Villa Berg

Widerstand gegen Luxuswohnungen im Park

Jörg Nauke, veröffentlicht am 29.05.2009
Foto: Zweygarth

Stuttgart - Der Investor Rudi Häussler will mitten im Park der Villa Berg Luxus-Wohnungen bauen. Gegen den Standort regt sich im Stadtbezirk und im Gemeinderat Widerstand. Baubürgermeister Hahn versteht die Aufregung nicht.


  Von Jörg Nauke

 
Der Südwestrundfunk (SWR) ist finanziell nicht in der Lage, seine Villa Berg für zehn bis 15 Millionen Euro zu sanieren, außerdem brauchte er Geld, um seinen Studioneubau zu bezahlen. Er hat deshalb dem Investor Rudi Häussler das Kleinod zum Preis von einem Euro überlassen und zudem das Grundstück samt Tiefgarage für etwa 6,5 Millionen Euro verkauft, auf dem sich noch bis 2011 die SWR-Fernsehstudios befinden.

 
 

Inmitten der etwas vernachlässigten grünen Lunge des Stadtteils Berg will Häussler eine Wohnanlage mit 62 Luxusappartements erstellen. Für Stuttgart böte sich die Chance "ein neues Premiumstadtquartier in einzigartiger Parklage zu errichten", meint der Investor. Zwei Tiefgaragenplätze pro Einheit, ein Schwimmbad für alle und ein Portier gehören zum Wohlfühlpaket. Und das muss noch längst nicht alles sein. In der konstituierenden Sitzung des Preisgerichts für das Gutachterverfahren ist auch über das dritte Gemäuer im Park, das ebenfalls vom SWR genutzte Gutbrod-Gebäude, gesprochen worden. Häussler hat ein Vorkaufsrecht.

Der Park der Villa Berg entstand Mitte des 19. Jahrhunderts und ist als eines der schönsten Kleinode der Stadt denkmalgeschützt. Er wurde im Auftrag des württembergischen Kronprinzen Karl von Friedrich Neuner angelegt. Der Anlage ist zudem integraler Bestandteil des "Grünen U", der Parklandschaft, die eine Verbindung schafft von den Schlossgartenanlagen, über den Park der Villa Berg, den Rosensteinpark und die Wilhelma, den Leibfriedschen Garten, den Wartberg und bis zum Höhenpark Killesberg.

Öffentlicher Park bald wieder in städtischer Hand?

Grundsätzlich umstritten sind die Häusslerschen Luxuswohnungen nicht. Bereits 2005 hat der Gemeinderat dem SWR signalisiert, dass der Bebauungsplan für die Parkflächen so geändert werden könnte, dass er sie einem Wohnungsbauunternehmer andienen könnte. Auf den Standort hatte man sich allerdings nicht festgelegt. Deshalb wundert man sich jetzt auch im Rathaus, dass in der Verwaltung so getan wird, als ob alles klar sei, und dass sich der Technische Ausschuss bisher nicht über das Projekt informierte.

Die naheliegende Frage - was eigentlich dagegen spräche, die vom SWR genutzte öffentliche Parkfläche in städtischen Besitz zurückzuführen und dem Investor einen Ersatz am Parkrand anzubieten - wurde dort bisher offiziell nicht gestellt. Aber im Bezirksbeirat Ost. Das lediglich beratende Gremium hat auch nichts gegen teuren Wohnraum, aber eben gegen ein Domizil inmitten der grünen Lunge. Auch im Gutachterausschuss ist ausweislich des Häussler-Protokolls von Fachleuten die Frage gestellt worden, "warum die Stadt Wohnbebauung an dieser Stelle zulässt" - als ob es dafür schon eine Genehmigung gäbe. Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) argumentierte damit, "dass Standortalternativen im Norden und Südosten von der Stadt ohne zufriedenstellendes Ergebnis diskutiert wurden und sich deshalb für die Bebauung an dieser Stelle ausgesprochen wurde". Hahn räumt ein, nicht öffentlich, sondern vor allem intern die Fragen erörtert zu haben.

Kritische Stimmen auch in der Verwaltung

Sein Mitarbeiter Uwe Stuckenbrock hatte allerdings 2007, als Häussler den Vorzug vor den LBBW-Immobilien erhielt, angekündigt, es werde "alles untersucht" und danach veröffentlicht. Bisher habe es aber keine Präsentation der Pläne und schon gar keine Debatte gegeben, sagt Bezirksvorsteher Bernhard Kübler (CDU). Als nun die Grünen gefordert haben, die angeblich unvorteilhaften Alternativen - auf dem städtischen Betriebshof an der Sickstraße und im Anschluss an die Neubebauung des ehemaligen Frauenklinikgeländes - präsentiert zu bekommen, riet Bürgermeister Hahn zur Ablehnung. Er halte den Vorstoß der Grünen für Wahlkampfgetöse, schließlich hätten sie zuvor noch kein einziges kritisches Wort über das Vorhaben verloren. Bei Jürgen Guckenberger war das anders. Der SPD-Stadtrat hatte 2005 gemeint, die SWR-Flächen sollten dem Park zurückgegeben werden. Nun hält er die Planung für alternativlos. Nach StZ-Informationen gibt es in der Verwaltung durchaus Stimmen, die die Gebäude am geplanten Standort kritisch sehen. Es heißt, OB Schuster habe sich Kritik verbeten.

Anders als bei früheren Projekten in Parknähe hält sich der Verein Berger Bürger mit Kritik zurück. Beobachter verweisen in diesem Zusammenhang auf ein Werbeplakat für das Berger Fest, auf dem Häussler als Sponsor geführt wird. Der Verein kann finanziellen Beistand brauchen: Das Defizit beläuft sich schon vor dem Fassanstich auf 20.000 Euro.
 
Kommentare
Dagmar Nachtigall,
06.06.2009 18:25
Ich bin Jahrgang 1952 und am, im und mit dem einst märchenschönen Park der Villa Berg aufgewachsen. Bereits Anfang der 60er Jahre mußte ich mit hilflosem Entsetzen zusehen, wie sich die Bagger unerbittlich in die Südseite der Villa mit ihrer romantischen, von mächtigen Linden und Kastanien beschatteten, balustradengeschmückten Promenade fraßen, an deren Anfang an einem runden Steintisch sich des Sonntags das Kaiserreich bei einer dicken Zigarre zum Kartenspiel einfand. Nicht einer, der heute dort spazierengeht und "meinen" Park nicht gekannt hat, kann sich auch nur im entferntesten vorstellen, wie grausam die Eingriffe des SWR - auch später an anderer Stelle noch - wirklich waren. Ein grünes Kunstwert wurde Stück für Stück geopfert, geschändet und plattgemacht, wie groß auch der Aufschrei in der Bevölkerung war. Seit Jahren beschäftige ich mich nun mit der Geschichte Stuttgarts und seiner Parks und noch zu keiner Zeit wurde das Interesse von Bevölkerung und Natur über das der Mächtigen gestellt. Ich fürchte, das wird auch diesmal so sein und doch hoffe ich, daß ich mich irre. Was da starb und sterben soll ist ein Stück von mir, ist meine Heimat. Und das Herz tut mir weh.
Thomas Walter,
31.05.2009 19:11
Herr Häussler hat sich sicher mit vielen Bauprojekten verdient gemacht um die kommerzielle Weiterentwicklung der Architektur in der Stadt. Es ist ihm auch hoch anzurechnen, dass er die historische Villa Berg wieder in Schuss bringen will, die zusammen mit der Berger Kirche, dem Schloss Rosenstein, der Wilhelma und der Grabkapelle ein schönes altes architektonisches Ensemble darstellt.

Das berechtigt ihn aus ebendiesem historischen Grunde nicht, den umliegenden Park-Bestand, der ohnehin durch die bestehende SWR-Bebauung mit dem Gutbrod-Gebäude mehr als ihm gut tat, geschädigt ist, weiter für Bauzwecke "umzunutzen".

Und für ein demokratisches Gemeinwesen gehört es sich einfach nicht, solche Eingriffe in öffentlichen Raum nach Gutsherrenart mal eben in nichtöffentlichen Sitzungen vorab mit Investoren auszukungeln. Dem gehört Einhalt geboten. Eindeutig.

Stuttgart kann stolz sein auf seine Grünanlagen und Parks. Das sollte auch so bleiben. Drum: Hände weg von (Wohn-)Bebauung in sensiblen historischen Parkbereichen!
Monika Kitarovski,
31.05.2009 10:42
Welcher Depp kauft denn heute noch Immobilien? Bei 0 % Wertsteigerung trotz Inflation kann das ja nur ein Verlustgeschäft werden. Zumal sich heute keiner mehr festlegen kann auf die nächsten 20 Jahre. Die Welt dreht sich schließlich immer schneller, flexibel sein ist da das Stichwort. Die Zeiten sind vorbei, daß man bis zur Rente beim Daimler oder Bosch seinen sicheren Arbeitsplatz hatte. Vielleicht wird Stuttgart ja auch mal zum Detroit Deutschlands, so einseitig abhängig wie man von der Autoindustrie ist. Dann ist die ganze schöne Kohle futsch...
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