Werbeträger auf dem Gleis

Wahlergebnis soll Stuttgart 21 nicht aus der Spur bringen

Thomas Braun, veröffentlicht am 15.06.2009
Foto: Steinert

Stuttgart - Unbeeindruckt vom Stuttgarter Kommunalwahlergebnis haben am Montag Vertreter von Land, Bahn, Region und Stadt einen neuen Werbeträger für Stuttgart 21 auf die Schiene gesetzt. Die Lokomotive BR 146 227-4 ist der neue Botschafter für das Bahnprojekt.


  Von Thomas Braun

 
Einer fehlte diesmal beim Fototermin: Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Dies liege aber nicht daran, dass der Rathauschef noch am Wahlergebnis zu kauen habe und deshalb nicht unbedingt mit dem im Rathaus nicht eben wohlgelittenen DB-Konzernbevollmächtigten Werner Klingberg aufs Bild wolle. Der OB sei vielmehr durch eine chinesische Delegation aufgehalten worden, beeilte sich der städtische Pressesprecher Markus Schubert zu versichern. An Schusters Stelle signierte Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch (FDP) "in Vertretung" die Regio-Lok. Klingberg sowie Verkehrsstaatssekretär Rudolf Köberle und Regionalpräsident Thomas Bopp (beide CDU) hinterließen ebenfalls ihre Unterschriften auf der 7600 PS starken Zugmaschine.

Verziert mit dem Werbeslogan "Hier schlägt es - das neue Herz Europas" soll die Lokomotive, die vorzugsweise auf der Strecke Ulm-Stuttgart eingesetzt wird, nun die Botschaft ins Land hinaus tragen, dass das Projekt "für alle Vorteile bringt", so Köberle. Der Staatssekretär war denn auch der einzige, der sich zum Ausgang der Kommunalwahl äußern wollte und sich seinen eigenen Reim auf den Wahlsieg der Grünen, der SÖS und der Linken machte: "Das Ergebnis ist durchaus interpretierbar. Die Parteien, die sich zu Stuttgart 21 bekennen, haben auch im neuen Stuttgarter Gemeinderat eine Mehrheit."

Die ganz große Werbetrommel wird nicht gerührt

Er setze auf einen baldigen Beginn der Bauarbeiten. Bei der geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2019, da ist der Staatssekretär jedenfalls überzeugt, werde es viel Zustimmung für das Projekt geben. Ganz ähnlich sieht das der Regionalpräsident Thomas Bopp. "Man stelle sich einmal vor, wir hätten die S-Bahn in der Region nicht. Das war der Grundstein für unsere wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung", zog Bopp den Vergleich mit einer anderen, Mitte/Ende der 1970er Jahre umstrittenen Großbaustelle.

Manchmal müsse man eben "unpopuläre Entscheidungen durchdrücken, damit hinterher etwas besseres entstehen kann", sagte Bopp. - "Keine". So lautete kurz und bündig die Antwort von Bahnrepräsentant Klingberg auf die Frage, welche Konsequenzen die Bahn aus dem Stuttgarter Wahlergebnis zu ziehen gedenke. Zwar wolle man die Kommunikation und die Bürgerinformation während der Bauarbeiten verbessern. "Aber die ganz große Werbetrommel werden wir wohl nicht rühren", so Klingberg. Er betonte, dies sei allerdings keine Reaktion auf das bei der Wahl zum Ausdruck gekommene Unbehagen in der Bevölkerung gegenüber dem Bau der neuen unterirdischen Durchgangsstation.

Auch die Tatsache, dass die Größe des geplanten Einkaufszentrums auf dem Stuttgart-21-Gelände an der Wolframstraße mittlerweile von Gutachtern als überdimensioniert eingeschätzt wird und sich daraus für die Bahn Schwierigkeiten bei der Vermarktung des Grundstücks ergeben könnten, ficht Klingberg nicht an: "Die Stadt hat dort einen Bebauungsplan aufgestellt, und der lässt sich meines Wissens nach so schnell nicht ändern." Im Übrigen gilt für ihn: "Was gut ist für die Stadt, muss sie selbst wissen."
 
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