Im vierten Anlauf

US-Raumfähre "Discovery" gestartet

dpa, veröffentlicht am 29.08.2009
Foto: dpa
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Cape Canaveral - Die US-Raumfähre "Discovery" ist nach einem Bilderbuchstart auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS. Der Space Shuttle mit sieben Astronauten an Bord hob am Samstagmorgen um 5.59 Uhr deutscher Zeit ab und trat kurz darauf in eine niedrige Erdumlaufbahn ein.

Tausende Schaulustige verfolgten das Abheben der Raumfähre vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida, darunter auch der künftige deutsche Esa-Astronaut Alexander Gerst.

Der Shuttle hatte eigentlich schon am Dienstagmorgen ins All fliegen sollen. Der Start musste jedoch zunächst wegen einer Gewitterfront und später wegen technischer Probleme drei Mal verschoben werden. "Die Teams haben einen großartigen Job gemacht", sagte NASA-Manager Bill Gerstenmaier kurz nach dem Abheben. Nach ersten Erkenntnissen sei die Raumfähre beim Start nicht beschädigt worden.

Wenn alles nach Plan läuft, wird die "Discovery" am Montag für knapp neun Tage an der ISS andocken. Zur Besatzung der Raumfähre gehören sechs US-Astronauten der NASA sowie der Schwede Christer Fuglesang. Der 52-Jährige fliegt für die Europäische Weltraumorganisation ESA mit zur ISS und wird dort auf seinen belgischen Kollegen Frank De Winne treffen. Dieser gehört seit Ende Mai zur Langzeitbesatzung der ISS.

Auf die Shuttle-Astronauten warten während der 13-tägigen Mission drei Außenbordeinsätze. An der Außenwand der ISS sollen mehr als 20 Meter Kabel verlegt werden. Außerdem werden die Astronauten unter anderem einen leeren Ammoniaktank für das Temperaturregelungssystem ersetzen. Mit einer Masse von 800 Kilogramm wird der Tank nach ESA-Angaben der schwerste Gegenstand sein, den je ein einzelner Astronaut im Weltraum zu bewegen hatte.

Wichtigstes Ziel der Mission STS-128 ist der Transport von Ausrüstungsgegenständen und wissenschaftlichen Geräten zur ISS. Im Gepäck hat die "Discovery" unter anderem ein neues Labor und einen neuen Gefrierschrank zur Aufbewahrung von wissenschaftlichen Proben. Für die Astronauten werden Lebensmittel, Kleidung, Wasser und ein nach dem US-Fernsehkomiker Stephen Colbert benanntes Fitnessgerät ins All geschickt. Das japanische Forschungsmodul "Kibo" bekommt Schlafkabinen.

Erheblichen Anteil an der Entwicklung der neuen wissenschaftlichen Geräte für die ISS hatten Ingenieure von Astrium in Friedrichshafen (Baden-Württemberg). Sie bauten für einen zweistelligen Millionenbetrag den neuen Gefrierschrank und einen Mini-Hochofen fürs Weltall. In ihm sollen grundlegende Vorgänge bei der Herstellung von metallischen Legierungen und Halbleitern untersucht werden. "Für uns bleibt es spannend, bis die Geräte eingebaut sind und wir sehen, dass sie einwandfrei arbeiten", sagte Mathias Pikelj von Astrium.

Die "Discovery" wird voraussichtlich am 8. September wieder von der ISS abdocken und den NASA-Astronauten Timothy Kopra von der Langzeitbesatzung zur Erde zurückbringen. Kopras Platz an Bord der ISS wird seine NASA-Kollegin Nicole Stott einnehmen, die zur Crew des Fluges STS-128 gehört. Die Landung der Raumfähre in Florida ist für den 11. September vorgesehen.

Der Deutsche Alexander Gerst, der am Samstag seinen ersten Raketen-Start live verfolgte, war im Mai zusammen mit fünf anderen Europäern für künftige Reisen ins Weltall ausgesucht worden. Der 33- Jährige beginnt am 1. September in Köln seine Astronauten-Ausbildung und soll 2013 oder 2014 zur ISS fliegen. "Die Kleidung vibriert am Körper, man hört den lauten Donner der Triebwerke. Ich habe das bisher nur im Fernsehen gesehen", sagte der Geophysiker und Vulkanforscher nach dem Start beeindruckt. Ein bisschen habe ihn das Ganze an seine Forschungsobjekte erinnert. "Die Geräusche, der Infraschall, das Rütteln - das ist ähnlich wie beim Vulkan", sagte Gerst.

Ein bisschen Wehmut schwang für den jungen Forscher jedoch auch mit. Die in die Jahre gekommenen US-Raumfähren sollen 2010 ausgemustert werden. Es stehen nur noch sechs Shuttle-Starts auf dem Programm. Gerst wird seinen ersten Flug ins All vermutlich mit einer russischen Sojus-Rakete absolvieren. "Es ist schade, dass ich vermutlich keinen Space-Shuttle-Flug mehr erleben kann", sagte der 33-Jährige. Für ihn sei der Shuttle immer noch ein hochtechnologisches Gerät, auch wenn er vom Baujahr her ein Oldtimer sei.
 

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