Terminator - Die Erlösung

Nur Arnie schwänzt den Krieg

Rupert Koppold, veröffentlicht am 04.06.2009
Filmbeschreibung
"Nehmen Sie sich alles, was Sie brauchen können", sagt der in der Todeszelle sitzende Häftling Marcus (Sam Worthington) einer Wissenschaftlerin, die ihm erklärt, wenn sie seinen Körper erhalte, bekomme er nach dem Ableben eine zweite Chance. Dann wird Marcus mit ausgebreiteten Armen auf einer Pritsche festgeschnallt, die Exekution sieht nun aus wie eine Kreuzigung, und die Giftspritze tut ihr Werk. Das letzte, was Marcus sieht, ist der Kopf der Wissenschaftlerin, er wird von einer OP-Lampe angestrahlt, so als schwebe über ihm ein Heiligenschein.

Danach stürzt sich der Film "Terminator - Die Erlösung" ins Jahr 2018 und mitten hinein in den Krieg der letzten Menschen gegen die Maschinen. Es hat also alles nichts genützt, die drei vorausgegangenen Teile der 1984 begonnen "Terminator"-Saga haben den Menschen nur vorläufige Rettung gebracht, diese vielen per Zeitreise durchgeführten Brachialreparaturen an der Vergangenheit und damit auch an der Zukunft konnten nicht verhindern, dass die letzten Menschen nun schon wieder in den Kampf gegen einen überlegenen Feind ziehen müssen. "Connor ist gelandet!", so lautet jetzt die Meldung, als der Held mit seinem Stoßtrupp eine Basis von Skynet angreift, jenes Konzerns, der sich der künstlichen Intelligenz verschrieben hat und in dem die Maschinen das Kommando übernommen haben. Aber Connor (Christian Bale), ein sehnig-hagerer Kerl mit Kurzhaarfrisur und Kriegsgesicht, läuft in eine Falle. Nachdem der genretypische Satz "Es ist viel zu ruhig hier!" gefallen ist, nachdem in den Tunneln und Kellern der Basis gefangene Menschen entdeckt wurden, nachdem einiges darauf hindeutet, dass Skynet diese für Experimente missbraucht hat, wird Connors Trupp aufgerieben.

Allein Connor selber überlebt. Nein, stimmt nicht ganz. Nachdem er das Schlachtfeld verlassen hat, materialisiert sich auch noch ein nackter Mann. Es ist Marcus, der im Jahr 2003 hingerichtet wurde und von dem nun zunächst niemand weiß, nicht mal er selber, was er in diesem Jahr 2018 zu suchen, zu retten oder zu vernichten hat. Und das Einzige, wovon er selber überzeugt ist, dass er nämlich ein Mensch sei, diese Gewissheit wird bald von Connor & Co. angezweifelt.

Anders als die Vorgängergeschichten, die zwar aus der Zukunft zurückfallen oder in diese vorstoßen, aber hauptsächlich in ihrer jeweiligen Gegenwart spielen, hält sich dieser vierte und vom Kürzellregisseur McG inszenierte Teil der Saga fast ausschließlich im Jahr 2018 auf. Dort herrscht Endzeit, breitet sich jenseits zertrümmerter Städte nur Wüste aus, füllen sich grünschimmlig-fahle Bilder mit Destruktionsorgien aller Art auf. Und die Tonspur tobt! Ein Donnern, Schleifen, Bratzeln, Brummen, Quietschen, Pfeifen, Rattern und Scheppern ist zu hören, wenn schwere Luftgeräte auf Menschenjagd gehen, ein dreißig Meter hoher rotäugiger Roboter eine Tankstelle abfackelt, bevor er selber in die Luft gejagt wird, schier unzerstörbare Motorradterminatoren durch Drahtseile abrupt gebremst werden und sogar noch stählerne Wasserschlangen ihr Unwesen treiben. Doch, es ist viel los. Aber Arnie fehlt - Arnold Schwarzenegger, jetziger Gouverneur von Kalifornien, der diese Filme als mal böser, mal guter Terminator mit vorgereckter Kinnlade und starken Sprüchen ("Hasta la vista, Baby!") geprägt hat. Und auch wenn hier eine kurze und computergenerierte Arnie-Hommage zu sehen ist, wirkt dieser "Terminator" doch so, als hätte man "Moby Dick" zwar mit noch mehr Meer, aber ohne Wal verfilmt.

Und es ist auch niemand da, der diese Leerstelle füllen könnte. Beziehungsweise: es sind zu viele da, zwischen denen der Film hin- und herschneidet, so dass der Zuschauer nie weiß, auf wen er nun eigentlich fokussieren soll, auf den missionarischen Streiter Connor, auf den über sich selbst staunenden Marcus, in dessen Metallgerüst ein echtes Herz schlägt, oder auf Kyle Reese (Anton Yelchin), der als zukünftiger Vater von Connor (dieses Paradox zu erklären, wäre an dieser Stelle allerdings zu kompliziert) ebenfalls ein Auserwählter der Menschheit ist, hier aber noch als tapferer Halbwüchsiger gegen die Cyborgs kämpft.

"Zwei Tage alter Kojote!", sagt Kyle mal zu Marcus, als der wissen will, was da überm Lagerfeuer brät. Als Marcus zweifelnd schaut, versichert ihm Kyle: "Besser als drei Tage alter Kojote!" Es ist einer der wenigen Dialoge, die wenigstens etwas Witz in die pathetisch-ernste Grundstimmung bringen. Sonst arbeitet der Film - siehe Zusatztitel - weiter an den Prophezeiungen der Saga, es wird auch hier wieder eine Art westlich orientierter, äußerst kampfbereiter Religion propagiert, ja, man könnte "Terminator - die Erlösung" als Darstellung eines fundamentalistischen Kreuzzugs bezeichnen.

Ein Kreuzzug gegen wen? Gegen auf Menschenzerstörung programmierte Maschinen, die sich zum beliebig verwendbaren und universellen Feindbild eignen. Ein Friede mit so einem Feind ist unmöglich. Und mit diesem Befund hängt zusammen, warum der neue Terminator-Film nur für Fans stetig krachender Action gelungen ist, für andere dagegen merkwürdig neben respektive hinter seiner Zeit herlärmt. Es ist ein Bush-, Rumsfeld-, Rice- und Cheney-Film, ein Film also, der einen abgrundtief bösen und völlig unbelehrbaren Feind und einen immerwährenden Kampf braucht. Der Frieden wäre irgendwie fürchterlich. Wie sagt Connor am Ende? "Die Menscheit hat nur eine Schlacht gewonnen, der Krieg wird weitergehen!"
 
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