Stuttgart - Der Leser hat kein Archiv, lautet eine alte Journalistenweisheit. Weil das stimmt, braucht man sich natürlich nicht darüber zu wundern, dass jetzt Diskussionen darüber aufgekommen sind, ob dem Stuttgarter Investor Rudi Häussler tatsächlich gestattet werden soll, im öffentlichen Park der Villa Berg mehrere Gebäude mit Luxuswohnungen und einem Schwimmbad zu bauen.
Von Jörg Nauke
Um eine konkrete Vorstellung von diesem Vorhaben zu bekommen, hat der Bauwillige ganz aktuell einen Wettbewerb initiiert, wobei die veröffentlichten Details den örtlichen Bezirksbeirat so geschockt haben müssen, dass er sich strikt dagegen ausgesprochen hat. Für das Vorhaben sind aber tatsächlich schon vor vier Jahren im Rathaus Fakten geschaffen worden. Nicht etwa durch einen Beschluss, im Gegenteil: der Technische Ausschuss des Gemeinderats hat sich in großer Eintracht um eine klare Antwort auf die Frage gedrückt, ob im Park gebaut werden darf. Man hat es einfach geschehen lassen.
Alle Fraktionen gaben ohne Widerstand der Drohung des Südwestrundfunks nach, die Fernsehproduktion nach Baden-Baden zu verlegen, wenn die Stadt nicht die Möglichkeit eröffne, das SWR-Grundstück im Park, auf dem sich die alten Studios befinden, durch den Verkauf an einen Wohnungsbauinvestor zu versilbern. Der Sender hegte schon damals auch die Hoffnung, dass dieser Jemand die benachbarte Villa Berg für einen Euro nehmen und sanieren würde. Nur durch den Verkauf sei der inzwischen begonnene Studioneubau in Stuttgart zu finanzieren, hieß es damals. Ein klarer Fall von Übertreibung: Der Verkauf des Grundstücks brachte nämlich nicht mehr als fünf Millionen Euro - das reichte nicht einmal, um die Kostenexplosion des Studioprojekts zu finanzieren.
Natürlich kann die Stadt sich jetzt nicht plötzlich gegen Wohnungsbau im Park der Villa Berg aussprechen. Sie muss aber zumindest versprechen, dass daraus kein Trend wird. Nicht, dass der Modemeilen-Investor Franz Fürst plötzlich Wohnungsbau nicht mehr am Parkrand, sondern direkt im Höhenpark Killesberg aus finanziellen Gründen für nötig erachtet, oder die Bahn anstelle des Planetariums schicke Schlossgarten-Appartements für Stuttgart-21-Fans anbietet.
Auch wenn sich grundsätzlich nichts gegen das Häussler-Vorhaben sagen lässt, so unterschiedlich sind die Ansichten darüber, ob die Luxusresidenz exakt an der Stelle der heutigen Studios errichtet werden muss. Auch hier könnte im Bebauungsplanverfahren zugunsten des Investors entschieden werden. Um sich Ärger im Stadtbezirk zu ersparen, sollten aber die Alternativen nicht in der Schublade verstauben. Die Erörterung hat bisher nur hinter geschlossenen Amtstüren stattgefunden - aus Gründen der Arbeitsökonomie, sagt Baubürgermeister Hahn (SPD), der den von seinen Mitarbeitern ausgearbeiteten Vorschlag, Häussler Ersatzgrundstücke am Rande des Parks anzubieten, nicht für sinnvoll erachtet. Man braucht sich im Rathaus aber nicht zu wundern, dass bei so einer Geheimnistuerei die Skepsis wächst.
Und auch im betroffenen Stadtteil selbst wird Unfrieden gesät. Dazu passt auch der Umstand, dass das Logo des Vaihingers Häussler plötzlich die Werbeplakate des sonst so kritischen Bürgervereins Berg ziert - der dadurch plötzlich stumm geworden ist.
Von Jörg Nauke
Um eine konkrete Vorstellung von diesem Vorhaben zu bekommen, hat der Bauwillige ganz aktuell einen Wettbewerb initiiert, wobei die veröffentlichten Details den örtlichen Bezirksbeirat so geschockt haben müssen, dass er sich strikt dagegen ausgesprochen hat. Für das Vorhaben sind aber tatsächlich schon vor vier Jahren im Rathaus Fakten geschaffen worden. Nicht etwa durch einen Beschluss, im Gegenteil: der Technische Ausschuss des Gemeinderats hat sich in großer Eintracht um eine klare Antwort auf die Frage gedrückt, ob im Park gebaut werden darf. Man hat es einfach geschehen lassen.
Alle Fraktionen gaben ohne Widerstand der Drohung des Südwestrundfunks nach, die Fernsehproduktion nach Baden-Baden zu verlegen, wenn die Stadt nicht die Möglichkeit eröffne, das SWR-Grundstück im Park, auf dem sich die alten Studios befinden, durch den Verkauf an einen Wohnungsbauinvestor zu versilbern. Der Sender hegte schon damals auch die Hoffnung, dass dieser Jemand die benachbarte Villa Berg für einen Euro nehmen und sanieren würde. Nur durch den Verkauf sei der inzwischen begonnene Studioneubau in Stuttgart zu finanzieren, hieß es damals. Ein klarer Fall von Übertreibung: Der Verkauf des Grundstücks brachte nämlich nicht mehr als fünf Millionen Euro - das reichte nicht einmal, um die Kostenexplosion des Studioprojekts zu finanzieren.
Natürlich kann die Stadt sich jetzt nicht plötzlich gegen Wohnungsbau im Park der Villa Berg aussprechen. Sie muss aber zumindest versprechen, dass daraus kein Trend wird. Nicht, dass der Modemeilen-Investor Franz Fürst plötzlich Wohnungsbau nicht mehr am Parkrand, sondern direkt im Höhenpark Killesberg aus finanziellen Gründen für nötig erachtet, oder die Bahn anstelle des Planetariums schicke Schlossgarten-Appartements für Stuttgart-21-Fans anbietet.
Auch wenn sich grundsätzlich nichts gegen das Häussler-Vorhaben sagen lässt, so unterschiedlich sind die Ansichten darüber, ob die Luxusresidenz exakt an der Stelle der heutigen Studios errichtet werden muss. Auch hier könnte im Bebauungsplanverfahren zugunsten des Investors entschieden werden. Um sich Ärger im Stadtbezirk zu ersparen, sollten aber die Alternativen nicht in der Schublade verstauben. Die Erörterung hat bisher nur hinter geschlossenen Amtstüren stattgefunden - aus Gründen der Arbeitsökonomie, sagt Baubürgermeister Hahn (SPD), der den von seinen Mitarbeitern ausgearbeiteten Vorschlag, Häussler Ersatzgrundstücke am Rande des Parks anzubieten, nicht für sinnvoll erachtet. Man braucht sich im Rathaus aber nicht zu wundern, dass bei so einer Geheimnistuerei die Skepsis wächst.
Und auch im betroffenen Stadtteil selbst wird Unfrieden gesät. Dazu passt auch der Umstand, dass das Logo des Vaihingers Häussler plötzlich die Werbeplakate des sonst so kritischen Bürgervereins Berg ziert - der dadurch plötzlich stumm geworden ist.
Anzeigen
Anzeige
Anzeige
Veranstaltungen
Finden Sie
Heute können Sie aus 371 Veranstaltungsterminen auswählen
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten
Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung.
Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.





