Kommentar
Aufgerappelt
Wolfgang Schulz-Braunschmidt, veröffentlicht am 14.06.2009
Stuttgart - Noch vor einer Woche schienen die Stuttgarter Sozialdemokraten am Boden zerstört. Der Absturz bei der Gemeinderatswahl ließ die Genossen fassungslos zurück. Kaum ein Parteimitglied war in der Lage, etwas anderes als seine grenzenlose Enttäuschung zu offenbaren.
Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt
Am Abend des Wahldebakels hatte ein Genosse wenigstens noch versucht, den anderen mit einer alten SPD-Floskel etwas Mut zu machen: "Nach Niederlagen rücken wir enger zusammen." Jeder habe doch schon zwei Genossen in der Tasche, unkte ein anderer mit einem Rest an schwarzem Humor.Doch die Schockstarre an der Parteispitze und in den Ortsvereinen hielt nicht lange an. Die zahlreichen innerparteilichen Gegner von Stuttgart21 meldeten sich zu Wort, inhaltliche und personelle Konsequenzen wurden gefordert. Letztere hat der damit gemeinte Fraktionschef Manfred Kanzleiter am Freitag mit seinem Rücktritt zu Beginn der Kreisvorstandssitzung dann selbst gezogen. Dadurch blieb den Genossen in der "Weinlaube" des Ratskellers eine harte Personaldebatte erspart. Kanzleiter bewies Größe in der Niederlage, die nicht seine, sondern die aller Stuttgarter Sozialdemokraten ist.
Sein Verzicht eröffnete der Partei die erhoffte Chance auf den Wechsel an der Fraktionsspitze, der rasch genutzt wurde. Ob es die neue Frontfrau Roswitha Blind aber schafft, die Stuttgarter SPD in eine bessere Zukunft zu führen, ist offen. Die Genossen stehen immer noch mit dem Rücken an der Wand. Aber sie liegen schon nicht mehr am Boden - sie haben sich aufgerappelt.
Ganz anders präsentieren sich hingegen die Stuttgarter Christdemokraten, die mit einem Verlust von fast neun Prozent der Wählerstimmen einen historischen Tiefschlag hinnehmen mussten. Doch der wird von der größten Stuttgarter Volkspartei offenbar verdrängt. Der Kreisvorsitzende Michael Föll verbittet sich Personaldebatten - Ruhe gilt als erste Parteigängerpflicht. Dennoch probt die neue christdemokratische Bonsai-Fraktion bereits den Grabenkrieg. Schweigen an der Basis, Zwietracht im Gemeinderat.
Wer eines Tages wieder als Sieger dastehen will, muss Niederlagen anders verarbeiten. In diesem Punkt scheint die ebenfalls schwer gebeutelte Sozialdemokratie der Union schon einen Schritt voraus zu sein.
Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt
Am Abend des Wahldebakels hatte ein Genosse wenigstens noch versucht, den anderen mit einer alten SPD-Floskel etwas Mut zu machen: "Nach Niederlagen rücken wir enger zusammen." Jeder habe doch schon zwei Genossen in der Tasche, unkte ein anderer mit einem Rest an schwarzem Humor.Doch die Schockstarre an der Parteispitze und in den Ortsvereinen hielt nicht lange an. Die zahlreichen innerparteilichen Gegner von Stuttgart21 meldeten sich zu Wort, inhaltliche und personelle Konsequenzen wurden gefordert. Letztere hat der damit gemeinte Fraktionschef Manfred Kanzleiter am Freitag mit seinem Rücktritt zu Beginn der Kreisvorstandssitzung dann selbst gezogen. Dadurch blieb den Genossen in der "Weinlaube" des Ratskellers eine harte Personaldebatte erspart. Kanzleiter bewies Größe in der Niederlage, die nicht seine, sondern die aller Stuttgarter Sozialdemokraten ist.
Sein Verzicht eröffnete der Partei die erhoffte Chance auf den Wechsel an der Fraktionsspitze, der rasch genutzt wurde. Ob es die neue Frontfrau Roswitha Blind aber schafft, die Stuttgarter SPD in eine bessere Zukunft zu führen, ist offen. Die Genossen stehen immer noch mit dem Rücken an der Wand. Aber sie liegen schon nicht mehr am Boden - sie haben sich aufgerappelt.
Ganz anders präsentieren sich hingegen die Stuttgarter Christdemokraten, die mit einem Verlust von fast neun Prozent der Wählerstimmen einen historischen Tiefschlag hinnehmen mussten. Doch der wird von der größten Stuttgarter Volkspartei offenbar verdrängt. Der Kreisvorsitzende Michael Föll verbittet sich Personaldebatten - Ruhe gilt als erste Parteigängerpflicht. Dennoch probt die neue christdemokratische Bonsai-Fraktion bereits den Grabenkrieg. Schweigen an der Basis, Zwietracht im Gemeinderat.
Wer eines Tages wieder als Sieger dastehen will, muss Niederlagen anders verarbeiten. In diesem Punkt scheint die ebenfalls schwer gebeutelte Sozialdemokratie der Union schon einen Schritt voraus zu sein.
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