Hochhaus-Sprengung

Panne kratzt am Ego des Sprengmeisters

Text: Nathalie Mainka, Fotos: factum, veröffentlicht am 01.06.2009
Foto: factum/Granville

Leonberg - Der einst größte Imageträger der Stadt Leonberg liegt am Boden. Am Pfingstsamstag sind die beiden Bausparkassen-Hochhäuser gesprengt worden. Doch es gab eine Panne. Ein Teil des Nordflügels hat der Explosion standgehalten.

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Ein beliebtes Ausflugsziel an Pfingsten ist die Leonberger Stadtmitte gewesen. Menschen strömten auch an den Tagen nach der Sprengung zum Ort des Geschehens. Ein begehrtes Fotomotiv: Die Trümmer der Bausparkassen-Hochhäuser. Aus der Mitte ragt ein 25 Meter hoher Häuserrest, der bei der Explosion überraschenderweise stehen geblieben ist.

Eine Stunde nach dem großen Knall beantwortete Gerhard Petermann von der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH als Auftraggeber des rund drei Millionen teuren Abrisses die wichtigste Frage zuerst: "Die Standsicherheit des Gebäudes ist nicht gefährdet." Die Sprengung sei zwar war nicht ganz erfolgreich gewesen, "aber wir sind nicht unzufrieden." Der Restabbruch erfolge nun konventionell mit Langarmbaggern. "Somit müssen wir mit einer knappen Verzögerung der Aufräumarbeiten von einer Woche rechnen", erklärte Petermann.

"Die Geometrie war ungünstig"

Der Sprengmeister Lothar Rapp hatte keineswegs damit gerechnet, dass ein Teil des Gebäudes stehen bleibt. Wäre sein Plan aufgegangen, hätte das obere Ende des Nordbaus in westlicher Richtung kippen müssen. "Doch die Geometrie war ungünstig, der Nordbau hat sich nicht so verhalten, wie wir erhofft hatten. Die Stützen haben frühzeitig versagt und es ist zum Kollaps gekommen", analysierte Rapp. 200 Kilogramm Sprengstoff seien absolut ausreichend gewesen. Davon ist Rapp trotz der Panne überzeugt.

"Hätten wir ihn auf noch mehr Stockwerke verteilt, hätte das Gewicht gefehlt, das von oben drückt", so Rapp Bereits während der einmonatigen Vorbereitungszeit war er sich der Herausforderung bewusst gewesen. "Die Pläne des Gebäudes sind veraltet und stimmen vorne und hinten nicht." Während also der Südbau planmäßig in sich zusammenfiel, war der Trümmerberg des Nordbaus am Ende zehn Meter höher als geplant. "Als Sprengmeister kann ich damit nicht zufrieden sein, mein Ego ist schon etwas angekratzt, weil wir immer den Anspruch haben, perfektionistisch zu sein", sagte Rapp mit einem gewissen Schalk in den Augen.

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Abgesehen von diesem "Schönheitsfehler" zogen alle Beteiligten eine positive Bilanz. "Die Messungen der Erschütterung lagen im positiven Bereich", sagte Gerhard Petermann von Wüstenrot. "Rund um das Areal ist nichts passiert." Auch die Staubwolke sei auf Grund der Wetterbedingungen schnell abgezogen. Zudem hatte die Feuerwehr im Vorfeld 6000 Liter Wasser pro Minute auf das Gebäude gespritzt, um die Staubentwicklung einzudämmen.

Der Oberbürgermeister Bernhard Schuler war froh, dass der Ablauf der Sprengung reibungslos über die Bühne gegangen ist. "Ich muss der Abbruchfirma ein Kompliment machen, denn im Vergleich zur Größe des Gebäudes war die Belastung durch die vorangegangenen Abrissarbeiten gering." Er muss es wissen, denn sein Büro ist nahe der Baustelle. Den Bewohnern sprach er Dank aus, "dass sie so problemlos bei der Evakuierung mitgezogen haben." Bis Ende August sollen die Aufräumarbeiten dauern.

Mit dem Einsturz der Häuser ist ein Vierteljahrhundert Leonberger Stadtgeschichte zu Ende. Die Leonberger Bausparkasse war, bevor sie von Wüstenrot übernommen wurde, größter Arbeitgeber und Steuerzahler der Stadt. Jetzt soll das von der Häussler-Gruppe erworbene Grundstück zu einem Areal für Wohnen, Arbeiten und Einkaufen umgestaltet werden.
 
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