Transformers - Die Rache

Spielzeugkrieg im Nahen Osten

Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 25.06.2009
Filmbeschreibung
Du wirst immer mein erstes Auto bleiben", tröstet Sam Witwicky beim Abschiedsgespräch in der Garage sein heilix quietschgelbes Blechle. Sam (Shia LaBeouf) bricht zum Studium auf, und an seiner neuen Stätte hehrer Menschenbildung dürfen Erstsemester kein eigenes Auto mitbringen. Bis hierhin bewegt sich das alles noch im Rahmen der üblichen zwangsneurotischen Beziehung, die manche Menschen zu ihren Autos pflegen. In Sams Fall in "Transformers - Die Rache" ist das Auto nämlich im Nebenberuf auch noch ein vernunft- und gefühlsbegabter, wenn auch kindischer und treudoofer Kampfroboter von der nachbarschaftsunverträglichen Größe eines Jungpolitikeregos. Weshalb sich der Flitzer scheppernd und surrend zur Kolossalgestalt entfaltet, um Protest zu erheben.

Wem diese Beschreibung nun wie die Diagnose der Hirnerweichung Hollywoods vorkommt, der hat natürlich nicht ganz Unrecht. Aber auch nicht so Recht wie beim ebenfalls von Michael Bay inszenierten Vorgängerfilm "Transformers", der 2007 erst an der Kinokasse, danach auf DVD satte Umsätze machte. "Transformers" war ein von vielen Problemen zerfressenes Spektakel, das vergeblich erzählerischen Sinn in einen Jahrzehnte alten Marketingtrick des Spielzeugherstellers Hasbro zu bringen versuchte.

Hasbro hatte 1984 zwei kindliche Faszinationen - Autos und Roboter - verschmolzen. Reste einer außerirdischen Maschinenrasse, so die krude Hintergrundgeschichte, verstecken sich auf der Erde in Autogestalt. Zwei Fraktionen, die guten Autobots und die bösen Decepticons, bekriegen einander. Zum Schlagabtausch falten sie sich zu Killermaschinen auseinander und lassen Fäuste und Raketen fliegen.

Bay hat im ersten "Transformers"-Film die Actionsequenzen so hyperschnell geschnitten, als wollte er uns durch bloße Schwindelgefühle den Unglauben austreiben. Er und seine Autoren schienen nicht einmal selbst zu wissen, was da wie zusammenhalten sollte. Seine menschlichen Hauptfiguren (Shia LaBeouf und Megan Fox) steckten zwar in Teenagerkörpern, benahmen sich aber wie Grundschulkinder, um auch diese Zielgruppe zu binden.

"Transformers - Die Rache" zeigt sich anfangs viel souveräner und selbstironischer. Zwar sind Fox und LaBeouf immer noch ein bisschen zu alt für ihre Figuren, aber die sind halbwegs klar als junge Erwachsene gezeichnet. Das Hirnverbannte an der Idee, dass in deren Leben Riesenroboter herumspukten - inzwischen mit Wissen geheimer Regierungsstellen und des Militärs -, inszeniert der Film vergnügt heraus. In der ersten Hälfte kann "Transformers 2" all jene unterhalten, die doppelbödiger Popcorngaudi wie den "Gremlins" oder "Ghostbusters" etwas abgewinnen können. Bay könnte seine Actionelemente auch prima in einer Fantasywelt ansiedeln. Aber der Regisseur von "Armageddon" und "Pearl Harbor" rückt an unsere Wirklichkeit heran und entwickelt den Spielzeugkonflikt zum veritablen Krieg mit zerfetzten, absaufenden Flugzeugträgern, dutzendfach umher geschleuderten Kampfpanzern und Kolonnen heldenhafter US-Eingreiftruppen.

Als Hauptschlachtfeld wählt er nicht zufällig Ägypten. Hier wollen die Decepticons eine vor Äonen in den Pyramiden versteckte Höllenmaschine aktivieren. Die Autobots allein können das nicht verhindern, aber auf Zuruf - als würde die Polizei zu einer Schlägerei zwei Häuser vom Revier entfernt gerufen - landen US-Truppen mit schwerem Gerät im Wüstensand.

Explosion um Explosion, Attacke um Attacke entlarvt sich "Transformers 2" nun als Gegenfilm zu den Nachrichtenbildern aus Falluja und anderen Orten des realen Politikdebakels. Hier klappt der Militäreinsatz wie am Schnürchen, hier findet die Feuerkraft ein klares Ziel, hier sind die Einheimischen kuriose Randfiguren, hier dürfen auch die Pyramiden ohne Protest zertöppert werden. Wäre Michael Bay ein Roboter, wüsste man, dass bei ihm ein paar Schrauben und Kabel locker sind.
 
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