Die Neulinge im Gemeinderat
Mayer-Vorfelders Schwiegersohn hört auf den Familienrat
Thomas Braun und Jörg Nauke, veröffentlicht am 12.06.2009
Stuttgart - 22 Kandidaten haben erstmals den Sprung in den Gemeinderat geschafft. Wie sehen sie ihre künftige Rolle? Welche Erwartungen haben sie an die kommunalpolitische Arbeit im Rathaus? Exemplarische Antworten von einigen Exemplaren.
Niomba Lomba hat Lust auf Verantwortung und Lust auf Politik. Das hat sie dem "Spiegel" schon im Jahr 2001 gesagt. Das Nachrichtenmagazin hatte sie damals gefragt, weil die Tochter eines Forstwissenschaftlers aus dem Kongo und einer deutschen Mutter als 28-jährige Nachwuchshoffnung in den Bundesvorstand der Grünen eingezogen war. Nach einigen Jahren politischer Pause, in der sie beruflich unter anderem beim Pharmahersteller Celesio engagiert war, verspürt sie jetzt wieder Lust, Verantwortung zu übernehmen, dieses Mal in der Kommunalpolitik. Die 36-jährige gebürtige Augsburgerin hat unter anderem Kommunikationswissenschaften studiert, antwortet also nicht unüberlegt auf so plumpe Fangfragen wie die nach den von ihr bevorzugten Ausschüssen. Aber da der Krankenhausbürgermeister Klaus-Peter Murawski schon vor Monaten bei der Kandidatenaufstellung voll des Lobes über Lomba war, wird sie sich wohl unter anderem im Gesundheitsbereich wiederfinden, wo Ursula Marx eine Lücke hinterlässt.
Wenn man Vittorio Lazaridis fragen würde, worauf er Lust hätte, würde er wohl bessere Luft einfordern. Der 31-Jährige ist am Stöckach aufgewachsen und wohnt jetzt in Wangen - beide Stadtteile haben nicht den Ruf von Kurorten. Auch deshalb hat er auf seiner Homepage geschrieben: "Wenn ein Kind in Stuttgart auf die Welt kommt, dann wünsche ich mir, dass es keine feinstaubverseuchte Luft einatmen muss, egal wo es wohnt." Der italienische Sonderschulrektor und Vater von drei Kindern wurde in Zürich geboren, seine Mutter stammte aus Neapel, sein Vater aus Saloniki. In den Oberen Neckarvororten ist er bekannt wie ein bunter Hund, schließlich hatten die Lazaridis' eine Pizzeria, die er vor seinem Studium für einige Jahre selbst führte. Sollten die Grünen einen Sportsprecher brauchen, wäre der Neu-Stadtrat geeignet: Lazaridis Biografie weist eine Tätigkeit als "Assistant-Teacher" und Fußballtrainer an der Burr & Burton Seminary High School, einer Privatschule in Manchester/Vermont, aus. Das Rathaus ist ihm übrigens nicht fremd: Seit Jahren sitzt er im Internationalen Ausschuss und im Schulbeirat.
Dass Cornelius Kübler den Sprung in den neuen Gemeinderat geschafft hat, ist zu einem guten Teil einem angeheirateten Verwandten zu verdanken: Der 33-Jährige Arzt am Karl-Olga-Krankenhaus ist der Schwiegersohn des früheren Finanzministers und CDU-Kreisvorsitzenden Gerhard Mayer-Vorfelder ("MV"). "Er ist neben meiner Frau schon so etwas wie mein politischer Berater", sagt der frisch gebackene Stadtrat. Seine ersten politischen Sporen hat sich Kübler als Bezirksbeirat und Vorstandsmitglied der CDU in Stuttgart-Ost verdient. Daneben ist er in zahlreichen Vereinen engagiert, etwa bei der Karnevalsgesellschaft Zigeunerinsel und beim Cannstatter Volksfestverein. Seine Schwerpunkte setzt der Mediziner im Gesundheitsbereich: Eine bessere, wohnortnahe Versorgung von Senioren sowie die Aufrechterhaltung des hohen medizinischen Standards an den städtischen Kliniken - solche Themen prädestinieren ihn für einen Sitz im Gesundheitsausschuss. Außerdem will er gerade als Neuling einen Beitrag leisten, "dass die CDU aus den Negativschlagzeilen herauskommt und wir wieder geschlossen auftreten".
Bernd Klingler ist einer von insgesamt sechs neuen Gesichtern, die künftig für die FDP-Fraktion Politik im Rathaus machen wollen. "Ich komme derzeit aus dem Händeschütteln nicht mehr heraus", sagt der 41-Jährige. Der Weilimdorfer Bezirksbeirat, von Beruf selbstständiger Werbefachmann, hat sein Glück schon mehrfach als Landtagskandidat der Liberalen versucht - ohne Erfolg. Bescheidenheit zählt nicht zu seinen hervorstechenden Eigenschaften. In seinem Kandidatenprofil im Internet heißt es, er kenne die Landeshauptstadt "wie kaum ein anderer" und finde stets "mutig klare Worte". Den Beweis dafür muss der Neustadtrat, der aus beruflichen Gründen vorübergehend mit einem Verzicht auf seine Kandidatur geliebäugelt hatte, erst noch antreten. Sein selbst gestecktes Ziel, FDP-Stimmenkönig zu werden, hat er jedenfalls klar verfehlt. Politisch hat sich Klingler den Bürokratieabbau und die Förderung des Mittelstandes auf die Fahne geschrieben. Als aktiver Tennisspieler kann er sich die Mitarbeit im Sportausschuss vorstellen.
Neben der wiedergewählten Stadträtin Ulrike Küstler wird künftig Thomas Adler im Rat die Fahne der Linken hochhalten. Der 55-Jährige Stuttgarter hat beim Daimler den Beruf des Modellbauers gelernt. Seit mehr als 20 Jahren sitzt Adler im Betriebsrat des Automobilkonzerns. Obwohl IG-Metall-Mitglied, wurde er über die sogenannte alternative Liste in dieses Gremium gewählt. Seinen "kritischen Geist" will er nun im Stuttgarter Rathaus einbringen: Neben Arbeitnehmerfragen setzt sich Adler für mehr direkte Demokratie in der Kommunalpolitik ein: "Es kann nicht sein, dass die Bürger nur alle fünf Jahre nach ihrer Meinung gefragt werden."
Niomba Lomba hat Lust auf Verantwortung und Lust auf Politik. Das hat sie dem "Spiegel" schon im Jahr 2001 gesagt. Das Nachrichtenmagazin hatte sie damals gefragt, weil die Tochter eines Forstwissenschaftlers aus dem Kongo und einer deutschen Mutter als 28-jährige Nachwuchshoffnung in den Bundesvorstand der Grünen eingezogen war. Nach einigen Jahren politischer Pause, in der sie beruflich unter anderem beim Pharmahersteller Celesio engagiert war, verspürt sie jetzt wieder Lust, Verantwortung zu übernehmen, dieses Mal in der Kommunalpolitik. Die 36-jährige gebürtige Augsburgerin hat unter anderem Kommunikationswissenschaften studiert, antwortet also nicht unüberlegt auf so plumpe Fangfragen wie die nach den von ihr bevorzugten Ausschüssen. Aber da der Krankenhausbürgermeister Klaus-Peter Murawski schon vor Monaten bei der Kandidatenaufstellung voll des Lobes über Lomba war, wird sie sich wohl unter anderem im Gesundheitsbereich wiederfinden, wo Ursula Marx eine Lücke hinterlässt.
Wenn man Vittorio Lazaridis fragen würde, worauf er Lust hätte, würde er wohl bessere Luft einfordern. Der 31-Jährige ist am Stöckach aufgewachsen und wohnt jetzt in Wangen - beide Stadtteile haben nicht den Ruf von Kurorten. Auch deshalb hat er auf seiner Homepage geschrieben: "Wenn ein Kind in Stuttgart auf die Welt kommt, dann wünsche ich mir, dass es keine feinstaubverseuchte Luft einatmen muss, egal wo es wohnt." Der italienische Sonderschulrektor und Vater von drei Kindern wurde in Zürich geboren, seine Mutter stammte aus Neapel, sein Vater aus Saloniki. In den Oberen Neckarvororten ist er bekannt wie ein bunter Hund, schließlich hatten die Lazaridis' eine Pizzeria, die er vor seinem Studium für einige Jahre selbst führte. Sollten die Grünen einen Sportsprecher brauchen, wäre der Neu-Stadtrat geeignet: Lazaridis Biografie weist eine Tätigkeit als "Assistant-Teacher" und Fußballtrainer an der Burr & Burton Seminary High School, einer Privatschule in Manchester/Vermont, aus. Das Rathaus ist ihm übrigens nicht fremd: Seit Jahren sitzt er im Internationalen Ausschuss und im Schulbeirat.
Dass Cornelius Kübler den Sprung in den neuen Gemeinderat geschafft hat, ist zu einem guten Teil einem angeheirateten Verwandten zu verdanken: Der 33-Jährige Arzt am Karl-Olga-Krankenhaus ist der Schwiegersohn des früheren Finanzministers und CDU-Kreisvorsitzenden Gerhard Mayer-Vorfelder ("MV"). "Er ist neben meiner Frau schon so etwas wie mein politischer Berater", sagt der frisch gebackene Stadtrat. Seine ersten politischen Sporen hat sich Kübler als Bezirksbeirat und Vorstandsmitglied der CDU in Stuttgart-Ost verdient. Daneben ist er in zahlreichen Vereinen engagiert, etwa bei der Karnevalsgesellschaft Zigeunerinsel und beim Cannstatter Volksfestverein. Seine Schwerpunkte setzt der Mediziner im Gesundheitsbereich: Eine bessere, wohnortnahe Versorgung von Senioren sowie die Aufrechterhaltung des hohen medizinischen Standards an den städtischen Kliniken - solche Themen prädestinieren ihn für einen Sitz im Gesundheitsausschuss. Außerdem will er gerade als Neuling einen Beitrag leisten, "dass die CDU aus den Negativschlagzeilen herauskommt und wir wieder geschlossen auftreten".
Bernd Klingler ist einer von insgesamt sechs neuen Gesichtern, die künftig für die FDP-Fraktion Politik im Rathaus machen wollen. "Ich komme derzeit aus dem Händeschütteln nicht mehr heraus", sagt der 41-Jährige. Der Weilimdorfer Bezirksbeirat, von Beruf selbstständiger Werbefachmann, hat sein Glück schon mehrfach als Landtagskandidat der Liberalen versucht - ohne Erfolg. Bescheidenheit zählt nicht zu seinen hervorstechenden Eigenschaften. In seinem Kandidatenprofil im Internet heißt es, er kenne die Landeshauptstadt "wie kaum ein anderer" und finde stets "mutig klare Worte". Den Beweis dafür muss der Neustadtrat, der aus beruflichen Gründen vorübergehend mit einem Verzicht auf seine Kandidatur geliebäugelt hatte, erst noch antreten. Sein selbst gestecktes Ziel, FDP-Stimmenkönig zu werden, hat er jedenfalls klar verfehlt. Politisch hat sich Klingler den Bürokratieabbau und die Förderung des Mittelstandes auf die Fahne geschrieben. Als aktiver Tennisspieler kann er sich die Mitarbeit im Sportausschuss vorstellen.
Neben der wiedergewählten Stadträtin Ulrike Küstler wird künftig Thomas Adler im Rat die Fahne der Linken hochhalten. Der 55-Jährige Stuttgarter hat beim Daimler den Beruf des Modellbauers gelernt. Seit mehr als 20 Jahren sitzt Adler im Betriebsrat des Automobilkonzerns. Obwohl IG-Metall-Mitglied, wurde er über die sogenannte alternative Liste in dieses Gremium gewählt. Seinen "kritischen Geist" will er nun im Stuttgarter Rathaus einbringen: Neben Arbeitnehmerfragen setzt sich Adler für mehr direkte Demokratie in der Kommunalpolitik ein: "Es kann nicht sein, dass die Bürger nur alle fünf Jahre nach ihrer Meinung gefragt werden."
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