Erwin Staudt über Schwulenfeindlichkeit
"Hauptsache, er kickt gut"
Fragen von Tobias Schall, veröffentlicht am 04.06.2009
Stuttgart - Schwulenfeindlichkeit im Fußball ist weit verbreitet. Am Freitag findet beim VfB Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Deutschen Fußball-Liga deshalb ein Aktionsabend dazu statt - es ist der dritte seiner Art bei einem Bundesligisten nach Köln und Berlin. Tobias Schall hat sich mit dem VfB-Präsidenten Erwin Staudt über das Thema Homophobie unterhalten.
Herr Staudt, Sie engagieren sich wie wenige im Fußball gegen Homophobie, unter anderem als Schirmherr des Christopher-Street-Days. Wie sind die Reaktionen?
Wir haben viel Lob dafür bekommen, dass wir uns als VfB Stuttgart um Integration bemühen und ein Zeichen gegen Ausgrenzung setzen. Fast alle Reaktionen waren positiv.
Und Ihre Meinung zu diesem Thema?
Fast alle?
Es gab natürlich auch drei oder vier Schreiben, in denen ich gefragt wurde, wie ich mich bloß für so eine Sache hergeben könne, die doch wider die Natur und so weiter sei. Aber wie gesagt: die überwiegende Mehrheit der Zuschriften war sehr positiv. Ich habe mich eigentlich darüber gewundert, dass um die Sache so ein Aufheben gemacht wurde. Vor mir haben ja schon andere Prominente wie Hertha Däubler-Gmelin die Schirmherrschaft übernommen. Aber das zeigt nur, dass es richtig war und wir im Fußball einiges tun können, um Vorurteile abzubauen.
Haben Sie sofort zugesagt?
Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga haben schon vor einiger Zeit in Zusammenarbeit mit Schwulenverbänden eine Initiative gegen Homophobie gestartet. Insofern fühle ich mich auch verpflichtet, meinen Teil zu einer Versachlichung dieses in manchen Kreisen leider noch immer heiklen Themas beizutragen. Ich will dabei helfen, die Kampagne auszuweiten. Und ich finde, es eine sehr ehrenvolle Aufgabe, Schirmherr des CSD in Stuttgart zu sein.
Homosexualität wird in der Gesellschaft weitestgehend akzeptiert, im Fußball ist es dagegen noch immer ein Tabuthema.
Der Fußball ist eine Bastion - noch. Offensichtlich sind einige im Publikum noch immer nicht bereit, über eine gewisse Toleranzhürde zu gehen. Wir als Verein sind ein Ort, der weltanschaulich neutral ist und Andersdenkende und Andershandelnde respektiert. Deswegen ist es unsere Aufgabe, gegen Homophobie in den Stadien anzugehen.
Die wichtigste Polittalkshow wird von der lesbischen Anne Will moderiert, Berlin von einem schwulen Bürgermeister regiert, die FDP von einem Homosexuellen geführt. Warum ist vor diesem Hintergrund ein schwuler Torjäger so unvorstellbar?
Für viele wird Fußball offensichtlich als eine der letzten männlichen Domänen gesehen, als eine archaische Bastion der Gesellschaft, in der Homosexualität offensichtlich nicht zum Weltbild mancher Fußballfans passt. Was natürlich grober Unfug ist.
Herr Staudt, Sie engagieren sich wie wenige im Fußball gegen Homophobie, unter anderem als Schirmherr des Christopher-Street-Days. Wie sind die Reaktionen?
Wir haben viel Lob dafür bekommen, dass wir uns als VfB Stuttgart um Integration bemühen und ein Zeichen gegen Ausgrenzung setzen. Fast alle Reaktionen waren positiv.

Fast alle?
Es gab natürlich auch drei oder vier Schreiben, in denen ich gefragt wurde, wie ich mich bloß für so eine Sache hergeben könne, die doch wider die Natur und so weiter sei. Aber wie gesagt: die überwiegende Mehrheit der Zuschriften war sehr positiv. Ich habe mich eigentlich darüber gewundert, dass um die Sache so ein Aufheben gemacht wurde. Vor mir haben ja schon andere Prominente wie Hertha Däubler-Gmelin die Schirmherrschaft übernommen. Aber das zeigt nur, dass es richtig war und wir im Fußball einiges tun können, um Vorurteile abzubauen.
Haben Sie sofort zugesagt?
Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga haben schon vor einiger Zeit in Zusammenarbeit mit Schwulenverbänden eine Initiative gegen Homophobie gestartet. Insofern fühle ich mich auch verpflichtet, meinen Teil zu einer Versachlichung dieses in manchen Kreisen leider noch immer heiklen Themas beizutragen. Ich will dabei helfen, die Kampagne auszuweiten. Und ich finde, es eine sehr ehrenvolle Aufgabe, Schirmherr des CSD in Stuttgart zu sein.
Homosexualität wird in der Gesellschaft weitestgehend akzeptiert, im Fußball ist es dagegen noch immer ein Tabuthema.
Der Fußball ist eine Bastion - noch. Offensichtlich sind einige im Publikum noch immer nicht bereit, über eine gewisse Toleranzhürde zu gehen. Wir als Verein sind ein Ort, der weltanschaulich neutral ist und Andersdenkende und Andershandelnde respektiert. Deswegen ist es unsere Aufgabe, gegen Homophobie in den Stadien anzugehen.
Die wichtigste Polittalkshow wird von der lesbischen Anne Will moderiert, Berlin von einem schwulen Bürgermeister regiert, die FDP von einem Homosexuellen geführt. Warum ist vor diesem Hintergrund ein schwuler Torjäger so unvorstellbar?
Für viele wird Fußball offensichtlich als eine der letzten männlichen Domänen gesehen, als eine archaische Bastion der Gesellschaft, in der Homosexualität offensichtlich nicht zum Weltbild mancher Fußballfans passt. Was natürlich grober Unfug ist.
Kommentare
Steffen Schaffner,
05.06.2009 07:27
Die Schwulenfeindlichkeit im Fussball kann nur gebrochen werden, wenn ein beliebter Profi dazu stehen würde.
Ein Outing könnte in diesem Bereich würde einen Ruck auslösen. So ist Homosexuallität nur dann kein Thema mehr, wenn es als normal gesehen wird und es keine kollegtive schwule Diskriminierung im Sport bereich gibt.
Steffen Schaffner
Landessprecher der Lesben und Schwulen in der SPD Baden-Württemberg
Ein Outing könnte in diesem Bereich würde einen Ruck auslösen. So ist Homosexuallität nur dann kein Thema mehr, wenn es als normal gesehen wird und es keine kollegtive schwule Diskriminierung im Sport bereich gibt.
Steffen Schaffner
Landessprecher der Lesben und Schwulen in der SPD Baden-Württemberg
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