Stuttgart - Der Amoklauf von Tim K. am 11. März hat Entsetzen ausgelöst. Der 17-jährige Schüler erschoss 15 Menschen - darunter auch zwei in einem Autohaus in Wendlingen. Am Wochenende soll bei Benefizkonzerten im Ort der beiden Toten gedacht werden.
Von Viola Katemann
Sich einigeln und still trauern, das liegt Sinisa Koturic nicht. Er will seinen Schmerz hörbar machen. Als der 17-jährige Amokschütze Tim K. am 11. März im Industriegebiet Wendlingen seinen besten Freund, den Autoverkäufer Denis Puljic, erschießt, widmet der Musiker ihm einen eigenen Song mit dem Titel "My Queen". Jetzt will er mit einem Benefizkonzert heute und morgen der beiden Opfern aus dem Wendlinger Autohaus gedenken.
"Es ist mir wichtig, die Erinnerungen aufrechzuerhalten"Denis Puljic hat in Stuttgart-Möhringen gewohnt und gelebt. Ursprünglich stammt er genau wie Koturic aus der kroatischen Hauptstadt Zagreb. "Wir sind seit Jahren befreundet, unsere Familien kennen sich gut", erzählt der Musiker. Dann stockt er und korrigiert, "waren befreundet, meine ich." Am 11. März befindet sich der 36-jährige Autoverkäufer Puljic gerade in einem Verkaufsgespräch, als der ehemalige Schüler der Winnender Albertville-Realschule in die Filiale stürmt und losschießt. Auch der Kunde Sigur Wilk aus Kirchheim unter Teck überlebt diesen Angriff nicht.
"Es ist mir wichtig, die Erinnerungen an diese beiden Menschen aufrechtzuerhalten", sagt er. Seinem Freund zu Ehren hat er deshalb auch dessen Lieblingsmusiker, die kroatische Band Prljavo Kazaliste, für den Samstag angeheuert. "Schon auf seiner Beerdigung in Zagreb haben wir ihm ein Lied dieser Band am Grab gespielt. Das hätte sich Denis sicher gewünscht", sagt Koturic.
Es sei aber nicht leicht gewesen, die Musiker zu bekommen. "Sie sind in Kroatien etwa so berühmt wie Queen oder Herbert Grönemeyer. Aber als sie hörten, worum es geht, haben sie zugesagt", sagt Koturic. Ganz kostenlos tun sie das zwar nicht, "wir zahlen aber nur rund ein Viertel von ihrer üblichen Gage", fügt der Musiker hinzu. Der verbleibende Erlös aus den Karten soll den beiden Familien der Opfer zugutekommen.
"Beide Opfer lassen Frau und Kinder zurück", sagt Koturic. Puljic habe eine zweijährige Tochter. Wilk hinterlasse zwei Kinder im Alter von acht und elf Jahren. "Sie müssen jetzt ohne Vater aufwachsen", sagt Koturic. Ihnen möchte er eine DVD vom Benefizkonzert schenken, damit sie sich später zumindest an die Gedenkfeier erinnern können. "Ich möchte, dass sie sehen, wie viele Menschen nur für ihre Väter gekommen sind."
Müde SpendenbereitschaftDas Konzert heißt deshalb auch "Du bist nicht allein", auf Kroatisch "Ti nisi sam". Insgesamt treten vierzehn Bands und Künstler auf. Enttäuscht zeigt sich Sinisa Koturic über die etwas "müde Spendenbereitschaft" der angefragten Firmen. "Wir haben viele mögliche Sponsoren angesprochen. Ganz umsonst bekommen wir die Bands eben nicht, und wir wollen ja die beiden betroffenen Familien unterstützen. Selbst das Autohaus, in dem Puljic jahrelang gearbeitet hat, habe sich nicht beteiligen wollen.
Wendlingens Bürgermeister Frank Ziegler kann noch nicht abzuschätzen, welche Dimensionen das Benefizkonzert annehmen wird. "Aber die Veranstalter rechnen mit mehreren Tausend Besuchern." Im Ort sei mittlerweile wieder der Alltag eingekehrt. "Die Betroffenheit hier ist inzwischen nicht mehr so groß."
Veranstaltungsort ist das Areal beim Club Live in der Wertstraße31 des Wendlinger Industriegebiets. Die Konzerte beginnen am Freitag und Samstag jeweils um 17 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse. Näheres unter:
www.du-bist-nicht-allein.com