District 9

Dürfen die Prawns nie mehr nach Hause?

Ulrich Kriest, veröffentlicht am 10.09.2009
Filmbeschreibung
Seit Orson Welles 1938 die Radiohörer in den USA mit einer fiktiven Live-Übertragung einer Invasion der Aliens vom Mars in Panik versetzte, gehört das Bild von den aggressiven Außerirdischen, die die Menschheit attackieren, zu den populärsten Topoi der Science Fiction. 1951 folgte mit dem "Tag, an dem die Erde stillstand" bereits ein interessanter Gegenentwurf, denn hier kam ein weiser Alien in friedlicher Absicht. Und auch danach - ob nun in "E.T.", "Unheimliche Begegnung der dritten Art", "Starman" oder "Contact" - hat das Kino immer wieder von Begegnungen mit Außerirdischen erzählt.

In dem von Peter Jackson ("Der Herr der Ringe") produzierten "District 9" erzählt der Regisseur Neill Blomkamp die Geschichte einmal neu: Der Außerirdische ist hier nicht Feind, nicht Freund, sondern nur eine Last. Als das Alien-Raumschiff einst havarierte, blieb es direkt über Johannesburg liegen. Es kam zu einer Kontaktaufnahme, aber die Außerirdischen waren weder furchterregend noch glamourös, sondern schlicht krank, desorientiert und hässlich. Man nannte sie "Prawns", weil sie wie mutierte Krabben aussahen, und internierte sie in "District 9".

Das war Pech für die Prawns, denn in Südafrika hat man ja Erfahrung mit der Ghettoisierung ganzer Bevölkerungsteile und kann dabei auf einen paramilitärischen Polizeiapparat zurückgreifen. Isoliert begannen die Prawns nun zu verwahrlosen, ernährten sich von Katzenfutter, das ihnen von nigerianischen Gangstern verkauft wurde, und blieben unwillkommene Gäste. Die Proteste der Bevölkerung mehrten sich, es kam zu Übergriffen, weshalb sich die Regierung entschloss, die Aliens fortzuschaffen - weit weg im Hinterland soll "District 10" bezogen werden.

Doch die Zwangsevakuierung verläuft alles andere als reibungslos. "District 9" erzählt diese Geschichte als fiktive Pseudo-Dokumentation, als "Mockumentary", mit Interviews, Archivmaterial, Live-Übertragung mit Handkamera, Nachrichtensendungen und Hintergrundberichten. Es ist nicht so, dass man die schäbigen Slum-Bilder aus "District 9" nicht schon mal gesehen hätte, nur die Außerirdischen sind neu. Zentriert ist die Handlung um das Schicksal des leitenden Alienbeauftragten Wikus van der Merwe (Sharto Copley), der die Evakuierung leiten sollte, aber unter mysteriösen Umständen verschwand.

Mancherorts wurde "District 9" als Allegorie auf Rassismus und Apartheid verstanden, aber was hier zu sehen ist, ist vor allem ein fantasievoller Genre-Film mit einem interessanten Perspektivwechsel, der sich mit viel schwarzem Humor und augenzwinkernd inszenierter Gewalt zunächst bei Cronenberg ("Die Fliege") und Verhoeven ("Robocop", "Starship Troopers"), später dann bei Spielberg ("E. T.") bedient und sympathischerweise auch im Bewusstsein produziert wurde, nie mehr als ein schönes B-Movie sein zu wollen.
 
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