Public Enemy No. 1 - Todestrieb
Ein Gangster wird zum Star
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 20.05.2009
Filmbeschreibung
Kinozweiteiler sind eine riskante Angelegenheit. Geht man in den zweiten Teil, wenn man den ersten verpasst hat? Versteht man dann den zweiten Teil überhaupt? "Mordinstinkt", der erste Teil des Biopics über den Gangster Jacques Mesrine, endete recht spektakulär in Kanada, als der Gewohnheitskriminelle Mesrine seinen eigenwilligen Ehrenkodex so weit entwickelt hatte, dass er glaubte, er könne der staatlichen Exekutive auf Augenhöhe begegnen, und sich dabei eine blutige Nase holte. Immerhin vollzog sich der Aufstieg Mesrines zum "Staatsfeind Nummer eins" so spektakulär, dass der Gangster fast wie ein Star verehrt wird.
Hier beginnt sogleich das alte Spiel, das sich bereits beim Anschauen von Teil eins als nicht abendfüllend erwiesen hatte: Banküberfall, Flucht, Schießerei, Verhaftung, Flucht, Banküberfall und so weiter und so fort. Ein schönes Moment der Hybris wohnt allerdings Mesrines Tick inne, nach einem gelungenen Banküberfall gleich auch noch die Bank nebenan auszurauben und so zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Der zweite Teil des Films beginnt 1973, und wer zu jener Zeit "Staatsfeind Nummer eins" sein wollte, konkurrierte international mit der RAF, mit der Brigate Rosse oder mit der IRA.
Mesrine, der in Kanada die Isolationsfolter in einem modernen Hochsicherheitsgefängnis durchlitten hatte, schlägt sich öffentlich auf die Seite der damals aktiven Gefängniskritiker und "politisiert" damit seine öffentliche Rolle, bleibt aber de facto unpolitisch. Er nutzt den linken Diskurs lediglich, um sich selber zu einer Art Robin Hood zu stilisieren, verfasst im Gefängnis seine Autobiografie "Der Todestrieb". Zugleich werden spektakuläre Interviews mit Mesrine veröffentlicht, in denen der Kriminelle mit seiner Gewaltbereitschaft und seiner anarchoiden Sicht der Dinge kokettiert, wenn er die Abschaffung der Sicherheitstrakte der Gefängnisse fordert und zugleich andeutet, Kontakte zu Befreiungsbewegungen zu haben. Höhepunkt der Allmachtsfantasien ist die grausame Bestrafung des rechtsradikalen Journalisten Jacques Tillier, der selbst seine "Genossen" schockiert.
Im zweiten Teil seines Films entzaubert Jean-Francois Richet seinen Protagonisten mit Nachdruck. Hatte der erste Teil den Aufstieg Mesrines allerdings noch durch Verweise auf den klassischen französischen Gangsterfilm verklärt, ändert der Film im zweiten Teil seinen Tonfall und erinnert jetzt passenderweise an "New Hollywood"-Filme wie "French Connection". Am Ende, nach über vier Stunden Kino, ist der Film elegant wieder an seinem Anfang angelangt.
Hier beginnt sogleich das alte Spiel, das sich bereits beim Anschauen von Teil eins als nicht abendfüllend erwiesen hatte: Banküberfall, Flucht, Schießerei, Verhaftung, Flucht, Banküberfall und so weiter und so fort. Ein schönes Moment der Hybris wohnt allerdings Mesrines Tick inne, nach einem gelungenen Banküberfall gleich auch noch die Bank nebenan auszurauben und so zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Der zweite Teil des Films beginnt 1973, und wer zu jener Zeit "Staatsfeind Nummer eins" sein wollte, konkurrierte international mit der RAF, mit der Brigate Rosse oder mit der IRA.
Mesrine, der in Kanada die Isolationsfolter in einem modernen Hochsicherheitsgefängnis durchlitten hatte, schlägt sich öffentlich auf die Seite der damals aktiven Gefängniskritiker und "politisiert" damit seine öffentliche Rolle, bleibt aber de facto unpolitisch. Er nutzt den linken Diskurs lediglich, um sich selber zu einer Art Robin Hood zu stilisieren, verfasst im Gefängnis seine Autobiografie "Der Todestrieb". Zugleich werden spektakuläre Interviews mit Mesrine veröffentlicht, in denen der Kriminelle mit seiner Gewaltbereitschaft und seiner anarchoiden Sicht der Dinge kokettiert, wenn er die Abschaffung der Sicherheitstrakte der Gefängnisse fordert und zugleich andeutet, Kontakte zu Befreiungsbewegungen zu haben. Höhepunkt der Allmachtsfantasien ist die grausame Bestrafung des rechtsradikalen Journalisten Jacques Tillier, der selbst seine "Genossen" schockiert.
Im zweiten Teil seines Films entzaubert Jean-Francois Richet seinen Protagonisten mit Nachdruck. Hatte der erste Teil den Aufstieg Mesrines allerdings noch durch Verweise auf den klassischen französischen Gangsterfilm verklärt, ändert der Film im zweiten Teil seinen Tonfall und erinnert jetzt passenderweise an "New Hollywood"-Filme wie "French Connection". Am Ende, nach über vier Stunden Kino, ist der Film elegant wieder an seinem Anfang angelangt.
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