Auf Höllenpisten zum höchsten Vulkan
Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 28.09.2009
Die ersten zweieinhalb Monate unseres Backpackerdaseins verbrachten wir in Argentinien, wo wir noch mal viele, schon zum Jahresbeginn mit dem Rad abgefahrene Strecken per Bus zurücklegten. In "Rio Tercero" in der Nähe von Cordoba besuchten wir einen Fahrradreisenden, den wir auf der Tour kennengelernt hatten, und dessen Familie uns in der "Puteria" unterrichtete, dem spanischen Schimpfwortvokabular. Hier wurde auch zum wahrscheinlich 100. Mal das Gepäck dezimiert, da ich noch rund 22 Kilo auf meinem Rücken schleppte und weitere drei Kilogramm in der Hand. In dieser Zeit trampten wir bevorzugt und lernten wieder dutzende interessante Menschen kennen. So verweilten wir zwei Nächte in einem libanesischen Restaurant und weitere zehn Tage in einem Familienweingut in "Cafayate", einem international bekannten Weinbaugebiet. Wir tranken viel des köstlichen Traubenelixiers, aßen gut und feierten unseren gemeinsamen 22. Geburtstag mit einem argentinischen "Asado", einem Grillabend im extremen Sinne. In unserem Fall vergrillten wir 4,5 Kilo Rindfleisch, 1,5 Kilo Spezialwürstchen und einen Hahn.
Anschließend ging es in Richtung Bolivianische Grenze und in langsam dünnluftige Höhen. Wir entschieden uns, noch zusammen nach Bolivien einzureisen um uns dort anschließend zu trennen. Christian kehrte zu engen Freunden in Paraguay zurück, um seine Kenntnisse über Land und Leute zu vertiefen, und ich startete allein in die trockenen Gefild
e des "Altiplanos", der andinen Hochebene. Bolivien unterscheidet sich deutlich von allem, was ich bisher in Südamerika gesehen habe. An jeder Straßenecke gibt es dutzende Verkäufer, die neben Kleidung und Süßigkeiten eine nahezu unerschöpfliche Auswahl an selbst gemachten Speisen und Getränken anbieten. Der Großteil der weiblichen Landbevölkerung über 20 Jahren trägt eine traditionelle, teilweise schrill bunte Tracht.
Nach ein paar längeren Wanderungen in etwa 3000 Metern Höhe und ersten Begegnungen mit der etwas verschlosseneren Bevölkerung im Vergleich zu Argentinien und Paraguay erreichte ich Uyuni, eine Stadt am größten Salzsee der Erde. Die Stadt boomt, man sieht zeitweise mehr Touristen auf der Straße als Einheimische. An jeder Ecke gibt es Agenturen, die Jeep-Touren durch den Salzsee und dessen Umland anbieten. Viele Einheimische wirken regelrecht gestresst durch die Touristenmassen, und man wird teils etwas unfreundlich oder gleichgültig behandelt. Die dreitägige Salzseetour, die ich machte, war interessant, wurde jedoch durch die Insassen der bis zu acht weiteren Touri-Jeeps, die mit uns die Sehenswürdigkeiten abklapperten, beträchtlich abgewertet. Pro Jeep wurden sechs Personen transportiert, und so passierte es, dass beispielsweise eine 30-köpfige Touristenarmee mit Kameras bewaffnet auf eine Flamingoherde zumarschierte, woraufhin diese das Weite suchten. Nachdem ich nun schon gut über vier Wochen in höheren Gefilden war und mich etwas an die dünne Luft gewöhnt hatte, kamen Gedanken einer 5000er-Besteigung auf. Nach einigen Feilschgesprächen hatte ich mir eine Jeepfahrt zum nahe gelegenen Vulkan Tunupa - 5400 Meter hoch - organisiert. Die neun Stunden des zähen Auf-und Abstiegs waren erschöpfend und im Gipfelbereich durch Schwindelgefühle begleitet, welche jedoch durch Kauen einiger Kokablätter wieder beseitigt werden konnten. Das anschließende Glücksgefühl, das mich überkam, war gigantisch.
Am darauffolgenden Tag entstand jedoch in einem Anflug europäischer Unzufriedenheit noch der Wunsch, die 6000-Meter-Marke knacken zu wollen. Nach anfänglicher erfolgloser Informationssuche, stieß ich schließlich auf den 6007 Meter hohen Vulkan namens Uturuncu. Per Nachtbus, welcher sich in einem sehr kritischem Zustand befand, ging es über Höllenpisten bei sibirischer Kälte zum vulkannähesten Dorf. Wie immer stimmten alle Informationen, die ich in Uyuni erhalten hatte, nicht einmal annähernd. Schließlich fuhr ich mit einem Dorfbewohner per Jeep bis auf halbe Höhe des Vulkanes und stieg mit dem Fahrer auf. Der Puls blieb auf 180, und man spürte förmlich, wie die trockene Luft die Atemwege austrocknete. Der Ausblick war unbeschreiblich, wenn auch fast nicht genießbar, da ein sehr starker, kalter Wind über uns hinwegfegte. Beim Abstieg setzte leichtes Kopfweh bei mir ein, welches immer stärker wurde. Als ich in meiner Unterkunft ankam, war ich fix und fertig, hatte extremes Kopfweh und schlief 13 Stunden. Am nächsten Morgen fühlte ich mich regelrecht verheizt und wollte nur noch ins Bolivianische Tiefland.
Anschließend ging es in Richtung Bolivianische Grenze und in langsam dünnluftige Höhen. Wir entschieden uns, noch zusammen nach Bolivien einzureisen um uns dort anschließend zu trennen. Christian kehrte zu engen Freunden in Paraguay zurück, um seine Kenntnisse über Land und Leute zu vertiefen, und ich startete allein in die trockenen Gefild
e des "Altiplanos", der andinen Hochebene. Bolivien unterscheidet sich deutlich von allem, was ich bisher in Südamerika gesehen habe. An jeder Straßenecke gibt es dutzende Verkäufer, die neben Kleidung und Süßigkeiten eine nahezu unerschöpfliche Auswahl an selbst gemachten Speisen und Getränken anbieten. Der Großteil der weiblichen Landbevölkerung über 20 Jahren trägt eine traditionelle, teilweise schrill bunte Tracht.
Nach ein paar längeren Wanderungen in etwa 3000 Metern Höhe und ersten Begegnungen mit der etwas verschlosseneren Bevölkerung im Vergleich zu Argentinien und Paraguay erreichte ich Uyuni, eine Stadt am größten Salzsee der Erde. Die Stadt boomt, man sieht zeitweise mehr Touristen auf der Straße als Einheimische. An jeder Ecke gibt es Agenturen, die Jeep-Touren durch den Salzsee und dessen Umland anbieten. Viele Einheimische wirken regelrecht gestresst durch die Touristenmassen, und man wird teils etwas unfreundlich oder gleichgültig behandelt. Die dreitägige Salzseetour, die ich machte, war interessant, wurde jedoch durch die Insassen der bis zu acht weiteren Touri-Jeeps, die mit uns die Sehenswürdigkeiten abklapperten, beträchtlich abgewertet. Pro Jeep wurden sechs Personen transportiert, und so passierte es, dass beispielsweise eine 30-köpfige Touristenarmee mit Kameras bewaffnet auf eine Flamingoherde zumarschierte, woraufhin diese das Weite suchten. Nachdem ich nun schon gut über vier Wochen in höheren Gefilden war und mich etwas an die dünne Luft gewöhnt hatte, kamen Gedanken einer 5000er-Besteigung auf. Nach einigen Feilschgesprächen hatte ich mir eine Jeepfahrt zum nahe gelegenen Vulkan Tunupa - 5400 Meter hoch - organisiert. Die neun Stunden des zähen Auf-und Abstiegs waren erschöpfend und im Gipfelbereich durch Schwindelgefühle begleitet, welche jedoch durch Kauen einiger Kokablätter wieder beseitigt werden konnten. Das anschließende Glücksgefühl, das mich überkam, war gigantisch.
Am darauffolgenden Tag entstand jedoch in einem Anflug europäischer Unzufriedenheit noch der Wunsch, die 6000-Meter-Marke knacken zu wollen. Nach anfänglicher erfolgloser Informationssuche, stieß ich schließlich auf den 6007 Meter hohen Vulkan namens Uturuncu. Per Nachtbus, welcher sich in einem sehr kritischem Zustand befand, ging es über Höllenpisten bei sibirischer Kälte zum vulkannähesten Dorf. Wie immer stimmten alle Informationen, die ich in Uyuni erhalten hatte, nicht einmal annähernd. Schließlich fuhr ich mit einem Dorfbewohner per Jeep bis auf halbe Höhe des Vulkanes und stieg mit dem Fahrer auf. Der Puls blieb auf 180, und man spürte förmlich, wie die trockene Luft die Atemwege austrocknete. Der Ausblick war unbeschreiblich, wenn auch fast nicht genießbar, da ein sehr starker, kalter Wind über uns hinwegfegte. Beim Abstieg setzte leichtes Kopfweh bei mir ein, welches immer stärker wurde. Als ich in meiner Unterkunft ankam, war ich fix und fertig, hatte extremes Kopfweh und schlief 13 Stunden. Am nächsten Morgen fühlte ich mich regelrecht verheizt und wollte nur noch ins Bolivianische Tiefland.
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