Startschuss für E-Books Klein, leicht und etwas träge
Helmut Merschmann, veröffentlicht am 10.03.2009
Leipzig - Laut einer aktuellen Umfrage, haben 2,2 Millionen Deutsche dieses Jahr die Absicht, ein E-Book zu kaufen. Nicht nur Sony und Amazon rangeln um die Führung auf dem Lesegerätemarkt - auch eine Berliner Firma steigt mit einem Modell in den Markt ein. Ein Überblick.
Der Online-Buchhändler Libri.de und die Thalia-Buchhandlungen starten heute mit dem Verkauf von elektronischen Büchern. Auf der morgen beginnenden Leipziger Buchmesse tritt der Börsenverein des deutschen Buchhandels mit einem eigenen E-Book-Portal namens Libreka.de in Erscheinung.
Schon vor zehn Jahren waren E-Books in aller Munde. Doch die Lesegeräte von Rocketbook und Apples Newton enttäuschten. Erst mit der Entwicklung von E-Ink, elektronischer Tinte, ist eine Gerätegeneration auf dem Markt, bei der die Lesequalität stimmt.
Klein, flach und silbrig glänzend liegt Sonys PRS-505 in der Hand. Er misst etwa 18 mal zwölf Zentimeter und wiegt 260 Gramm. Das entspricht einem dickeren Taschenbuch. Der Reader aber ist nur acht Millimeter tief. Sein interner Speicher von 192 Megabyte fasst etwa hundert Bücher. Mit weiteren Speicherkarten kann man aber leicht das Hundertfache unterbringen, praktisch seine gesamte Hausbibliothek. Ikea sollte sich ernsthafte Sorgen um sein Regalprogramm Billy machen.
Laut Herstellerangaben reicht eine einzige Akkuladung für 6800 Seitenumschläge oder zwölf Romane. Der geringe Energieverbrauch des sechs-Zoll-Displays ist auf das E-Ink-Verfahren zurückzuführen: Die Hintergrundbeleuchtung entfällt. Stattdessen handelt es sich im Prinzip um eine elektrisch leitende Kunststofffolie mit kleinen Kügelchen. Deren Pigmente reagieren auf Spannung und stellen so die Schrift dar. Weder Flimmern noch grelles Sonnenlicht sollen das Lesevergnügen schmälern.
Allenfalls beim Seitenaufbau kommt es zu Zeitverzögerungen, weil sich die E-Ink-Kügelchen neu ausrichten müssen. Das dauert bei Texten etwa zwei Sekunden. PDF-Dateien mit Grafiken und Fotos (die nur in wenigen Graustufen angezeigt werden) benötigen ungleich längere Aufbauzeiten. Die Dateien für E-Books haben das sogenannte EPUB-Format. Das ist ein offener Standard, der den Zeilenumbruch eines Textes automatisch an die Displaygröße anpasst. Im Gegensatz zum amerikanischen Markt verzichtet der deutsche Buchhandel auf Kopierschutz mittels DRM (digital Rights Management). Lediglich ein Wasserzeichen mit Angaben zu Verkäufer sowie Käufer und einer Vorgangsnummer verweist auf die Besitzverhältnisse.
Bereits seit November 2007 sind E-Books in den USA erhältlich. Der Online-Buchhändler Amazon wagte damals mit seinem Kindle-Reader den Vorstoß. Obwohl das Gerät mit seinen vielen Tasten eher billig und hässlich wirkt, war es ein großer Erfolg. Im Februar präsentierte Amazons den Nachfolger Kindle 2, der auch Hörbücher abspielt und eine Sprachausgabe aufweist.
Mit ähnlichen Features, aber wesentlich eleganter kommt ein E-Reader aus Berlin daher. Auf der Cebit stellte das kleine Start-up Wizpac einen Reader vor, der im Herbst auf den Markt kommt. Zusammen mit der Plattform txtr.com soll eine "zentrale Anlaufstelle für alle lesenswerten Dokumente im Netz" geschaffen werden. Anwender sollen dort digitale Inhalte sammeln und mit anderen tauschen können - Wizpac setzt auf das Prinzip Online-Community. Der Reader hat ein UMTS-Modem, WLAN und USB 2.0-Schnittstellen und ist damit quasi an jedem Ort einsetzbar. Mittels Touchscreen und einer einzige Tastenwippe kann man sich durch alle Menüs navigieren. Preislich liegen alle Reader bei rund 300 Euro.
Zweifel kommen beim Geschäftsmodell von E-Books auf. Ihr Preis soll "nah am Hardcover" liegen, wie es beim Börsenverein heißt. Doch wer würde sich ein immaterielles E-Book für zwanzig Euro herunterladen? Auch die Reader sind zu teuer und viele Kaufwillige werden Modelle mit Abonnements abwarten. Hier böten sich Kooperationen mit Zeitungsverlagen an. Die New York Times etwa will demnächst ein elektronisches Abo ihrer täglichen Ausgabe anbieten, inklusive einem Reader als Dankeschön.
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Schon vor zehn Jahren waren E-Books in aller Munde. Doch die Lesegeräte von Rocketbook und Apples Newton enttäuschten. Erst mit der Entwicklung von E-Ink, elektronischer Tinte, ist eine Gerätegeneration auf dem Markt, bei der die Lesequalität stimmt.
Klein, flach und silbrig glänzend liegt Sonys PRS-505 in der Hand. Er misst etwa 18 mal zwölf Zentimeter und wiegt 260 Gramm. Das entspricht einem dickeren Taschenbuch. Der Reader aber ist nur acht Millimeter tief. Sein interner Speicher von 192 Megabyte fasst etwa hundert Bücher. Mit weiteren Speicherkarten kann man aber leicht das Hundertfache unterbringen, praktisch seine gesamte Hausbibliothek. Ikea sollte sich ernsthafte Sorgen um sein Regalprogramm Billy machen.
Laut Herstellerangaben reicht eine einzige Akkuladung für 6800 Seitenumschläge oder zwölf Romane. Der geringe Energieverbrauch des sechs-Zoll-Displays ist auf das E-Ink-Verfahren zurückzuführen: Die Hintergrundbeleuchtung entfällt. Stattdessen handelt es sich im Prinzip um eine elektrisch leitende Kunststofffolie mit kleinen Kügelchen. Deren Pigmente reagieren auf Spannung und stellen so die Schrift dar. Weder Flimmern noch grelles Sonnenlicht sollen das Lesevergnügen schmälern.
Allenfalls beim Seitenaufbau kommt es zu Zeitverzögerungen, weil sich die E-Ink-Kügelchen neu ausrichten müssen. Das dauert bei Texten etwa zwei Sekunden. PDF-Dateien mit Grafiken und Fotos (die nur in wenigen Graustufen angezeigt werden) benötigen ungleich längere Aufbauzeiten. Die Dateien für E-Books haben das sogenannte EPUB-Format. Das ist ein offener Standard, der den Zeilenumbruch eines Textes automatisch an die Displaygröße anpasst. Im Gegensatz zum amerikanischen Markt verzichtet der deutsche Buchhandel auf Kopierschutz mittels DRM (digital Rights Management). Lediglich ein Wasserzeichen mit Angaben zu Verkäufer sowie Käufer und einer Vorgangsnummer verweist auf die Besitzverhältnisse.
Bereits seit November 2007 sind E-Books in den USA erhältlich. Der Online-Buchhändler Amazon wagte damals mit seinem Kindle-Reader den Vorstoß. Obwohl das Gerät mit seinen vielen Tasten eher billig und hässlich wirkt, war es ein großer Erfolg. Im Februar präsentierte Amazons den Nachfolger Kindle 2, der auch Hörbücher abspielt und eine Sprachausgabe aufweist.
Mit ähnlichen Features, aber wesentlich eleganter kommt ein E-Reader aus Berlin daher. Auf der Cebit stellte das kleine Start-up Wizpac einen Reader vor, der im Herbst auf den Markt kommt. Zusammen mit der Plattform txtr.com soll eine "zentrale Anlaufstelle für alle lesenswerten Dokumente im Netz" geschaffen werden. Anwender sollen dort digitale Inhalte sammeln und mit anderen tauschen können - Wizpac setzt auf das Prinzip Online-Community. Der Reader hat ein UMTS-Modem, WLAN und USB 2.0-Schnittstellen und ist damit quasi an jedem Ort einsetzbar. Mittels Touchscreen und einer einzige Tastenwippe kann man sich durch alle Menüs navigieren. Preislich liegen alle Reader bei rund 300 Euro.
Zweifel kommen beim Geschäftsmodell von E-Books auf. Ihr Preis soll "nah am Hardcover" liegen, wie es beim Börsenverein heißt. Doch wer würde sich ein immaterielles E-Book für zwanzig Euro herunterladen? Auch die Reader sind zu teuer und viele Kaufwillige werden Modelle mit Abonnements abwarten. Hier böten sich Kooperationen mit Zeitungsverlagen an. Die New York Times etwa will demnächst ein elektronisches Abo ihrer täglichen Ausgabe anbieten, inklusive einem Reader als Dankeschön.
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