Experimente an 53 Einrichtungen
Zahl der Tierversuche nimmt stetig zu
Thomas Breining, veröffentlicht am 01.06.2009
Stuttgart - In Tierversuchen werden meist Medikamente getestet, bevor sie für den Einsatz an Menschen zugelassen werden. Im Land passiert das nur zum kleineren Teil. Hier dienen die meisten Versuche der Grundlagenforschung. Und es werden immer mehr.
Von Thomas Breining
Knapp 420.000 Tiere haben sich im Jahr 2007 in Baden-Württemberg um die Wissenschaft verdient gemacht, indem sie bei wissenschaftlichen Versuchen als lebende Objekte mitgemischt haben. Weitere 166.000 Tiere wurden für wissenschaftliche Zwecke getötet, ihre Organe dienten dann als Untersuchungsgegenstände. Insgesamt die meisten Versuchstiere waren Mäuse (286.000), gefolgt von Fischen (138.000) und Ratten (91.000). Hunde (306), Schafe (133) und Affen (15) nehmen da einen kleineren Raum ein.
Diese Zahlen gehen aus der gemeinsamen Antwort von Landwirtschafts- und Wissenschaftsministerium auf einen Berichtsantrag der Grünen im Landtag hervor. Die Grünen wurden geleitet von der Mutmaßung, "dass Politik und Wissenschaft immer noch dabei versagen, einer Forschung ohne Tierleid zum Durchbruch zu verhelfen". Tierversuche müssen - soweit sie nicht sogar gesetzlich vorgeschrieben sind - genehmigt werden. Die Regierungspräsidien sind dafür zuständig. Sie werden dabei von einer so genannten Ethikkommission beraten, in der Tierschützer aber in der Minderheit sind und in der mehrheitlich Wissenschaftler vertreten sind, die oft selbst Tierexperimente durchführen, wie Kritiker anmerken.
Immer mehr Tierversuche werden genehmigt
So führen auch die Grünen aus, dass "in der Praxis so gut wie kein Tierversuch abgelehnt" wird. Mit dem Argument der im Grundgesetz verankerten Forschungsfreiheit und der Androhung der Wissenschaftler, andernfalls ins Ausland abzuwandern, gelinge es den Antragstellern, "für so gut wie alle Tierversuchsprojekte eine Genehmigung zu erreichen".
Die Zahlen sprechen für diese Annahme. Waren es 2007 insgesamt rund 590.000 Versuchstiere, gab es ein Jahr zuvor erst 575.000 Experimentierobjekte; 2005 sogar nur 485.000. Auch die Zahl der Genehmigungen wächst: Wurde im Jahr 2006 392 Mal die Erlaubnis für Tierexperimente erteilt, war das ein Jahr später 483 Mal der Fall, im vergangenen Jahr dann 514 Mal.
Der weit überwiegende Teil der Tiere wird in Baden-Württemberg für die biologische Grundlagenforschung eingesetzt. Bei Experimenten mit lebenden Tieren waren es 2007 rund 57 Prozent, 2006 etwa 52 Prozent, 2005 nur 37 Prozent. Diese Grundlagenforschung hat - anders als die Arzneimittelforschung - nicht konkrete Fragen der Anwendung zum Ziel. Vielmehr dient sie zur Mehrung allgemeiner medizinischer und naturwissenschaftlicher Kenntnisse. Demgegenüber nimmt sich der Anteil der Versuchstiere, die eingesetzt werden, um Produkte oder Geräte für Human-, Zahn- und Veterinärmedizin zu entwickeln und zu erforschen mit 25 Prozent (2007) bescheiden aus.
Auch in 22 Privatunternehmen werden Tierversuche gemacht
In Baden-Württemberg wird dem Bericht der Ministerien zufolge in 53 Einrichtungen mit Tieren experimentiert. Die meisten davon sind staatlich oder staatlich gefördert, so zum Beispiel neun Hochschulen oder Universitätskliniken, aber auch Einrichtungen des Bundes oder der EU. Daneben werden in 22 Privatunternehmen Tierversuche gemacht.
Agrarminister Peter Hauk (CDU) als Unterzeichner des Berichts bekräftigt, die Landesregierung stehe zu ihrer Verantwortung, "die im Bereich von Forschung und Lehre verwendeten Tiere vor vermeidbaren Belastungen zu schützen". Das Land habe in der Vergangenheit verschiedene Initiativen ergriffen, "die einen wesentlichen Beitrag zur Verminderung von Tierversuchen und zur Reduzierung der Belastungen von Versuchstieren leisten". So sei beispielsweise in Konstanz die bundesweit erste Professur eingerichtet worden, die ersetzende oder ergänzende Methoden zu Tierversuchen entwickeln soll.
Weiter fördere das Land die Entwicklung solcher Methoden mit jährlich 300.000 Euro. Schließlich werde jährlich ein Forschungspreis im Wert von 25000 Euro für herausragende Arbeiten vergeben, die Alternativen zu Tierversuchen zeigen.
Von Thomas Breining
Knapp 420.000 Tiere haben sich im Jahr 2007 in Baden-Württemberg um die Wissenschaft verdient gemacht, indem sie bei wissenschaftlichen Versuchen als lebende Objekte mitgemischt haben. Weitere 166.000 Tiere wurden für wissenschaftliche Zwecke getötet, ihre Organe dienten dann als Untersuchungsgegenstände. Insgesamt die meisten Versuchstiere waren Mäuse (286.000), gefolgt von Fischen (138.000) und Ratten (91.000). Hunde (306), Schafe (133) und Affen (15) nehmen da einen kleineren Raum ein.
Diese Zahlen gehen aus der gemeinsamen Antwort von Landwirtschafts- und Wissenschaftsministerium auf einen Berichtsantrag der Grünen im Landtag hervor. Die Grünen wurden geleitet von der Mutmaßung, "dass Politik und Wissenschaft immer noch dabei versagen, einer Forschung ohne Tierleid zum Durchbruch zu verhelfen". Tierversuche müssen - soweit sie nicht sogar gesetzlich vorgeschrieben sind - genehmigt werden. Die Regierungspräsidien sind dafür zuständig. Sie werden dabei von einer so genannten Ethikkommission beraten, in der Tierschützer aber in der Minderheit sind und in der mehrheitlich Wissenschaftler vertreten sind, die oft selbst Tierexperimente durchführen, wie Kritiker anmerken.
Immer mehr Tierversuche werden genehmigt
So führen auch die Grünen aus, dass "in der Praxis so gut wie kein Tierversuch abgelehnt" wird. Mit dem Argument der im Grundgesetz verankerten Forschungsfreiheit und der Androhung der Wissenschaftler, andernfalls ins Ausland abzuwandern, gelinge es den Antragstellern, "für so gut wie alle Tierversuchsprojekte eine Genehmigung zu erreichen".
Die Zahlen sprechen für diese Annahme. Waren es 2007 insgesamt rund 590.000 Versuchstiere, gab es ein Jahr zuvor erst 575.000 Experimentierobjekte; 2005 sogar nur 485.000. Auch die Zahl der Genehmigungen wächst: Wurde im Jahr 2006 392 Mal die Erlaubnis für Tierexperimente erteilt, war das ein Jahr später 483 Mal der Fall, im vergangenen Jahr dann 514 Mal.
Der weit überwiegende Teil der Tiere wird in Baden-Württemberg für die biologische Grundlagenforschung eingesetzt. Bei Experimenten mit lebenden Tieren waren es 2007 rund 57 Prozent, 2006 etwa 52 Prozent, 2005 nur 37 Prozent. Diese Grundlagenforschung hat - anders als die Arzneimittelforschung - nicht konkrete Fragen der Anwendung zum Ziel. Vielmehr dient sie zur Mehrung allgemeiner medizinischer und naturwissenschaftlicher Kenntnisse. Demgegenüber nimmt sich der Anteil der Versuchstiere, die eingesetzt werden, um Produkte oder Geräte für Human-, Zahn- und Veterinärmedizin zu entwickeln und zu erforschen mit 25 Prozent (2007) bescheiden aus.
Auch in 22 Privatunternehmen werden Tierversuche gemacht
In Baden-Württemberg wird dem Bericht der Ministerien zufolge in 53 Einrichtungen mit Tieren experimentiert. Die meisten davon sind staatlich oder staatlich gefördert, so zum Beispiel neun Hochschulen oder Universitätskliniken, aber auch Einrichtungen des Bundes oder der EU. Daneben werden in 22 Privatunternehmen Tierversuche gemacht.
Agrarminister Peter Hauk (CDU) als Unterzeichner des Berichts bekräftigt, die Landesregierung stehe zu ihrer Verantwortung, "die im Bereich von Forschung und Lehre verwendeten Tiere vor vermeidbaren Belastungen zu schützen". Das Land habe in der Vergangenheit verschiedene Initiativen ergriffen, "die einen wesentlichen Beitrag zur Verminderung von Tierversuchen und zur Reduzierung der Belastungen von Versuchstieren leisten". So sei beispielsweise in Konstanz die bundesweit erste Professur eingerichtet worden, die ersetzende oder ergänzende Methoden zu Tierversuchen entwickeln soll.
Weiter fördere das Land die Entwicklung solcher Methoden mit jährlich 300.000 Euro. Schließlich werde jährlich ein Forschungspreis im Wert von 25000 Euro für herausragende Arbeiten vergeben, die Alternativen zu Tierversuchen zeigen.
Kommentare
Elisabeth Petras,
03.06.2009 13:55
Die von Herr Hauck genannten Maßnahmen sind nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein! Die Zahl der Tierversuche nimmt ja weiterhin stetig zu, ja es gibt sogar innerhalb der Tierärzteschaft eine Initiative, die Tierversuche fördert, um Arbeitsplätze für Tierärzte zu schaffen! Tierversuche brauchen nciht die gleichen strengen Kriterien erfüllen, wie die neu zuzulassenden Alternativmethoden. Um bestehende, eingefahrene Strukturen aufzubrechen, bräuchte es Gesetze und Anreize. Diese bestehen momentan kaum. Nur ein winziger Teil der Forschungsgelder fließt in Alternativmethoden - wie soll so ein Umdenken entstehen? Dabei lässt sich mit alternativen Methoden oft sogar besser und vor allem mehr erforschen - weil sie billiger sind und man die begrenzten Mittel so vielfältiger einsetzen kann.
Edgar Guhde,
02.06.2009 22:19
Dass diese furchtbaren Zahlen noch immer zunehmen bezeugt die ethische und auch wissenschaftliche Unreife von Staat und Gesellschaft. Ohne den Irrweg des Missbrauchs wehrloser Mitgeschöpfe wäre die Medizin auf anderen Wegen weiter. Was würden wir denn sagen, wenn uns an Kraft und Intelligenz überlegene Wesen auf die Erde kämen und mit uns so umgingen wie wir mit den Tieren? In beiden Fällen ist es nur das "Recht" des Stärkeren - also ein Unrecht.
patricia meier,
02.06.2009 14:45
Tierversuche sind absolut sinnlos da die Ergebnisse nicht auf Menschen übertragbar sind. Tiere reagieren ganz anders. Zudem ist es pure Tierquälerei und muss beendet werden!
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