Simons Geheimnis
Ausbremsen und Nasführen
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 20.05.2009
Filmbeschreibung
Beschreiben, das ist auch ein Zusammenfassen. Sollte man hoffen dürfen. Aber die Apparaturen des Beschreibens sind Schneidemaschinen, die immer neue Schichten ablösen, die dann als eigene Variante des Ursprungs umherschweben. Davon erzählt der Kanadier Atom Egoyan, Jahrgang 1960, seit seinen ersten Filmen. Jemanden zu beschreiben, zu begreifen, zusammenzufassen, das ist ein Wunsch, den der Tod oder eine zerbrechende Liebe besonders stark werden lassen. Darum erzählt Atom Egoyan oft von Trauer und Verlust und von einem Irrgarten der Dokumente, die mehr Fragen aufwerfen, als sie Antworten geben.
"Simons Geheimnis" entwirft einen besonders komplexen Irrgarten. Der Schüler Simon (Devon Bostick) ist Waise. Wer seine Eltern waren, versucht er von seinem Onkel und seinem Großvater zu erfahren. Von Letzterem am Sterbebett, per Kamera: bei Egoyan ist das Bildermachen immer auch das Einziehen eines Aufprallschutzes zwischen dem Ich und der Welt. Weil er nicht zurechtkommt mit dem, was er an Widersprüchen findet, beginnt Simon, ermutigt von einer Lehrerin, zu fiktionalisieren. Die Auffüllung der Wissenslücken durch Fantasie betreibt er auch im Internet, wo die neue Variante seiner Eltern - als zentrale Figuren in der Geschichte eines Terroranschlags - bald Aufmerksamkeit findet.
Auch wenn das wie der Plotentwurf zu einem Thriller klingen mag, Egoyan erzählt bedächtig, spröde, mit vorsätzlich verwirrenden Rückblenden. Wenn seine Figuren miteinander sprechen, wirken sie meist wie Schlaflose, die tief in der Nacht einen Wildfremden angerufen haben, um sich über die nächste Klippe der Depression zu hangeln. In früheren Filmen, in "Der Schätzer", "Exotica" oder "Das süße Jenseits", blieb bei allen erzählerischen Experimenten des Ausbremsens und Nasführens ein starker Kern von Mitempfinden. In Egoyans Film "Simons Geheimnis" aber werden die Figuren Chiffren eines intellektuellen Spiels, und dessen Züge wirken wie routinierte Wiederholungen der Überraschungsangriffe von gestern.
"Simons Geheimnis" entwirft einen besonders komplexen Irrgarten. Der Schüler Simon (Devon Bostick) ist Waise. Wer seine Eltern waren, versucht er von seinem Onkel und seinem Großvater zu erfahren. Von Letzterem am Sterbebett, per Kamera: bei Egoyan ist das Bildermachen immer auch das Einziehen eines Aufprallschutzes zwischen dem Ich und der Welt. Weil er nicht zurechtkommt mit dem, was er an Widersprüchen findet, beginnt Simon, ermutigt von einer Lehrerin, zu fiktionalisieren. Die Auffüllung der Wissenslücken durch Fantasie betreibt er auch im Internet, wo die neue Variante seiner Eltern - als zentrale Figuren in der Geschichte eines Terroranschlags - bald Aufmerksamkeit findet.
Auch wenn das wie der Plotentwurf zu einem Thriller klingen mag, Egoyan erzählt bedächtig, spröde, mit vorsätzlich verwirrenden Rückblenden. Wenn seine Figuren miteinander sprechen, wirken sie meist wie Schlaflose, die tief in der Nacht einen Wildfremden angerufen haben, um sich über die nächste Klippe der Depression zu hangeln. In früheren Filmen, in "Der Schätzer", "Exotica" oder "Das süße Jenseits", blieb bei allen erzählerischen Experimenten des Ausbremsens und Nasführens ein starker Kern von Mitempfinden. In Egoyans Film "Simons Geheimnis" aber werden die Figuren Chiffren eines intellektuellen Spiels, und dessen Züge wirken wie routinierte Wiederholungen der Überraschungsangriffe von gestern.
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