Das Massaker von Katyn
Das Gift der gefälschten Geschichte
Rupert Koppold, veröffentlicht am 17.09.2009
Filmbeschreibung
Polen im Jahr 1939. Auf einer Brücke stoßen zwei Flüchtingsgruppen aufeinander, die eine flieht vor den Deutschen, die andere vor den Russen. Schon in seiner Eröffnungssequenz gelingt es Andrzej Wajda ("Asche und Diamant"), ein Trauma seines Landes zu erfassen: aus dem Westen und aus dem Osten überfallen worden zu sein. Wajda zeigt nun auch, wie ein Professor in Krakau mit seinen Kollegen von Nazis verhaftet wird, das Hauptgewicht seines Films aber liegt auf den Ereignissen im Osten. Der Sohn des Professors wird von den Russen in ein Lager für Offiziere gesperrt, wo er Tagebuch führt, seine Frau kann gerade noch untertauchen, als sie abtransportiert werden soll. Wajda verbeugt sich hier übrigens vor der katholischen Kirche, einem Gefangenen wird mal ein Rosenkranz in die Hand gedrückt: "Vielleicht finden Sie damit Ihren Frieden!"
Dann sieht man die ersten Bilder von Katyn, diesem Ort, dessen Name Synonym für ein Verbrechen wurde. Es sind schwarzweiße Dokumentaraufnahmen von Massengräbern, von exhumierten polnischen Offizieren, die von den Sowjets erschossen wurden. Die Nazis führen sie einer Generalswitwe vor, die nach Kriegsende dieselben Bilder wiedersieht, aber neu geschnitten und vertont - sie sollen jetzt zeigen, was Nazis angerichtet haben. Diese Lüge wird im nun kommunistischen Polen zur offiziellen Geschichtsschreibung. Wer es besser weiß und wagt, dies auszusprechen, wird im Gefängnis oder im Lager enden.
Andrej Wajda geht es also nicht nur um die Rekonstruktion eines Massenmordes, er lässt Katyn, besser: das erzwungene Schweigen über dessen tatsächliche Mörder, in das Polen der Nachkriegszeit hineinwirken und das Klima vergiften. Einer der überlebenden Offiziere hält es nicht mehr aus und bringt sich um, andere versuchen, sich zu arrangieren, denn, so eine Hochschuldirektorin: "Polen wird nie frei sein."
Inzwischen darf die wahre Geschichte über Katyn, für das sich Russland immer noch nicht entschuldigt hat, erzählt werden. Aber man spürt diesem Film gerade deshalb so etwas wie die Last der Verantwortung an, die Kulissen und Kostüme wirken gediegen, aber etwas steif, die Dialoge hören sich an, als wären sich die Protagonisten ihrer quasi historischen Mission bewusst. Am Ende aber, in einer Rückblende, zeigt sich Wajda doch wieder als großer Regisseur, inszeniert seine Bilder von Katyn, ein kaltblütiges Morden im Akkord. Es sind Bilder, die man gerne vergessen würde, aber wohl nicht mehr vergessen kann.
Dann sieht man die ersten Bilder von Katyn, diesem Ort, dessen Name Synonym für ein Verbrechen wurde. Es sind schwarzweiße Dokumentaraufnahmen von Massengräbern, von exhumierten polnischen Offizieren, die von den Sowjets erschossen wurden. Die Nazis führen sie einer Generalswitwe vor, die nach Kriegsende dieselben Bilder wiedersieht, aber neu geschnitten und vertont - sie sollen jetzt zeigen, was Nazis angerichtet haben. Diese Lüge wird im nun kommunistischen Polen zur offiziellen Geschichtsschreibung. Wer es besser weiß und wagt, dies auszusprechen, wird im Gefängnis oder im Lager enden.
Andrej Wajda geht es also nicht nur um die Rekonstruktion eines Massenmordes, er lässt Katyn, besser: das erzwungene Schweigen über dessen tatsächliche Mörder, in das Polen der Nachkriegszeit hineinwirken und das Klima vergiften. Einer der überlebenden Offiziere hält es nicht mehr aus und bringt sich um, andere versuchen, sich zu arrangieren, denn, so eine Hochschuldirektorin: "Polen wird nie frei sein."
Inzwischen darf die wahre Geschichte über Katyn, für das sich Russland immer noch nicht entschuldigt hat, erzählt werden. Aber man spürt diesem Film gerade deshalb so etwas wie die Last der Verantwortung an, die Kulissen und Kostüme wirken gediegen, aber etwas steif, die Dialoge hören sich an, als wären sich die Protagonisten ihrer quasi historischen Mission bewusst. Am Ende aber, in einer Rückblende, zeigt sich Wajda doch wieder als großer Regisseur, inszeniert seine Bilder von Katyn, ein kaltblütiges Morden im Akkord. Es sind Bilder, die man gerne vergessen würde, aber wohl nicht mehr vergessen kann.
Mehr StZ Filmkritiken
I want to run - Das härteste Rennen der Welt 64 Tage lang dem Glück nachlaufen
Ein ruhiges Leben Blutspur in der Provinz
The Yellow Sea Letzte Zockerchance
Janosch - Komm, wir finden einen Schatz! 3D So schön könnte das Leben sein
Moonrise Kingdom Die ernsten Spiele der Kindheit
Die Farbe des Ozeans Grenzgebiete
Kill Me Please Die Verwöhnten und der Tod
Die Kunst zu lieben Sex ist anstrengend
Lachsfischen im Jemen Dr. Jones und die Liebe
Marley Der Star aus Jamaika
Our Idiot Brother Wer Gras an die Polizei verkauft
Alle Artikel anzeigen
Anzeigen
Was möchten Sie unternehmen?
Wann möchten Sie etwas unternehmen?

Monat

| Heute | Morgen | Akt. Woche |
| MO | DI | MI | DO | FR | SA | SO |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
Highlights am 27.05.
Nacht der offenen Kirchen: Orgelkino "Schachfieber" - Paul-Gerhardt-Kirche
Premiere: Es gibt noch Restkarten - Renitenztheater
Legendäre Meisterwerke. Kulturgeschichte(n) aus Württemberg - Landesmuseum Württemberg
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten
Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.




