Studenten fordern Bildungsreform
Cocktails sollen Lust auf Streik machen
Viola Volland, veröffentlicht am 22.05.2009
Stuttgart - Studiengebühren, erhöhter Zeitdruck, verschulte Lehre - vom 15. bis 19. Juni wollen sich Studenten und Schüler bundesweit mit einem Streik gegen Missstände im Bildungssystem wehren. Der Arbeitskreis Bildung trommelt jetzt in Stuttgart für die Aktion. Die Studenten vom Arbeitskreis Bildung haben sich mit ihrem Tisch gut platziert. Wer zur Vorlesung in der Heilbronner Straße will, muss an ihrem Stand mit dem vielversprechenden Angebot vorbei. "Resistenza Sunrise", "Education Libre" oder auch "Piranha Bite" wird hier ausgeschenkt. Als Beigabe zu den Cocktails gibt es ein Flugblatt mit Informationen zum Bildungsstreik, der vom 15. bis 19. Juni bundesweit stattfinden soll.
"Wie Bildungsstreik? Was für ein Bildungsstreik?" Die Frage kommt in Variationen an diesem Tag immer wieder. "Viele haben noch gar nichts vom Streik gewusst, aber deshalb sind wir heute ja auch hier", sagt der Informatikstudent Björn Schembera, der gemeinsam mit drei Mitstreitern hinter dem improvisierten Tresen steht.
Die Aktion mit den Bildungscocktails ist der Auftakt einer Mobilisierungskampagne, und hat vor allem einen Zweck: über die verkauften Getränke Geld in die Kasse zu spülen. "Wir müssen Flyer und Plakate drucken und weitere Aktionen finanzieren", erklärt Björn Schembera. In den nächsten Wochen wollen die Mitglieder des AK Bildung immer wieder auf die Streiktage aufmerksam machen und eine Bewegung anstoßen, so dass am 10. Juni bei der Vollversammlung möglichst viele "Ja" zum Ausstand sagen. "Es hängt ganz viel davon ab, wie viele wir mobilisieren können", sagt Sara Nanni, die Sprecherin des AK Bildung.
Zustände sind "nicht mehr hinnehmbar"
Eine Gruppe Heidelberger Studenten hatte die Streikwoche, die auch von Gewerkschaften unterstützt wird, im November initiiert. Dass der AK Bildung nun an der Uni Stuttgart für den Ausstand trommelt, erinnert an vergangene Zeiten. 2005 hatte der fächerübergreifende Arbeitskreis eine Streikwoche an der Uni Stuttgart auf höchst kreative Weise organisiert.
Erst kürzlich wurde die hochschulpolitische Gruppe von rund 30 Studenten wieder neu ins Leben gerufen. Sie hätten genug davon, leere Worte zu hören, denen keine Taten folgten. Deutschland präsentiere sich als Bildungsrepublik, Angela Merkel lasse sich als "Bildungskanzlerin" feiern, "doch inhaltlich passiert tatsächlich wenig", sagt Sara Nanni. In ihrem Streikaufruf bezeichnen die Studenten die Zustände im Bildungssystem als "nicht mehr hinnehmbar". Sie kritisieren die Studiengebühren, die sozial Schwächere abschreckten. Die neuen Bachelorstudiengänge seien zudem zu verschult und setzten die Studierenden massiv unter Zeitdruck. Teilweise sei es gar nicht möglich, einen tiefen Einblick in die Materie zu bekommen, sagt Sara Nanni, die selbst einen vollgestopften Studienplan von morgens bis abends hat. "Ich würde gerne selbst bestimmen, wann ich welchen Kurs besuche, gerade abends ist die Aufnahmefähigkeit nicht hoch", erzählt die 21-Jährige.
Neben der Mobilisierung ihrer Kommilitonen kümmert sich der AK Bildung zurzeit darum, ein Alternativprogramm für den Juni auf die Beine zu stellen. Es soll Vorträge zu den Themen Bildung und Bologna-Prozess geben. Auf die Hochschulreform geht die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge zurück. Sprachkurse von Studenten für Studenten sind ebenfalls geplant.
Ziel der Studenten ist es, auch die Professoren und Dozenten mit ins Boot zu holen. Der AK Bildung hat am 11. Mai einen offenen Brief an die Lehrenden der Universität geschrieben und diese aufgefordert, sich in der Woche aktiv einzubringen: mit kritischen Vorträgen, indem sie geplante Lehrinhalte online stellen oder die Anwesenheitslisten in dieser Woche nicht führen. "Der Streik richtet sich nicht gegen Sie, sondern gegen das für die aktuelle Studiensituation verantwortliche Wissenschaftsministerium unter Peter Frankenberg", steht in dem Brief. Alle Versprechen von einer Verbesserung der Lehre seien bisher gebrochen worden.
Wer übrigens gedacht hätte, dass die "Bildungscocktail"-Aktion zu einem großen Besäufnis geführt hat, irrt. Den Tag über lag ein Drink namens "Clear Head" bei der Nachfrage ganz vorne: er enthält Orangensaft, Eis und Grenadine und ist alkoholfrei.
www.akbildungstuttgart.de
"Wie Bildungsstreik? Was für ein Bildungsstreik?" Die Frage kommt in Variationen an diesem Tag immer wieder. "Viele haben noch gar nichts vom Streik gewusst, aber deshalb sind wir heute ja auch hier", sagt der Informatikstudent Björn Schembera, der gemeinsam mit drei Mitstreitern hinter dem improvisierten Tresen steht.
Die Aktion mit den Bildungscocktails ist der Auftakt einer Mobilisierungskampagne, und hat vor allem einen Zweck: über die verkauften Getränke Geld in die Kasse zu spülen. "Wir müssen Flyer und Plakate drucken und weitere Aktionen finanzieren", erklärt Björn Schembera. In den nächsten Wochen wollen die Mitglieder des AK Bildung immer wieder auf die Streiktage aufmerksam machen und eine Bewegung anstoßen, so dass am 10. Juni bei der Vollversammlung möglichst viele "Ja" zum Ausstand sagen. "Es hängt ganz viel davon ab, wie viele wir mobilisieren können", sagt Sara Nanni, die Sprecherin des AK Bildung.
Zustände sind "nicht mehr hinnehmbar"
Eine Gruppe Heidelberger Studenten hatte die Streikwoche, die auch von Gewerkschaften unterstützt wird, im November initiiert. Dass der AK Bildung nun an der Uni Stuttgart für den Ausstand trommelt, erinnert an vergangene Zeiten. 2005 hatte der fächerübergreifende Arbeitskreis eine Streikwoche an der Uni Stuttgart auf höchst kreative Weise organisiert.
Erst kürzlich wurde die hochschulpolitische Gruppe von rund 30 Studenten wieder neu ins Leben gerufen. Sie hätten genug davon, leere Worte zu hören, denen keine Taten folgten. Deutschland präsentiere sich als Bildungsrepublik, Angela Merkel lasse sich als "Bildungskanzlerin" feiern, "doch inhaltlich passiert tatsächlich wenig", sagt Sara Nanni. In ihrem Streikaufruf bezeichnen die Studenten die Zustände im Bildungssystem als "nicht mehr hinnehmbar". Sie kritisieren die Studiengebühren, die sozial Schwächere abschreckten. Die neuen Bachelorstudiengänge seien zudem zu verschult und setzten die Studierenden massiv unter Zeitdruck. Teilweise sei es gar nicht möglich, einen tiefen Einblick in die Materie zu bekommen, sagt Sara Nanni, die selbst einen vollgestopften Studienplan von morgens bis abends hat. "Ich würde gerne selbst bestimmen, wann ich welchen Kurs besuche, gerade abends ist die Aufnahmefähigkeit nicht hoch", erzählt die 21-Jährige.
Neben der Mobilisierung ihrer Kommilitonen kümmert sich der AK Bildung zurzeit darum, ein Alternativprogramm für den Juni auf die Beine zu stellen. Es soll Vorträge zu den Themen Bildung und Bologna-Prozess geben. Auf die Hochschulreform geht die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge zurück. Sprachkurse von Studenten für Studenten sind ebenfalls geplant.
Ziel der Studenten ist es, auch die Professoren und Dozenten mit ins Boot zu holen. Der AK Bildung hat am 11. Mai einen offenen Brief an die Lehrenden der Universität geschrieben und diese aufgefordert, sich in der Woche aktiv einzubringen: mit kritischen Vorträgen, indem sie geplante Lehrinhalte online stellen oder die Anwesenheitslisten in dieser Woche nicht führen. "Der Streik richtet sich nicht gegen Sie, sondern gegen das für die aktuelle Studiensituation verantwortliche Wissenschaftsministerium unter Peter Frankenberg", steht in dem Brief. Alle Versprechen von einer Verbesserung der Lehre seien bisher gebrochen worden.
Wer übrigens gedacht hätte, dass die "Bildungscocktail"-Aktion zu einem großen Besäufnis geführt hat, irrt. Den Tag über lag ein Drink namens "Clear Head" bei der Nachfrage ganz vorne: er enthält Orangensaft, Eis und Grenadine und ist alkoholfrei.
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