Aktivurlaub
Joggen in Berlin
Andreas Steidel, veröffentlicht am 04.07.2009
Schon der Begriff löst reichlich Verwirrung aus: Erzählt man jemandem vom Sightjogging, dann klingt das wie "Seitjogging", und es bedarf der Erläuterung, dass man sich hierbei nun keineswegs seitlich trabend durch die Welt bewegt. Nein, Sightjogging ist eine neudeutsche Symbiose zwischen der klassischen Besichtigungstour (Sightseeing) und dem altbekannten Dauerlauf (Jogging) und wird vorwiegend in Großstädten mit signifikantem Geschäftsreiseverkehr praktiziert.
Denn Geschäftsreisende sind die Sightjogger fast allesamt sowie beinahe ausschließlich Männer, die mit knappem Zeitbudget ihre Übungseinheit etwas abwechslungsreicher gestalten möchten. Agnes ist Sightjogging-Guide im Neben- und Stadtführerin im Hauptberuf. Berlin kennt sie längst so gut wie ihre Heimatgemeinde im Mittleren Schwarzwald. Und ab und an läuft sie auch einen Marathon. Das ist schon deswegen kein Nachteil, weil auch unter der Laufkundschaft der eine oder andere geübte Marathonläufer ist.
Heute kann Agnes durchtamen. Der 44-jährige Journalist, der sie begleitet, ist kein Marathonläufer, nur mittelmäßig trainiert und mehr an Informationen als an Höchstleistungen interessiert. "Kein Problem", sagt Agnes, gejoggt wird so viel und so schnell, wie der Teilnehmer es mag. Der Kunde ist König und überdies normalerweise allein mit seinem Personal Trainer unterwegs.
Der Journalist hat sich für die Tiergartentour entschieden. Im leichten Laufschritt durchs Grüne, das müsste doch ein Vergnügen sein. Ist es auch, zumindest so lange die Luft reicht und der Geist sich voll und ganz seiner Umgebung widmen kann. Die ist so vielseitig, dass es eine wahre Freude ist, und das liegt keineswegs nur am Tiergarten selbst, sondern auch an Agnes, die ihn mit Leben und Geschichten füllt.
Der Weg führt durch ein Freilichtmuseum, das aus über 90 historischen Gaslaternen besteht, über die Brücke des Landwehrkanals, der hier die Rückseite des Berliner Zoos streift. Zum Denkmal von Rosa Luxemburg, das, obwohl im Westen platziert, 1987 von einem DDR-Künstler gefertigt wurde. Zum Feld der Steine, die aus aller Welt zusammengetragen wurden, hin zur Luiseninsel, die wie ein Blumenparadies inmitten des waldreichen Tiergartens liegt. Dieser wiederum bezieht seinen Namen keineswegs aus der Nachbarschaft zum zoologischen Garten, sondern heißt nur so, weil er den Preußenkönigen einst als stadtnahes Jagdrevier diente.
Das Erstaunliche ist, wie viel man von alledem mitbekommt. Wie gut die Informationen haften bleiben, obwohl man sie im Laufschritt aufnehmen muss. Eine echte Überraschung für den Läufer, wenn auch nicht für Agnes, die darauf hinweist, dass aufgrund der höheren Sauerstoffzufuhr das Gehirn natürlich aufnahmebereiter sei.
Denn Geschäftsreisende sind die Sightjogger fast allesamt sowie beinahe ausschließlich Männer, die mit knappem Zeitbudget ihre Übungseinheit etwas abwechslungsreicher gestalten möchten. Agnes ist Sightjogging-Guide im Neben- und Stadtführerin im Hauptberuf. Berlin kennt sie längst so gut wie ihre Heimatgemeinde im Mittleren Schwarzwald. Und ab und an läuft sie auch einen Marathon. Das ist schon deswegen kein Nachteil, weil auch unter der Laufkundschaft der eine oder andere geübte Marathonläufer ist.
Heute kann Agnes durchtamen. Der 44-jährige Journalist, der sie begleitet, ist kein Marathonläufer, nur mittelmäßig trainiert und mehr an Informationen als an Höchstleistungen interessiert. "Kein Problem", sagt Agnes, gejoggt wird so viel und so schnell, wie der Teilnehmer es mag. Der Kunde ist König und überdies normalerweise allein mit seinem Personal Trainer unterwegs.
Der Journalist hat sich für die Tiergartentour entschieden. Im leichten Laufschritt durchs Grüne, das müsste doch ein Vergnügen sein. Ist es auch, zumindest so lange die Luft reicht und der Geist sich voll und ganz seiner Umgebung widmen kann. Die ist so vielseitig, dass es eine wahre Freude ist, und das liegt keineswegs nur am Tiergarten selbst, sondern auch an Agnes, die ihn mit Leben und Geschichten füllt.
Der Weg führt durch ein Freilichtmuseum, das aus über 90 historischen Gaslaternen besteht, über die Brücke des Landwehrkanals, der hier die Rückseite des Berliner Zoos streift. Zum Denkmal von Rosa Luxemburg, das, obwohl im Westen platziert, 1987 von einem DDR-Künstler gefertigt wurde. Zum Feld der Steine, die aus aller Welt zusammengetragen wurden, hin zur Luiseninsel, die wie ein Blumenparadies inmitten des waldreichen Tiergartens liegt. Dieser wiederum bezieht seinen Namen keineswegs aus der Nachbarschaft zum zoologischen Garten, sondern heißt nur so, weil er den Preußenkönigen einst als stadtnahes Jagdrevier diente.
Das Erstaunliche ist, wie viel man von alledem mitbekommt. Wie gut die Informationen haften bleiben, obwohl man sie im Laufschritt aufnehmen muss. Eine echte Überraschung für den Läufer, wenn auch nicht für Agnes, die darauf hinweist, dass aufgrund der höheren Sauerstoffzufuhr das Gehirn natürlich aufnahmebereiter sei.
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