Neuer Trumpf für die Gegner
Gutachter warnen vor Einkaufszentrum
Hildegund Oßwald, veröffentlicht am 04.06.2009
Siehe auch
Stuttgart - Der Bau eines großen Einkaufszentrums hinter dem Hauptbahnhof würde zulasten des vorhandenen Einzelhandels gehen. Ein neues Gutachten der Prognos AG warnt vor der Schaffung von Überkapazitäten am Rande der Innenstadt.
Von Hildegund Oßwald
Die Gegner eines großen, von der ECE Projektentwicklungsgesellschaft geplanten Einkaufszentrums an der Ecke Heilbronner/Wolframstraße halten einen neuen Trumpf in der Hand: Ein Gutachten der Prognos AG, das von der Cityinitiative in Auftrag gegeben wurde, kommt zu dem Schluss, "dass das ECE-Vorhaben in der geplanten Form nicht verträglich auf das Einzelhandelsangebot der Stadt Stuttgart wirkt und damit als nicht tragfähig einzuschätzen ist".
Braucht Stuttgart noch ein Einkaufszentrum? Ihre Meinung zählt!
Vor allem den Geschäften in der Innenstadt, in Bad Cannstatt und in Feuerbach drohten von der neuen Konkurrenz mit einem geschätzten Jahresumsatz von 226 Millionen Euro starke Einbußen. Deshalb sei allenfalls ein weit kleineres Nahversorgungszentrum hinter dem Bahnhof angebracht.
Zugespielte Argumente vor der Gemeindewahl
Das Prognos-Gutachten spielt den Gegnern eines Shoppingcenters kurz vor der Gemeinderatswahl nicht nur gebündelte und mit Wirtschaftsfakten unterlegte Argumente zu. Das Gutachten ist vielmehr auch politisch hochbrisant, denn Prognos korrigiert damit die eigene Studie aus dem Jahr 1997, die bis heute die planerische Grundlage für rund 50.000 Quadratmeter Einzelhandel auf dem Bahnareal an der Heilbronner Straße (A1-Areal) liefert.
"Unter heutigen Gesichtspunkten sind die damals gemachten Anregungen für das A1-Areal zu relativieren", räumte am Mittwoch der Prognos-Projektleiter Tobias Koch bei der Vorstellung des neuen Gutachtens offen ein. "Wir würden das korrigieren, da wir damals nicht wissen konnten, dass seitdem 250.000 Quadratmeter Handelsflächen dazugekommen sind und noch weitere 160.000 Quadratmeter Flächen geplant sind, ohne das geplante ECE-Center."
Die neue Einschätzung von Prognos stützt sich auf mehrere lokale und regionale Wirtschaftsdaten und Fakten. Zum einen werde die Bevölkerung aufgrund der allgemeinen demografischen Entwicklung in den kommenden 15 Jahren voraussichtlich um knapp drei Prozent abnehmen. Zum anderen sei nicht nur wegen der Wirtschaftskrise mit stagnierenden bis sinkenden Umsätzen im Einzelhandel zu rechnen.
Weitere Handelsflächen geplant
Diesen beiden Fakten stehe aber die Tatsache gegenüber, dass Stuttgart mit 1,5 Quadratmetern je Einwohner bereits heute mehr Ladenfläche habe als die meisten anderen Großstädte - insgesamt sind es rund 870.000 Quadratmeter. Schon heute aber seien weit mehr weitere Handelsflächen geplant, als im Konzept der Stadt bis zum Jahr 2020 prognostiziert.
Der Citymanager Hans H. Pfeifer sieht das Gutachten als Basis für eine Grundsatzdebatte über den lokalen Handel. Er geht davon aus, dass erst der neue Gemeinderat über die weitere Entwicklung entscheiden wird. Denkbar sei, dass der bis 2010 geltende Bebauungsplan geändert werde oder die Stadt das Grundstück hinter dem Bahnhof erwerbe. Zuversicht schöpft Pfeifer aus einer aktuellen Umfrage der Cityinitiative unter Gemeinderatskandidatinnen und Kandidaten. Bei 77Rückmeldungen sei das Ergebnis eindeutig gewesen. Pfeifer: "Quer durch alle politischen Gruppierungen wird von 97 Prozent der Antwortenden das geplante Einkaufszentrum abgelehnt. Etwa 75 Prozent befürworten ein Nahversorgungszentrum und 62 Prozent den Grundstückskauf durch die Stadt."
Von Hildegund Oßwald
Die Gegner eines großen, von der ECE Projektentwicklungsgesellschaft geplanten Einkaufszentrums an der Ecke Heilbronner/Wolframstraße halten einen neuen Trumpf in der Hand: Ein Gutachten der Prognos AG, das von der Cityinitiative in Auftrag gegeben wurde, kommt zu dem Schluss, "dass das ECE-Vorhaben in der geplanten Form nicht verträglich auf das Einzelhandelsangebot der Stadt Stuttgart wirkt und damit als nicht tragfähig einzuschätzen ist".

Vor allem den Geschäften in der Innenstadt, in Bad Cannstatt und in Feuerbach drohten von der neuen Konkurrenz mit einem geschätzten Jahresumsatz von 226 Millionen Euro starke Einbußen. Deshalb sei allenfalls ein weit kleineres Nahversorgungszentrum hinter dem Bahnhof angebracht.
Zugespielte Argumente vor der Gemeindewahl
Das Prognos-Gutachten spielt den Gegnern eines Shoppingcenters kurz vor der Gemeinderatswahl nicht nur gebündelte und mit Wirtschaftsfakten unterlegte Argumente zu. Das Gutachten ist vielmehr auch politisch hochbrisant, denn Prognos korrigiert damit die eigene Studie aus dem Jahr 1997, die bis heute die planerische Grundlage für rund 50.000 Quadratmeter Einzelhandel auf dem Bahnareal an der Heilbronner Straße (A1-Areal) liefert.
"Unter heutigen Gesichtspunkten sind die damals gemachten Anregungen für das A1-Areal zu relativieren", räumte am Mittwoch der Prognos-Projektleiter Tobias Koch bei der Vorstellung des neuen Gutachtens offen ein. "Wir würden das korrigieren, da wir damals nicht wissen konnten, dass seitdem 250.000 Quadratmeter Handelsflächen dazugekommen sind und noch weitere 160.000 Quadratmeter Flächen geplant sind, ohne das geplante ECE-Center."
Die neue Einschätzung von Prognos stützt sich auf mehrere lokale und regionale Wirtschaftsdaten und Fakten. Zum einen werde die Bevölkerung aufgrund der allgemeinen demografischen Entwicklung in den kommenden 15 Jahren voraussichtlich um knapp drei Prozent abnehmen. Zum anderen sei nicht nur wegen der Wirtschaftskrise mit stagnierenden bis sinkenden Umsätzen im Einzelhandel zu rechnen.
Weitere Handelsflächen geplant
Diesen beiden Fakten stehe aber die Tatsache gegenüber, dass Stuttgart mit 1,5 Quadratmetern je Einwohner bereits heute mehr Ladenfläche habe als die meisten anderen Großstädte - insgesamt sind es rund 870.000 Quadratmeter. Schon heute aber seien weit mehr weitere Handelsflächen geplant, als im Konzept der Stadt bis zum Jahr 2020 prognostiziert.
Der Citymanager Hans H. Pfeifer sieht das Gutachten als Basis für eine Grundsatzdebatte über den lokalen Handel. Er geht davon aus, dass erst der neue Gemeinderat über die weitere Entwicklung entscheiden wird. Denkbar sei, dass der bis 2010 geltende Bebauungsplan geändert werde oder die Stadt das Grundstück hinter dem Bahnhof erwerbe. Zuversicht schöpft Pfeifer aus einer aktuellen Umfrage der Cityinitiative unter Gemeinderatskandidatinnen und Kandidaten. Bei 77Rückmeldungen sei das Ergebnis eindeutig gewesen. Pfeifer: "Quer durch alle politischen Gruppierungen wird von 97 Prozent der Antwortenden das geplante Einkaufszentrum abgelehnt. Etwa 75 Prozent befürworten ein Nahversorgungszentrum und 62 Prozent den Grundstückskauf durch die Stadt."
Kommentare
Siegfried Busch,
05.06.2009 15:43
Der Fläche A1 fehlt es seit vielen Jahren an Investoren, die die hässliche Großbrache mit Leben füllen. Insofern wäre das geplante Einkaufszentrum ein Fortschritt. Stuttgart braucht es zwar nicht, aber wer schließt dann die klaffende Wunde des alten Güterbahnhofs? Bis jetzt doch nur Banken mit den ungeliebten Hochbauten und die Stadt selbst mit dem Würfel (mir gefällt er nicht, im Gegensatz zum Kunstmuseum). Bahn und Stadt geht es wie dem Zauberlehrling: „Die ich rief, die Flächen, werd‘ ich nun nicht los.“ Das ist keine gute Aussicht auf die hochgelobte Stadtentwicklung. Die ursprüngliche Finanzierungsabsicht von Stuttgart 21 durch den Flächenverkauf ist ganz klar gescheitert, jetzt musste der Steuerzahler durch Bund, Land und Stadt einspringen. Stuttgart 21 ist eine einzige Folge von Pleiten und Pannen in finanzieller und planerischer Hinsicht und die üblen Folgen werden sich beim Bau und vor allem beim Betrieb des Tiefbahnhofs samt seinem Röhrensystem immer mehr zeigen.
Stuttgarter,
05.06.2009 13:23
Quantität statt Qualität, das ist die Devise unserer "Stadtplaner" (die es ja eigentlich gar nicht gibt, weil in Stuttgart die Stadtplanung und -gestaltung ja seitens der Wirtschaft erfolgt).
Ich schlage vor, die für den Karlsplatz geplante Ansiedlung der Landesministerien in das A1-Areal, an die Stelle des geplanten ECE-Einkaufszentrums, zu verlegen. Dort können die Herren die aufstrebende neue Trabantenstadt genießen und bereichern.
Die Bürger und Touristen dagegen sollten weiterhin das jetzt schon umfangreich Einzelhandelsangebot in der tatsächlichen Innenstadt wahrnehmen. Dort sollte zudem endlich einmal qualitatives statt quantitatives Wachstum stattfinden. Sonst wirds nichts mit der Belegung der 4- und 5-Sterne-Hotels...
Ich schlage vor, die für den Karlsplatz geplante Ansiedlung der Landesministerien in das A1-Areal, an die Stelle des geplanten ECE-Einkaufszentrums, zu verlegen. Dort können die Herren die aufstrebende neue Trabantenstadt genießen und bereichern.
Die Bürger und Touristen dagegen sollten weiterhin das jetzt schon umfangreich Einzelhandelsangebot in der tatsächlichen Innenstadt wahrnehmen. Dort sollte zudem endlich einmal qualitatives statt quantitatives Wachstum stattfinden. Sonst wirds nichts mit der Belegung der 4- und 5-Sterne-Hotels...
Marie-Louise Nelle,
04.06.2009 18:14
Das neue Einkaufszentrum wird eine Bereicherung sein für die Stadt. Warum?Auf dem Stuttgart 21 Areal entstehen auch Wohnungen, Menschen ziehen zu. Die wollen einkaufen und schätzen kurze Wege. Im nahe gelegenen Rosensteinviertel gibt es bisher keine gescheiten Einkaufsmöglichkeiten. Und schließlich braucht es für die Bilbliothek 21 Anschlussangebote, sonst steht ein dröger Kulturtempel inmitten einer zugigen Umgebung, der nach Schließung um 21.00 Uhr nur noch Ödnis verbreitet. Mit der Mall werden solche Anschlussangebote durch Gastronomie, kleine Kinos, Subunternehmer, die länger aufhaben, usw. gemacht. Oder ist etwa der gleiche Effekt wie bei der Kulturmeile erwünscht? Den Stuttgarter Stadtplanern ist es immer gelungen, Stuttgart zu zerschneiden. Es wäre schön, wenn es auch mal gelingen würde, etwas Ganzheitliches zu entwickeln.
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