"Postler, Präsidenten und Raubritter"
Artikel aus der Nord-Rundschau, S-Innenstadt vom 09.06.2009
Feuerbach. Erst lang nach oben, dann steil nach unten: Vom Hauptbahnhof aus führte Bernd Möbs, Dozent der Volkshochschule, am Sonntag hinauf zum Theodor-Heuss-Haus und Bismarckturm, dann hinunter zur Frauenberger Burg und zur Stadtkirche - ein Stadtspaziergang voller Überraschungen.
Von Susanne Müller-Baji
Beinahe schon einer Wanderung glich dieser Stadtspaziergang, und die Teilnehmer hatten sich mit gutem Schuhwerk gerüstet: Vom Hauptbahnhof aus zogen die rund zwanzig Spurensucher in Sachen Stadtgeschichte bergan entlang eines altes Keltenwegs, vorbei am Postdörfle und hinauf zu den Villen oben am Tazzelwurm. Von den früheren Bewohnern der Gebäude berichtete Bernd Möbs, Dozent der Volkshochschule (VHS) hier: Von den ersten Volkswagen, gebaut im Hof der Villa Porsche - und davon, wie man sich das Konzept auf recht unlauterem Weg angeeignet hatte. Vom Leder-Fabrikanten Roser und von seinem entfernten Verwandten Albrecht Roser, der sich mit dem Puppenspiel einen Namen gemacht hat. Und natürlich vom ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss.
Der hatte im Rahmen seiner publizistischen Arbeit Stuttgart gar mit Florenz verglichen: Das treffe zwar nicht ganz zu, es fehle schließlich der Arno. Aber auch ohne zeigte sich Heuss von den Lichtern der Stadt und dem Leuchten der Sterne darüber verzaubert. Vom erwähnten Ausblick konnten sich die Teilnehmer dann vom Bismarckturm selbst ein Bild machen - ohne Sterne zwar, aber mit beeindruckender Sicht. "Man kann heute sogar den Katzenkopf im Odenwald sehen", erklärte Möbs und machte seine Zuhörer außerdem knitz auf ein Phänomen aufmerksam: Eigentlich sei der Killesberg relativ klein, "aber jeder, der eine Immobilie verkaufen will, schreibt ,in Killesberg-Nähe" - deshalb wächst der Killesberg im Schnitt einen Kilometer pro Jahr".
Der Dozent selbst wohnt im Stuttgarter Osten, führt aber gerne durch den Norden, was besonders mit dem Schaffen des Schriftstellers Hermann Lenz zu tun hat. Der hatte gut 50 Jahre lang an der Birkenwaldstraße gelebt und mit großer Hingabe seine Umgebung beschrieben. Beim Gang über die Feuerbacher Heide erzählte Möbs von einem Besuch des Schriftstellers Peter Handke, der Lenz" Begeisterung ganz und gar nicht hatte teilen können: Nur in Stuttgart habe er sich jemals "so bedingungslos fehl am Platz gefühlt", schrieb er später und ließ auch sonst kein gutes Haar daran. Anders Lenz, der den Besuch aus seiner Sicht beschrieben und Handke dabei als rechten Nörgler entlarvt hat - zur Freude der VHS-Stadtwanderer.
Schließlich ging es hinunter, mit einem Abstecher an die Überreste der Frauenberger Burg, wo Möbs von der örtlichen Adelsfamilie erzählte, die als Raubritter eine Gruppe Reisende aus Köln in Geiselhaft genommen hatte. Nach einer Rast in einer Besenwirtschaft drang man dann ins Herz Feuerbachs, zur Stadtkirche St. Mauritius und zur Kelter vor. Dort berichtete Möbs von Ludwig Uhlands Besuchen im Pfarrhaus und vom örtlichen Weinbau. Natürlich durfte der Hinweis auf den Unterschied zwischen Feuerbacher und Feuerbächer nicht fehlen. Mehrere Generationen und Grundbesitz spielten da eine Rolle, so Möbs: "Aber als Reingeschmeckter darf ich im Grunde gar nichts dazu sagen." Dafür hatte er noch ein Verslein parat, auf das er im Zuge seiner Recherchen gestoßen war: "Wer durch Botnang kommt ohne Leid, und durch Feuerbach ohne Streit, durch Zuffenhausen ohne Tritt in die Wade, der dankt Gott für diese Gnade."
Von Susanne Müller-Baji
Beinahe schon einer Wanderung glich dieser Stadtspaziergang, und die Teilnehmer hatten sich mit gutem Schuhwerk gerüstet: Vom Hauptbahnhof aus zogen die rund zwanzig Spurensucher in Sachen Stadtgeschichte bergan entlang eines altes Keltenwegs, vorbei am Postdörfle und hinauf zu den Villen oben am Tazzelwurm. Von den früheren Bewohnern der Gebäude berichtete Bernd Möbs, Dozent der Volkshochschule (VHS) hier: Von den ersten Volkswagen, gebaut im Hof der Villa Porsche - und davon, wie man sich das Konzept auf recht unlauterem Weg angeeignet hatte. Vom Leder-Fabrikanten Roser und von seinem entfernten Verwandten Albrecht Roser, der sich mit dem Puppenspiel einen Namen gemacht hat. Und natürlich vom ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss.
Der hatte im Rahmen seiner publizistischen Arbeit Stuttgart gar mit Florenz verglichen: Das treffe zwar nicht ganz zu, es fehle schließlich der Arno. Aber auch ohne zeigte sich Heuss von den Lichtern der Stadt und dem Leuchten der Sterne darüber verzaubert. Vom erwähnten Ausblick konnten sich die Teilnehmer dann vom Bismarckturm selbst ein Bild machen - ohne Sterne zwar, aber mit beeindruckender Sicht. "Man kann heute sogar den Katzenkopf im Odenwald sehen", erklärte Möbs und machte seine Zuhörer außerdem knitz auf ein Phänomen aufmerksam: Eigentlich sei der Killesberg relativ klein, "aber jeder, der eine Immobilie verkaufen will, schreibt ,in Killesberg-Nähe" - deshalb wächst der Killesberg im Schnitt einen Kilometer pro Jahr".
Der Dozent selbst wohnt im Stuttgarter Osten, führt aber gerne durch den Norden, was besonders mit dem Schaffen des Schriftstellers Hermann Lenz zu tun hat. Der hatte gut 50 Jahre lang an der Birkenwaldstraße gelebt und mit großer Hingabe seine Umgebung beschrieben. Beim Gang über die Feuerbacher Heide erzählte Möbs von einem Besuch des Schriftstellers Peter Handke, der Lenz" Begeisterung ganz und gar nicht hatte teilen können: Nur in Stuttgart habe er sich jemals "so bedingungslos fehl am Platz gefühlt", schrieb er später und ließ auch sonst kein gutes Haar daran. Anders Lenz, der den Besuch aus seiner Sicht beschrieben und Handke dabei als rechten Nörgler entlarvt hat - zur Freude der VHS-Stadtwanderer.
Schließlich ging es hinunter, mit einem Abstecher an die Überreste der Frauenberger Burg, wo Möbs von der örtlichen Adelsfamilie erzählte, die als Raubritter eine Gruppe Reisende aus Köln in Geiselhaft genommen hatte. Nach einer Rast in einer Besenwirtschaft drang man dann ins Herz Feuerbachs, zur Stadtkirche St. Mauritius und zur Kelter vor. Dort berichtete Möbs von Ludwig Uhlands Besuchen im Pfarrhaus und vom örtlichen Weinbau. Natürlich durfte der Hinweis auf den Unterschied zwischen Feuerbacher und Feuerbächer nicht fehlen. Mehrere Generationen und Grundbesitz spielten da eine Rolle, so Möbs: "Aber als Reingeschmeckter darf ich im Grunde gar nichts dazu sagen." Dafür hatte er noch ein Verslein parat, auf das er im Zuge seiner Recherchen gestoßen war: "Wer durch Botnang kommt ohne Leid, und durch Feuerbach ohne Streit, durch Zuffenhausen ohne Tritt in die Wade, der dankt Gott für diese Gnade."
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