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Strukturreform Uni Stuttgart

Rektor verteidigt Einschnitte

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Unirektor Ressel während der Pressekonferenz zu den Reformplänen an der Uni. Die Studenten sehen die Pläne kritisch.
Foto: Zweygarth

Stuttgart - Der Unirektor Wolfram Ressel hat am Donnerstag in einer Pressekonferenz die Gründe für die geplante Strukturreform erläutert. Fächer, die nicht ins neue Forschungsprofil passen, sollen gestrichen werden. Die Zahl der Studienplätze soll aber nicht sinken.


  Von Inge Jacobs

 
Zu der Pressekonferenz hatten sich auch betroffene Hochschullehrer sowie zahlreiche demonstrierende Studenten eingefunden, die mit Sprechchören gegen die geplanten Streichungen in den Geistes- und Sozialwissenschaften protestierten. Rektor Ressel sprach Klartext: "Wir wollen einerseits die künftigen Schwerpunkte fokussieren und andererseits Bereiche zurückfahren, die nicht mehr im Zentrum der Universität stehen." Nur so könne sich eine Uni, die sich als Forschungsuni definiere, der Konkurrenz stellen, sagte er im Blick auf den Exzellenzwettbewerb. Acht Forschungsschwerpunkte müssten gestärkt werden: Modellierung und Simulationstechnologien, Neue Materialien, Komplexe Systeme und Kommunikation, Technologiekonzepte und -bewertung, Energie und Umwelt, Mobilität, Integrierte Produkt- und Produktionsgestaltung sowie Gestaltung und Technologie nachhaltiger Lebensräume.

Was halten Sie vom "Masterplan" der Uni? Ihre Meinung zählt!


Deshalb habe man ermittelt, welche Bereiche außerhalb dieser definierten Forschungsschwerpunkte liegen und Institutsstrukturen auf der Basis von Forschungsleistungen und Lehrbelastungen geprüft. 24 Professuren sollen umgewidmet werden, davon 16 aus den Geisteswissenschaften. Konkret sind dies drei Professuren aus dem Historischen Institut, zwei aus der Kunstgeschichte, fünf aus den Literaturwissenschaften (Romanistik/Anglistik), sechs aus den Wirtschaftswissenschaften, zwei aus den Naturwissenschaften und eine aus der Mathematik.

Wie aus Landesgeschichte bald Technikgeschichte wird

Wieder aus der Streichliste herausgenommen worden sei die Mediävistik, die sich mit der Kultur und Literatur des Mittelalters befasst, weil Fachvertreter deutlich gemacht hätten, dass diese für ein Germanistikstudium unerlässlich sei, räumte Ressel ein. Es sei sogar geplant, die Germanistik um drei Professuren aufzustocken. Auch die Landesgeschichte wolle man nun erhalten, sie aber bei der anstehenden Neubesetzung in Richtung Technikgeschichte umwidmen, sagte Ressel und löste damit Lachsalven im Saal aus.

"Im Bereich Erziehungswissenschaften und im Lehramt wird sich die Universität neu aufstellen, insbesondere in der Gewerbelehrerausbildung und in der Berufspädagogik", kündigte der Rektor an. Dies beinhalte auch die Reflexion neuer Technologien. Die Geisteswissenschaften, so betonte er in diesem Zusammenhang, sollten nicht abgeschafft, sondern "vor allem gestrafft und neu ausgerichtet werden" - und zwar "mehr in Richtung Wissenskulturen". Hierzu werde gerade ein neuer Studiengang vorbereitet.

Zu den Auswirkungen, die die neuen Pläne auf das Studienangebot haben, hielt sich Ressel indes eher bedeckt. Insgesamt soll die Zahl der Erstsemesterplätze nicht gekürzt werden, man werde auch die Verpflichtungen im Ausbauprogramm Hochschule 2012 einhalten. Die Frage, wie sich die Pläne auf die Entwicklung des Angebots an Studiengängen für angehende Lehrer auswirkt, die bekanntlich in Baden-Württemberg ohnehin Mangelware sind, konnte Ressel nicht beantworten.

Kein Master nach dem Bachelor

Klar ist aber, dass es Einschränkungen für die bereits eingeschriebenen Studierenden geben wird. So sollen diese laut Ressel zwar bis zum Bachelorabschluss geführt werden. "Wenn jemand aber seinen Master in dem Fach machen möchte, müsste er nach Tübingen oder Freiburg oder in ein anderes Bundesland gehen - oder ins Ausland", räumte Ressel unter Buhrufen aus dem Publikum ein.

Horst Thomé, der Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät, wurde hingegen deutlicher: "Viele Deutschstudenten, die auf Lehramt studieren, wählen als wichtigstes Nebenfach Englisch oder Geschichte - für die ist das Angebot an der Uni Stuttgart dann nicht mehr interessant."

Thomé befürchtet, dass die Umsetzung der Streichpläne eine Rückbildung zur Technischen Universität und einen Exodus der Geisteswissenschaften zur Folge hat, denn ein solches Rumpfgebilde sei für Professoren nicht attraktiv: "Die Guten gehen weg, die Alten hören auf." Auch für die Stadt Stuttgart entstehe somit großer Schaden. Acht seiner Professorenkollegen aus seiner Fakultät haben ähnliche Bedenken dem Rektor in einem Brief mitgeteilt und mit Nachdruck um eine zukunftsweisende Struktur gebeten.

OB Schuster war nicht informiert

Unterstützung bekommen sie auch aus der Politik. Die Grünen aus Gemeinderat und Landtag werfen Ressel Wortbruch vor, weil dieser bei Amtsantritt erklärt hatte, er werde die Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften als selbstständige Fakultäten erhalten. In Stuttgart werde somit ein "weit gespanntes kulturelles Netz zerschnitten". Die SPD-Ratsfraktion beantragt, dass Ressel seine Pläne im Verwaltungsausschuss vorstellt. OB Wolfgang Schuster, der auch Mitglied im Unirat ist, ließ ausrichten, er sei von den neuen Plänen nicht informiert und wolle deshalb dazu auch keine Stellung nehmen.

Im Kultusministerium verweist man auf die Autonomie der Universität. Bei einer Gefährdung der Lehrerausbildung müsse "im Benehmen mit dem Wissenschaftsministerium nach Lösungen gesucht werden".
 



Inge Jacobs

04.06.2009 - aktualisiert: 04.06.2009 19:25 Uhr



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