Abschlussprüfungen
Die Berliner Mauer beschäftigt Stuttgarter Hauptschüler
Inge Jacobs, veröffentlicht am 09.06.2009
Stuttgart - Wie hat der Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 das Leben der Menschen dort verändert? Wie fühlten sie sich? Mit solchen Fragen haben sich am Dienstag landesweit die Hauptschüler bei ihrer Abschlussprüfung in Deutsch beschäftigt - auch an der Fasanenhofschule.
Von Inge Jacobs
Berlin ist weit, wenn man auf dem Fassi wohnt, wie die Fasanenhöfler ihren Stadtteil gern nennen. Doch bei der Abschlussprüfung in Deutsch haben sich von den 1148 Neuntklässlern an 35 Stuttgarter Hauptschulen auch die 19 Absolventen der Fasanenhofschule und sieben Schulfremde mit Mauerbau und Mauerfall beschäftigt. "Wie so ein Gefängnis" sei das wohl für die Leute damals gewesen, meint der 15-jährige Mustafa. "Wenn einer bei seinem Kumpel im Westen übernachtet hat, kam er nicht mehr zurück."
Auch so kann man deutsch-deutsche Geschichte beschreiben. Die Hauptschüler mussten bei ihrer Prüfung gestufte Anforderungen bewältigen. Das reichte laut Schulrat Manfred Rittershofer von einfachen Verständnisfragen zu verschiedenen Texten, darunter auch Zeitungstexte, über eigene Zusammenfassungen sowie Aussagen zum Ankreuzen bis hin zur eigenen Textproduktion: einem Beitrag für eine Schülerzeitung. Anders als früher haben die Hauptschulprüflinge seit 2008 keine Wahl mehr, sondern müssen alle Aufgaben zu einem Themenkomplex lösen. 135 Minuten Zeit hatten sie dafür.
Die Schüler waren gut vorbereitet
So lange hat an der Fasanenhofschule kaum einer dafür gebraucht. Die meisten haben schon nach knapp zwei Zeitstunden abgegeben. Auch Mustafa und seine Kameraden Daniel, Marc, Marek und Fatmir. Schwer fanden sie es nicht. "Es geht so", sagen sie, "wie 'ne Klassenarbeit". Das liege aber auch daran, dass sie sich gut vorbereitet gefühlt hätten für diese Form der Prüfung, räumen die Schüler ein. Es ist ihnen nicht gleichgültig, wie sie abschneiden. Mit einem guten Abschluss können sie ihre Chancen durchaus erhöhen, das ist ihnen allen bewusst.
Marek braucht einen Notendurchschnitt von 3,0, um auf die zweijährige Berufsfachschule wechseln zu können. Sein Ziel ist der Mittlere Abschluss "und dann eine gute Ausbildung und viel Geld verdienen". Mustafa hat die Zusage zu einer Lehrstelle schon in der Tasche: "Ich mache in Stetten eine Ausbildung als Straßenbauer." Auch Fatmir hat gut lachen: Er startet eine Lehre als Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik in Degerloch. Marc ist schon 17 - "ich schwör" - und will erstmal ein freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren, was danach kommt, weiß er noch nicht. Daniel wird erst einmal ins Berufseinstiegsjahr (BEJ) gehen. Wenn er 17 sei, wolle er sich zum Versicherungsverkäufer und -vorsteller ausbilden lassen, kündigt er an.
Schwierige Suche nach Lehrstellen
Der Schulsozialarbeiter der Fasanenhofschule, Manuel Huber, berichtet, es sei dieses Jahr schwieriger geworden mit den Lehrstellen. Von den 19 Neuntklässlern hätten bisher drei Schüler eine schriftliche Zusage, zwei weitere eine mündliche Zusage. Sieben Schüler wollten auf die zweijährige Berufsfachschule, um den Mittleren Abschluss zu erreichen, und nur ein Schüler sei bei der Werkrealschule angemeldet, wo der Mittlere Abschluss bereits nach der zehnten Klasse absolviert wird, was gute Noten (2,4) voraussetzt. Die übrigen sechs Absolventen wechseln ins BEJ, für die Verhältnisse an der Fasanenhofschule mit ihrem verpflichtenden Ganztagsbetrieb und ihrer vergleichsweise großzügigen Lehrerversorgung seien das relativ viele, erklärt Schulleiter Andreas Passauer. Doch Mustafa, Daniel, Marc, Marek und Fatmir wissen das gute Betreuungskonzept der Schule zu schätzen. Wenn sie sich eine Schule wünschen könnten, solle sie genau so sein wie die Fasanenhofschule, sagt Daniel. "Die Lehrer gehen auf uns zu, und die Schulsozialarbeiter sind nett."
Auf die Matheprüfung am 16. Juni lernen wollen die Prüflinge erst am Wochenende wieder, und vor Englisch am 23. Juni haben sie keine Angst. Sagen sie. Am Dienstag sind die Werkrealschüler mit ihrer Deutschprüfung dran: 219 Zehntklässer an neun Hauptschulen. Auch bei ihnen geht es um die Wurst.
Von Inge Jacobs
Berlin ist weit, wenn man auf dem Fassi wohnt, wie die Fasanenhöfler ihren Stadtteil gern nennen. Doch bei der Abschlussprüfung in Deutsch haben sich von den 1148 Neuntklässlern an 35 Stuttgarter Hauptschulen auch die 19 Absolventen der Fasanenhofschule und sieben Schulfremde mit Mauerbau und Mauerfall beschäftigt. "Wie so ein Gefängnis" sei das wohl für die Leute damals gewesen, meint der 15-jährige Mustafa. "Wenn einer bei seinem Kumpel im Westen übernachtet hat, kam er nicht mehr zurück."
Auch so kann man deutsch-deutsche Geschichte beschreiben. Die Hauptschüler mussten bei ihrer Prüfung gestufte Anforderungen bewältigen. Das reichte laut Schulrat Manfred Rittershofer von einfachen Verständnisfragen zu verschiedenen Texten, darunter auch Zeitungstexte, über eigene Zusammenfassungen sowie Aussagen zum Ankreuzen bis hin zur eigenen Textproduktion: einem Beitrag für eine Schülerzeitung. Anders als früher haben die Hauptschulprüflinge seit 2008 keine Wahl mehr, sondern müssen alle Aufgaben zu einem Themenkomplex lösen. 135 Minuten Zeit hatten sie dafür.
Die Schüler waren gut vorbereitet
So lange hat an der Fasanenhofschule kaum einer dafür gebraucht. Die meisten haben schon nach knapp zwei Zeitstunden abgegeben. Auch Mustafa und seine Kameraden Daniel, Marc, Marek und Fatmir. Schwer fanden sie es nicht. "Es geht so", sagen sie, "wie 'ne Klassenarbeit". Das liege aber auch daran, dass sie sich gut vorbereitet gefühlt hätten für diese Form der Prüfung, räumen die Schüler ein. Es ist ihnen nicht gleichgültig, wie sie abschneiden. Mit einem guten Abschluss können sie ihre Chancen durchaus erhöhen, das ist ihnen allen bewusst.
Marek braucht einen Notendurchschnitt von 3,0, um auf die zweijährige Berufsfachschule wechseln zu können. Sein Ziel ist der Mittlere Abschluss "und dann eine gute Ausbildung und viel Geld verdienen". Mustafa hat die Zusage zu einer Lehrstelle schon in der Tasche: "Ich mache in Stetten eine Ausbildung als Straßenbauer." Auch Fatmir hat gut lachen: Er startet eine Lehre als Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik in Degerloch. Marc ist schon 17 - "ich schwör" - und will erstmal ein freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren, was danach kommt, weiß er noch nicht. Daniel wird erst einmal ins Berufseinstiegsjahr (BEJ) gehen. Wenn er 17 sei, wolle er sich zum Versicherungsverkäufer und -vorsteller ausbilden lassen, kündigt er an.
Schwierige Suche nach Lehrstellen
Der Schulsozialarbeiter der Fasanenhofschule, Manuel Huber, berichtet, es sei dieses Jahr schwieriger geworden mit den Lehrstellen. Von den 19 Neuntklässlern hätten bisher drei Schüler eine schriftliche Zusage, zwei weitere eine mündliche Zusage. Sieben Schüler wollten auf die zweijährige Berufsfachschule, um den Mittleren Abschluss zu erreichen, und nur ein Schüler sei bei der Werkrealschule angemeldet, wo der Mittlere Abschluss bereits nach der zehnten Klasse absolviert wird, was gute Noten (2,4) voraussetzt. Die übrigen sechs Absolventen wechseln ins BEJ, für die Verhältnisse an der Fasanenhofschule mit ihrem verpflichtenden Ganztagsbetrieb und ihrer vergleichsweise großzügigen Lehrerversorgung seien das relativ viele, erklärt Schulleiter Andreas Passauer. Doch Mustafa, Daniel, Marc, Marek und Fatmir wissen das gute Betreuungskonzept der Schule zu schätzen. Wenn sie sich eine Schule wünschen könnten, solle sie genau so sein wie die Fasanenhofschule, sagt Daniel. "Die Lehrer gehen auf uns zu, und die Schulsozialarbeiter sind nett."
Auf die Matheprüfung am 16. Juni lernen wollen die Prüflinge erst am Wochenende wieder, und vor Englisch am 23. Juni haben sie keine Angst. Sagen sie. Am Dienstag sind die Werkrealschüler mit ihrer Deutschprüfung dran: 219 Zehntklässer an neun Hauptschulen. Auch bei ihnen geht es um die Wurst.
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