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Heidelberger Zoo

Familienglück für Elefanten

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Die Elefantendamen müssen nach Karlsruhe umziehen.
Foto: StZ

Heidelberg - Elefanten stehen auf der Beliebtheitsskala der Zoobesucher ganz oben. Für 3,5 Millionen Euro will der Heidelberger Zoo den Dickhäutern deshalb jetzt eine neue Anlage bauen. Dort sollen vom nächsten Jahr an junge Elefantenbullen aus ganz Deutschland gemeinsam aufwachsen.

Noch erwarten die Besucher des Heidelberger Zoos auf der Elefantenanlage nur zwei ältere Damen. Doch der Umzug von Jenny und Ilona ist schon fest geplant. Vom Spätsommer an sollen die zwei Elefanten den beiden gleichfalls nicht mehr ganz jungen Elefantenkühen Rani und Shanti im Zoo von Karlsruhe Gesellschaft leisten.

Vom nächsten Jahr an kommen dann auf die Elefantenpfleger in Heidelberg ganz neue Herausforderungen zu. Denn nach längeren Diskussionen mit Experten will man dort künftig dem Nachwuchs eine Chance geben und erstmals in Deutschland eine neue Gruppe mit jungen Bullen aufbauen.

Ton Dorresteijn, der Vorsitzende des Erhaltungszuchtprogramms für asiatische Elefanten in Rotterdam und Jürgen Schilfarth, der Vorsitzende des Vereins Elefanten-Schutz in Europa in München, haben die Pläne begrüßt. Die Haltung einer solcher Gruppe sei ein wichtiger Baustein für die Zucht der bedrohten Art und eine Aufgabe, der sich bisher erst wenige Zoos gestellt hätten, erklärten sie lobend.

Die Tiere werden nicht mehr wie im Zirkus präsentiert

Maximal vier junge Bullen soll die Gruppe umfassen. Der Bedarf ist groß. "Als wir nur darüber nachgedacht haben, haben die ersten Kollegen schon angefragt, wann sie ihre Jungbullen zu uns bringen können", berichtet der Heidelberger Zoodirektor Klaus Wünnemann. Der Grund für die starke Nachfrage liegt darin, dass immer mehr Zoos in den vergangenen Jahren die Haltung der Elefanten verbessert haben, weshalb die Dickhäuter nun immer fleißiger Nachwuchs produzieren. "Nach den neuen Konzepten werden die Tiere im Gegensatz zu früher nicht mehr wie im Zirkus präsentiert, sondern artspezifisch gehalten", erklärt der Heidelberger Chefpfleger Stefan Geretschläger.

Artspezifisch bedeute in dem Fall: es herrscht das Matriarchat. Nur einen kleinen Unterschied gibt es im Vergleich zur Natur - während sich dort ein Bulle um mehrere Gruppen von Weibchen kümmert, halten die Zoos für eine Gruppe einen Bullen.

Etwa zwei bis drei Elefantenbabys kommen derzeit alljährlich in deutschen Zoos zur Welt, je zur Hälfte weibliche und männliche. "Bis die Kleinen fünf oder sechs Jahre alt sind gibt es keine Probleme", erläutert Geretschläger. "Dann aber werden die männlichen Tiere hinausgedrängt - in der freien Wildbahn wie im Zoo. Während der weibliche Nachwuchs anfängt, erste kleine Aufgaben in der Gruppe zu übernehmen und sich sozial zu integrieren, wollen die jungen Bullen kämpfen und spielen. Sie stören; das reizt die älteren, dominanten Kühe", erklärt der Pfleger.

Die Elefantenbullen lernen viel voneinander

In der Natur beginnen die jungen Bullen in dieser Phase sich nach und nach abzunabeln. Dabei tun sie sich, wie etliche andere Wildtiere, mit etwa gleichaltrigen Geschlechtsgenossen zusammen. Bis sie etwa 20 sind, wachsen sie quasi als Halbstarke in sogenannten Junggesellengruppen heran. "Hier können sie viel voneinander lernen, sie können Erfahrungen sammeln, sich durchsetzen", erklärt Geretschläger.

In Zoos gibt es diese Möglichkeit bis jetzt nur in Spanien, Belgien und Holland. Wer als junger Elefant dort nicht unterkommt, hat schlechte Karten. "In der Praxis muss man die Tiere dann gesondert unterstellen. Das ist wie wenn man einen kleinen Jungen einsperrt; das nagt an den Nerven", sagt der Heidelberger Chefpfleger. Doch auch für die Zoos selbst sei diese Art der Aufzucht letztlich von Nachteil. "Je weniger Kontakt die Bullen haben, desto unverträglicher werden sie - Heranwachsende, die in der Gemeinschaft groß werden, sind in jedem Fall sozialer", erklärte er. "Und wir wollen ja auch im Zoo möglichst verträgliche Tiere."

Obwohl er Erfahrungen mit Jungbullen in freier Wildbahn hat, weiß er noch nicht hundertprozentig, was auf ihn zukommt. "Ein Stück Restspannung bleibt auf jeden Fall", gesteht der Pfleger. Ziel seines Direktors ist es, dass sein Nachwuchs einmal "für jeden Zoo die erste Wahl wird, wenn ein neuer Zuchtbulle gesucht wird".
 



Johanna Eberhardt

05.06.2009 - aktualisiert: 07.06.2009 13:01 Uhr



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