Aufgeräumt ins neue Jahr Rümpel dich frei

Simone Drescher , veröffentlicht am 29.12.2008
Foto: Zweygarth

Stuttgart - Der Jahreswechsel ist ein guter Anlass, um mal wieder gründlich auszumisten - sei es die Wohnung, den Keller oder die eigene Verfassung. Viele sehen zwischen praktischer und geistiger Entrümplung einen direkten Zusammenhang. Ein Streifzug durch diverse Aufräum-Ratgeber.


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Eines gleich vorneweg: "Räumen Sie dann auf, wenn Sie am wenigsten dazu Zeit haben, denn der Tag, an dem man Zeit hat, kommt nie." Das jedenfalls glaubt Werner Tiki Küstenmacher, der Autor der "Simplify your life"-Bücher. Kein schlechter Gedanke, schließlich möchte man Tage, an denen man glaubt, Zeit zu haben, nicht mit Dingen wie Aufräumen verplempern. Für Küstenmacher steht, wie bei all seinen Rezepten für ein weniger anstrengendes Dasein, beim Aufräumen der Mensch im Mittelpunkt, und er sieht stets einen - manchmal penetranten - Zusammenhang zwischen der räumlichen Umgebung und der psychischen Gesundheit.

In seiner Entrümpelungsstrategie weist er den Räumen eines Hauses beziehungsweise einer Wohnung jeweils entsprechende Körperteile oder psychologische Verhaltensmuster zu. So symbolisiert in Küstenmachers Augen zum Beispiel der Bauch - oh Wunder - die Küche. Er plädiert für eine radikale Entschlackung des Raums und gibt unter anderem folgende Ratschläge: "Alles, was sie nicht ständig brauchen, hat auf der Arbeitsfläche nichts verloren." Oder: "Entfernen Sie alles, was Sie ein Jahr nicht benutzt haben, das Raclettegerät ist auch im Abstellraum oder im Keller gut aufgehoben."

Der Kleiderschrank steht laut Küstenmacher für den Körper. Er findet, dass 70 Prozent der Kleidungsstücke sowieso nicht getragen werden. Auch hier gilt deshalb: "Alles, was ein Jahr nicht getragen wurde, muss ausgemustert werden."

Ratschläge für das systematische Keller-Ausmisten

Eine besonders unliebsame Aufgabe für viele ist das Keller-Ausmisten. Ob das wohl daran liegt, dass Gerümpel im Keller symbolisch für ungelöste Probleme steht? Werner Tiki Küstenmacher glaubt zu wissen, dass man durch gelagertes Gerümpel Unausgesprochenes - meist innerhalb der Familie - unter der Oberfläche halten will. Wie dem auch sei, er gibt folgende Ratschläge für das systematische Keller-Ausmisten:

1. In Wellen arbeiten: man sollte sich die Arbeit einteilen, wenn nötig sogar auch wochenweise, und pro Einsatz nicht länger als drei Stunden mit dem Entrümpeln verbringen - sonst verliert man schnell den Überblick und damit den Elan.

2.Die Pappkartons gegen wasserdichte Behälter (zum Beispiel luftdichte Universalkisten) austauschen - das hält den moderigen Geruch ab.

3. Die Kisten mit Etiketten beschriften, und diese sichtbar an den Seitenwänden befestigen - damit man in Zukunft alles schnell auf einen Blick findet.

4. Bodenabstand halten: Gegenstände im Keller sollten immer so verstaut werden, als ob der Boden mit drei Zentimeter Wasser bedeckt sei - also am besten alles auf Regalen lagern, dann bleiben auch Gegenstände, die nicht in Kisten verpackt werden können, geschützt.

Dass man nach diesem Programm auch endlich die Schwiegermutter anrufen sollte, um sich nach Jahren des unter der Oberfläche schwelenden Streits mit ihr zu versöhnen, sagt Küstenmacher zwar nicht, er geht aber wahrscheinlich im Sinne seiner Philosophie stillschweigend davon aus.

Nicht nur der "Simplify your life"-Autor sieht einen Zusammenhang zwischen der eigenen Umgebung und der seelischen Gesundheit. Feng-Shui-Experten stimmen darin überein, dass Unordnung das Chi, die Energie, die Leben in unsere Häuser und Büros bringt, stagnieren lässt. Das jedenfalls behauptet die US-Autorin Katherine Gibson. Sie hat den kleinen Entrümpel-Ratgeber "Aufgeräumt macht glücklich" geschrieben und hält ebenfalls jede Menge Ratschläge für ein aufgeräumtes Leben bereit. Sie schreibt: "Unordnung geht über das Materielle hinaus und beeinträchtigt unser emotionales und geistiges Wohlbefinden; sie schlägt sich nieder in negativen, einengenden Gedanken (. . .)."

Ausmisten in Etappen

Auch Gibson plädiert unter anderem für ein Ausmisten in Etappen: "Nehmen Sie sich jeden Tag etwas Zeit, um auszusondern, auch wenn Sie es nur so lange tun, wie Ihr Tee zieht. Das Ausmisten einer einzigen Küchenschublade, eines Regals oder eines Schranks dauert unter Umständen nur ein paar Minuten." Man sollte mit dem offenkundigen anfangen. Nicht verwendete Haushaltsgeräte, alte Zeitschriften, nie getragene Schuhe, Tupperware - alles aussortieren. Gibsons Methodik scheint allerdings ziemlich viel Zeit in Anspruch zu nehmen. So rät sie beispielsweise beim Ausmisten jeden einzelnen Gegenstand aus jedem Schrank, jeder Schublade und jedem Regal zu nehmen und sich bei jedem Stück folgende Fragen zu stellen:

- Wann habe ich dieses Teil das letzte Mal benutzt?

- Ist es veraltet?

- Hat es immer noch eine Bedeutung in meinem Leben?

- Verschafft es mir ein gutes Gefühl?

- Habe ich mehr als eins davon?

- Brauche ich es wirklich? Warum?

- Wird sich mein Leben ändern, wenn ich mich davon trenne?

Je nachdem wie schnell einem dazu die Antworten einfallen, kann das Ausmisten zu einer recht langwierigen Angelegenheit ausarten - besonders für Menschen, die sich mit Entscheidungen prinzipiell schwertun.

"Organisieren Sie noch oder leben Sie schon?"

Laut der Autorin Cordula Nussbaum hortet der Mensch in der westlichen Zivilisation in der Regel Dinge in den eigenen vier Wänden, die mehr als drei Jahresnettogehälter ausmachen. In ihrem Buch "Organisieren Sie noch oder leben Sie schon?" gibt sie sogenannten kreativen Chaoten einen Leitfaden für ein besseres Zeitmanagement an die Hand. Nussbaum ist weniger esoterisch angehaucht als ihre Autorenkollegen Küstenmacher und Gibson. Sie legt mehr Wert auf Pragmatismus und hebt im Kapitel "Durch Aufräumen optische Ruhe und freie Zeit gewinnen" den Nutzwert einer aufgeräumten Umgebung hervor, überlässt es aber jedem selbst, was aufgeräumt bedeutet.

Einleuchtend schildert sie, dass Ordnung und Sauberkeit die Dauerbrenner in Büros und Partnerschaften sind. "Über kein Thema wird so viel diskutiert wie über herumliegende Dinge, die man nicht mehr findet, oder darüber, wer die Küche sauber macht." Diese These kommt wohl jedem mehr oder weniger bekannt vor. Nussbaum geht so weit und verteidigt zunächst das Chaos im Büro oder zu Hause. Sie schreibt: "Studien zufolge regen herumliegende Dinge die Kreativität an, auf einem leer gefegten Tisch fehlen Gedankenimpulse. Ein Vorteil von vollen Schreibtischen ist auch, dass sich unwichtige Aufgaben, die wochenlang unter Stapeln verschwinden, oft von selbst erledigen (. . .)".

Cordula Nussbaum setzt auf den eigenen Wohlfühlbarometer. Anstatt ein Zehnpunkteprogramm für die Wohnungsentrümpelung aufzustellen, verweist die Autorin auf den eigenen inneren Ordnungsgradmesser. "Finden Sie den Grad an Ordnung, der zu Ihnen passt und Ihnen das Leben erleichtert (. . .). Machen Sie den Begriff Ordnung messbar, damit Sie überhaupt erkennen, dass Ihr gewünschter Ordnungsgrad erreicht ist." Wichtig ist also, dass man sich selbst in seinem Chaos oder seiner lupenreinen Stube wohlfühlt. Ob nun mit neuen luftdichten Universalkisten im Keller oder dem seit fünf Jahren gehorteten Raclettegerät im Küchenschrank - wo das individuelle seelische und räumliche Gleichgewicht liegt und ob es überhaupt miteinander zusammenhängt, entscheidet letztlich jeder selbst.

Hilfe aus Büchern

Werner Tiki Küstenmacher: Simplify your life - Küche, Keller, Kleiderschrank entspannt im Griff. Campus Verlag, Frankfurt 2005, 9,90 Euro.

Katherine Gibson: Aufgeräumt macht glücklich - Der kleine Entrümpel-Ratgeber. Herder Verlag, Freiburg 2006, 7 Euro.

Cordula Nussbaum: Organisieren Sie noch oder leben Sie schon? - Zeitmanagement für kreative Chaoten. Campus Verlag, Frankfurt 2007, 17,90 Euro


Hilfe im Netz

Entrümpelungsdienste in Stuttgart:

http://www.stgt.com/stgt/stuttgart/29995.html

Infos zu Altkleidersammelstellen:

http://www.vz-bawue.de/UNIQ122969227412251/noauth/link18445A.html

Infos zum Thema Sondermüll:

http://www.vz-bawue.de/UNIQ122959818315975/link357662A.html


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