Pyrenäen
Des Bikers letzter Seufzer
Karlheinz Reichert, veröffentlicht am 07.08.2009
Persönlich haben wir Jordi Laparra nicht getroffen. Aber wir haben ihn als sehr gründlichen Menschen kennengelernt. Er muss wohl ein ausgezeichneter Mountainbiker sein, denn der Spanier hat ein Buch geschrieben: "La travesia de los Pireneos en BTT: del Mediterráneo al Atlántico por el Pirineo". Zu deutsch: Die Überquerung der Pyrenäen mit dem Mountainbike vom Mittelmeer zum Atlantik. Hinter dem allgemein gehaltenen Titel verbirgt sich nicht nur die Beschreibung jeder Straßenkreuzung auf diesen gut tausend Kilometern, sondern auch jedes Feldwegs und Trampelpfads.
Das Buch ist der Auslöser für eine ungewöhnliche, auch ungewöhnlich anstrengende Pyrenäentour. Die Anstrengung lässt sich an drei Zahlen festmachen: 1032 Kilometer, 26 410 Höhenmeter, elf Etappen.
Laparra selbst hat es nicht so eilig. Er gibt in seinem Buch 16 Etappen vor. Aber der gestresste Mitteleuropäer, der für nichts genug Zeit hat, glaubt ja, wenn er den ganzen Tag sonst nichts tut, könne er jeden Tag zwölf Stunden auf dem Mountainbike sitzen. Dass wir am Ende 64 Kilometer mehr auf dem Tacho haben als unser Guide, liegt nur ganz wenig daran, dass sein Buch mit der Wirklichkeit nicht immer übereinstimmt. Drei-, viermal haben wir uns um einige Kilometer verfranst, zweimal haben wir es vorgezogen, abseits der eigentlichen Route zu übernachten.
Außerdem beginnt Jordi Laparra nicht wirklich am Mittelmeer, sondern am Bahnhof von Llança. "Wenn schon, dann aber richtig", waren wir uns schnell einig. Und so haben wir schon ein paar Kilometer Vorsprung auf dem Tacho, bevor es eigentlich losgeht. Als Fahrer des Begleitfahrzeugs und als Quartiermeister haben wir José Maria engagiert. Der Bauingenieur und nebenberufliche Barkeeper hat sich darauf eingelassen, mit uns eine anderthalbwöchige Auszeit zu nehmen.
Blühende Ginsterbüsche, Korkeichen und Kiefern begleiten uns am ersten Tag. In einem kleinen Nest, in dem es keine Kneipe gibt, treffen wir um die Mittagszeit Henry und Fernand auf der Parkbank am Dorfplatz. Die beiden Franzosen sind mit schwer beladenen Mountainbikes unterwegs und packen gerade ihr Vesper aus. An Laparras Buch erkennen wir, dass sie dasselbe vorhaben wie wir. "Was ihr macht, ist nicht korrekt", sagen uns die beiden gleich, "mit einem Begleitfahrzeug ist das keine Kunst. Ihr gehört disqualifiziert."
Wir nehmen zur Kenntnis, dass wir Weicheier sind, und beschließen, den beiden Herrschaften durch unsere Anwesenheit nicht die Mahlzeit zu verderben. Denn wer mit geschätzten 40 Kilo Gepäck auf dem Rad die Pyrenäen meistern will, braucht jeden Krümel Energie. Die Überraschung ist allerdings groß, als wir die zwei nach einer Woche wieder treffen. Als wir spätabends ins Hotel kommen, sitzen sie beim Essen. Sie hätten nicht den Zug genommen, beschwören die beiden. Aber sie seien auf flachere und gut geteerte Straßen ausgewichen, geben sie kleinlaut zu.
Das Buch ist der Auslöser für eine ungewöhnliche, auch ungewöhnlich anstrengende Pyrenäentour. Die Anstrengung lässt sich an drei Zahlen festmachen: 1032 Kilometer, 26 410 Höhenmeter, elf Etappen.
Laparra selbst hat es nicht so eilig. Er gibt in seinem Buch 16 Etappen vor. Aber der gestresste Mitteleuropäer, der für nichts genug Zeit hat, glaubt ja, wenn er den ganzen Tag sonst nichts tut, könne er jeden Tag zwölf Stunden auf dem Mountainbike sitzen. Dass wir am Ende 64 Kilometer mehr auf dem Tacho haben als unser Guide, liegt nur ganz wenig daran, dass sein Buch mit der Wirklichkeit nicht immer übereinstimmt. Drei-, viermal haben wir uns um einige Kilometer verfranst, zweimal haben wir es vorgezogen, abseits der eigentlichen Route zu übernachten.
Außerdem beginnt Jordi Laparra nicht wirklich am Mittelmeer, sondern am Bahnhof von Llança. "Wenn schon, dann aber richtig", waren wir uns schnell einig. Und so haben wir schon ein paar Kilometer Vorsprung auf dem Tacho, bevor es eigentlich losgeht. Als Fahrer des Begleitfahrzeugs und als Quartiermeister haben wir José Maria engagiert. Der Bauingenieur und nebenberufliche Barkeeper hat sich darauf eingelassen, mit uns eine anderthalbwöchige Auszeit zu nehmen.
Blühende Ginsterbüsche, Korkeichen und Kiefern begleiten uns am ersten Tag. In einem kleinen Nest, in dem es keine Kneipe gibt, treffen wir um die Mittagszeit Henry und Fernand auf der Parkbank am Dorfplatz. Die beiden Franzosen sind mit schwer beladenen Mountainbikes unterwegs und packen gerade ihr Vesper aus. An Laparras Buch erkennen wir, dass sie dasselbe vorhaben wie wir. "Was ihr macht, ist nicht korrekt", sagen uns die beiden gleich, "mit einem Begleitfahrzeug ist das keine Kunst. Ihr gehört disqualifiziert."
Wir nehmen zur Kenntnis, dass wir Weicheier sind, und beschließen, den beiden Herrschaften durch unsere Anwesenheit nicht die Mahlzeit zu verderben. Denn wer mit geschätzten 40 Kilo Gepäck auf dem Rad die Pyrenäen meistern will, braucht jeden Krümel Energie. Die Überraschung ist allerdings groß, als wir die zwei nach einer Woche wieder treffen. Als wir spätabends ins Hotel kommen, sitzen sie beim Essen. Sie hätten nicht den Zug genommen, beschwören die beiden. Aber sie seien auf flachere und gut geteerte Straßen ausgewichen, geben sie kleinlaut zu.
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