Social Banking Der Nutzer wird zum Investor

Lothar Lochmaier, veröffentlicht am 23.06.2009
Beim "Social Banking" im Internet können Zinsen selbst ausgehandelt werden. Foto: dpa

Berlin - Jung, mobil und sozial vernetzt - so präsentiert sich eine neue Generation von Anlegern, die das Internet kreativ nutzt. Nicht nur die Ansprüche an die Technik sind hoch, weil man vom Blackberry oder Netbook aus private Geldgeschäfte erledigen möchte. Die Anleger wollen zudem mehr Einfluss auf die Produkte der Banken und Finanzberater nehmen. "Das genossenschaftliche Konzept erhält durch die Finanz- und Wirtschaftskrise neuen Auftrieb", sagte Johannes Korten von der GLS Bank dieser Tage auf der Fachkonferenz "Next Banking" in Berlin. Die neue Kundenphilosophie bescherte nachhaltig orientierten Instituten wie der GLS oder der Triodos Bank im vergangenen Jahr Zuwächse im Neukundengeschäft.


"Der Reiz besteht darin, dass ich selbst darüber entscheiden kann, wem ich das Geld gebe."
Alexander Artopé, Geschäftsführer Smava

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Es gehe um Transparenz, sagt Korten, sie sei entscheidend. Denn viele Menschen haben das Vertrauen zu ihren Finanzberatern verloren: In einer Umfrage des Internetportals Geld-Magazin.de waren es fast zwei Drittel. Die Bank GLS informiert seine Kunden zum Beispiel dreimal im Jahr schriftlich darüber, in welche Firmen und Projekte sie ihr Kapital investiert.

Online-Anbieter profitieren von der Vertrauenskrise



Auch andere Institute wie die Quirin Bank haben bereits reagiert und verlangen von ihren Kunden statt hoher Vermittlungsprovisionen für neue Verkaufsabschlüsse ein pauschales Beratungshonorar - plus eine erfolgsabhängige Entlohnung, wenn die Anlage später gut abschneidet. Von der Vertrauenskrise wollen aber auch neue Online-Anbieter profitieren, die ihr Geschäftsmodell an den Prinzipien des Web 2.0, des Mitmach-Internets, ausrichten. Im Fachjargon wird das Modell als Social Banking oder Social Lending bezeichnet.

Die Firma Smava vermittelt zum Beispiel Kredite von Mensch zu Mensch. "Wir sind eine Art moderne Volksbank, die im Auftrag und nicht gegen das Interesse der Kunden handelt", wirbt Geschäftsführer Alexander Artopé. Das Besondere: Private Kreditgeber und Kreditnehmer handeln die Zinsen selbst aus. Da nicht ein Kunde einem anderen einen hohen Kredit gibt, sondern die Kreditgeber ihr Kapital in kleiner Stückelung an viele Kreditnehmer vergeben, sind die Risiken beim Ausfall eines Kredits gering. Hinter Smava steht mit der BIW Bank zudem ein Kreditinstitut zur rechtlichen Absicherung der Einlagen.

Oft dauert es vom Antrag zum Kredit nur wenige Stunden



Die Kreditvergabe von Mensch zu Mensch benötigt zwar noch etwas Zeit, um sich als wirkliche Alternative am Markt zu etablieren. Die Stiftung Warentest hat Smava jedoch bereits bescheinigt, dass das Geschäftsmodell sicher sei und seriöse Konditionen biete. Der Kreditvermittler prüft mit einem eigenen Bewertungsmodell die Vertrauenswürdigkeit der Kreditsuchenden. "Eine zu hohe Ausfallrate können wir uns nicht leisten", sagt Artopé. Der Charme des Modells gegenüber etablierten Online-Kreditanbietern liege zum einen darin, dass der Kreditgeber den Verwendungszweck des Darlehens kennt. Aus Datenschutzgründen verwendet jeder Nutzer jedoch ein Pseudonym. Zum anderen dauere es oft nur wenige Stunden, bis sich bei einem Antrag genügend Kreditgeber zusammenfinden. "Die hohe Motivation der Kunden kommt daher, dass sie nicht als Bittsteller gegenüber einer Bank auftreten, sondern direkt von Mensch zu Mensch auf Augenhöhe miteinander verhandeln", sagt Artopé. Selbst vermögende Privatkunden legen mittlerweile größere Geldbeträge bei Smava an: "Der Reiz besteht darin, dass ich selbst darüber entscheiden kann, wem ich das Geld gebe", sagt Artopé, "die soziale Rendite ist ein extrem wichtiges Motiv."

Nutzer tauschen sich über Anlageformen aus



Einen weiteren Ansatz aus dem Web 2.0 setzt Matthias Kröner um, der Geschäftsführer des Online-Finanzdienstleisters Fidor: "Das Motto lautet, gemeinsam bessere Entscheidungen für die Geldanlage zu treffen." Während sich Smava auf die Kreditvermittlung spezialisiert hat, bietet das zu Fidor gehörige soziale Netzwerk Sharewise den Mitgliedern die Möglichkeit, Finanzdienstleistungen und -produkte zu bewerten. So gibt es für jede Anlageform von Tages- bis Baugeld eine Plattform, auf der sich Nutzer austauschen.

Der Plattformbetreiber Fidor hält sich eher im Hintergrund. Den Bewertungsprozess der Produkte sollen weitestgehend die Kunden übernehmen. Zum Beispiel, indem sich die Gemeinschaft auch intensiv darüber austauscht, welcher qualifizierte Finanzberater oder welches Finanzprodukt letztlich das beste Ergebnis bringt.

Finanzberater werden im Internet bewertet



Auf der unabhängigen Plattform WhoFinance können sich kritische Verbraucher zudem über ihre Finanzberater informieren. Dies geschieht dadurch, dass Kunden selbst ihren jeweiligen Berater anhand eines Fragebogens bewerten. Dadurch erhöhe sich die Transparenz der Beratungsqualität bei finanziellen Anlageentscheidungen erheblich, wirbt Unternehmenssprecher Thilo Nordmeyer. Ein vom Betreiber selbst entwickeltes Qualitätssystem prüft die Bewertungen auf ihre Authentizität und Glaubwürdigkeit.

Hier gibt es Informationen zur Social-Banking-Tagung »


Kommentare (2)
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Cinthia Briseño, StZ-Online,
25.06.2009
Re: Geld-Magazin
Sehr geehrte Frau Rehm,
vielen Dank für Ihre Anmerkung! Wir haben den Fehler korrigiert.
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