Leute, die ich persönlich kenne", sagt Pleier.
Der Ökonom hat aber auch schon die Kehrseite von Xing kennengelernt: er bekomme häufig Anfragen zu Studien oder Diplomarbeiten sowie Einladungen zu unterschiedlichsten Gruppenforen, an denen er teilnehmen soll, ohne dass er im Vorfeld Interesse daran bekundet hätte. Daher würden vor allem Mitglieder aus höheren Geschäftsebenen ihr Profil anonymisieren. "Das führt das Netzwerken natürlich ein wenig ad absurdum", sagt Pleier. Die Flut an Newslettern, die er durch seine Gruppenmitgliedschaften bei Xing erhalte, könne er schon lange nicht mehr lesen.
Inzwischen etwas unübersichtlich
Insgesamt gibt es bei Xing 26.000 Fachgruppen, in denen man sich zu allerlei Themen austauschen kann. "Das ist inzwischen sehr unübersichtlich geworden", sagt Pleier. Daher sei es wichtig, darauf zu achten, wo man mitmache und was man im Profil angebe, um die richtigen Anfragen zu erhalten.
Auch zahlreiche Personalberater nutzen Xing, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Nach Angaben von Xing sind im Netzwerk bereits mehr als 40.000 Headhunter und Personalentscheider zu finden. "Das ist für Firmen natürlich günstiger, als Anzeigen zu schalten", sagt Pleier. Er selbst habe schon einige interessante Stellenangebote über Xing erhalten. Seinen aktuellen Job habe er aber dennoch über andere Wege gefunden.
Von Alexander Günzler und Christiane Wild
Die Gedanken mögen frei sein, privat sind sie deshalb noch lange nicht: "An was denkst du gerade?" wird auf der Internetseite des amerikanischen Internet-Netzwerks Facebook jeder gefragt, der sich dort einloggt und damit zur großen Gemeinschaft des Netzwerks gehört. Als Indiskretion soll diese Frage nicht verstanden werden, denn in dem Netzwerk ist man unter Freunden. Das jedenfalls ist das Image, das von den Gründern der Seite, Mark Zuckerberg, Dustin Muskovitz, Chris Hughes und Eduardo Saverin propagiert wird. Die Nutzer erstellen ihr Profil, geben Hobbys und Vorlieben an und garnieren alles mit ihren Fotos und Videos. Auf der Seite kann man nach alten Freunden suchen, ihnen eine Nachricht auf einer virtuellen Pinnwand hinterlassen oder direkt mit ihnen chatten.
Auch die Gruppe der über 35-Jährigen wächst
120 Freunde hat jedes Facebook-Mitglied im Durchschnitt - ein Freundeskreis, der im wirklichen Leben wohl schwer zu pflegen wäre. Das Netzwerk existiert seit 2004 und hat nach eigenen Angaben weltweit inzwischen mehr als 200 Millionen Nutzer, in Deutschland sollen es rund zwei Millionen sein. Nachdem Facebook ursprünglich als eine Plattform für die Studenten der Harvard-Universität konzipiert wurde, wachse laut Betreibern mittlerweile auch die Gruppe der Nutzer, die älter sind als 35 Jahre. Facebook, so scheint es, will als Netzwerk für alle Altersgruppen wahrgenommen werden und wendet sich nicht mehr nur an Studenten.
Prinzipiell kann sich jeder auf der Seite registrieren. Von Freunden per E-Mail eine Einladung zu bekommen und dann dem Netzwerk beizutreten, ist aber die gängigere Variante. Die 27-jährige Sarah aus Stuttgart nutzt Facebook seit Juli 2006. Damals kam sie von einem Auslandssemester zurück und suchte einen Weg, mit ihren Freunden, die sie in Großbritannien kennengelernt hatte, in Kontakt zu bleiben. "Meine Facebook-Freunde leben überall auf der Welt", sagt sie. Im gleichen Netzwerk zu sein, mache es für sie einfacher, diese Freundschaften zu pflegen.
Die Befürchtung, im Internet zu viel von sich preiszugeben, hat Sarah nicht. Im Gegenteil: mehr als 400 Fotos von sich hat sie bei Facebook hochgeladen. In ihrem Eintrag erzählt sie, dass und mit wem sie in einer Beziehung lebt und gerne Harry-Potter-Romane liest. Geschichten von Arbeitgebern, die ihren Angestellten im Internet hinterherschnüffeln und missliebige Äußerungen mit einer Abmahnung strafen, beunruhigen sie trotzdem. "Generell finde ich, dass es meinen Chef nichts angeht, ob und warum ich mich im Internet in Netzwerken aufhalte", sagt sie.
Jede fünfte Führungskraft ist vernetzt
Menschen wie Nils Pleier sehen das anders. Sie nutzen Netzwerke im Internet auch, um berufliche Kontakte herzustellen und zu pflegen. Seit 2005 ist der promovierte Ökonom Mitglied bei Xing, einem Business-Netzwerk für Geschäftsleute und Berufstätige. Das 2003 noch unter dem Namen OpenBC von Lars Hinrichs gegründete Netzwerk verfügt eigenen Angaben zufolge aktuell weltweit über mehr als sieben Millionen Mitglieder. In Deutschland sind mehr als drei Millionen Nutzer registriert. Laut einer von Xing in Auftrag gegebenen Forsa-Studie ist bereits jede fünfte Führungskraft in Deutschland online vernetzt. In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen sind es sogar 30 Prozent.
"Ich bin über zahlreiche Einladungen durch Freunde zu Xing gestoßen", sagt Pleier. Anfangs sei er skeptisch gewesen und habe das Netzwerk zunächst nur genutzt, um sich mit Freunden auszutauschen. Mit der Zeit habe er aber auch die geschäftlichen Möglichkeiten von Xing für sich entdeckt - insbesondere als er noch für kleinere Unternehmen gearbeitet habe. "Ich habe viele interessante Geschäftskontakte gefunden, die ich aufgrund ihres hinterlegten Profils selbst angeschrieben habe oder die sich bei mir gemeldet haben, weil ihnen mein Lebenslauf und meine Interessen zugesagt haben", sagt der 34-Jährige, der inzwischen als Referent für Personalentwicklung bei einem Automobilhersteller arbeitet. "Mich haben auch schon einige Mitglieder angeschrieben, die Fragen zum Thema Doktorarbeit gehabt haben." Daraus hätten sich teilweise intensivere Kontakte ergeben, die bei zwei Kandidaten sogar zu einer Dissertationsbetreuung durch seinen Doktorvater geführt habe, sagt Pleier.
Er selbst habe inzwischen 560 Kontakte, die er persönlich kenne und von denen etwa ein Drittel rein geschäftlich seien. "Das faszinierende an Xing ist, dass ich auch deren Kontakte einsehen kann und somit zweiten Grades sogar 52.000 Kontakte habe - eine mittelgroße Stadt", sagt Pleier. "Gut finde ich dabei auch, dass ich steuern kann, wer meine Kontakte einsehen darf. Bei mir sind das nur Leute, die ich persönlich kenne", sagt Pleier.
Der Ökonom hat aber auch schon die Kehrseite von Xing kennengelernt: er bekomme häufig Anfragen zu Studien oder Diplomarbeiten sowie Einladungen zu unterschiedlichsten Gruppenforen, an denen er teilnehmen soll, ohne dass er im Vorfeld Interesse daran bekundet hätte. Daher würden vor allem Mitglieder aus höheren Geschäftsebenen ihr Profil anonymisieren. "Das führt das Netzwerken natürlich ein wenig ad absurdum", sagt Pleier. Die Flut an Newslettern, die er durch seine Gruppenmitgliedschaften bei Xing erhalte, könne er schon lange nicht mehr lesen.
Inzwischen etwas unübersichtlich
Insgesamt gibt es bei Xing 26.000 Fachgruppen, in denen man sich zu allerlei Themen austauschen kann. "Das ist inzwischen sehr unübersichtlich geworden", sagt Pleier. Daher sei es wichtig, darauf zu achten, wo man mitmache und was man im Profil angebe, um die richtigen Anfragen zu erhalten.
Auch zahlreiche Personalberater nutzen Xing, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Nach Angaben von Xing sind im Netzwerk bereits mehr als 40.000 Headhunter und Personalentscheider zu finden. "Das ist für Firmen natürlich günstiger, als Anzeigen zu schalten", sagt Pleier. Er selbst habe schon einige interessante Stellenangebote über Xing erhalten. Seinen aktuellen Job habe er aber dennoch über andere Wege gefunden.
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