Wissenschaftliche Tugenden (3) Teamfähigkeit

Rainer Klüting, veröffentlicht am 18.07.2008
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Stuttgart - Was macht einen guten Wissenschaftler aus? Auf die Universität zu gehen und dort eifrig zu lernen ist zwar wichtig, aber das allein genügt nicht. Zur Wissenschaft gehört mehr. In unserer Serie über wissenschaftliche Tugenden geht es heute um die Teamfähigkeit.


"Der Trainer muss schon stimmen, aber die Tore schießen andere."
Reinhard Grunwald, ehemaliger Generalsekretär der Deutschen Forschungsgemeinschaft

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Manche Studenten lernen gerne in der Gruppe. Sie tun sich mit anderen zu Prüfungsvorbereitungen zusammen oder beugen sich gemeinsam über Übungsaufgaben. Sehr gut! Nur die Bestnote ist dafür angemessen, schaut man sich Stellenanzeigen, Selbstdarstellungen von Unternehmen und auch die Praxis in der Forschung an, besonders stark der in den Naturwissenschaften. Dort wimmelt es nur so von Teams. Aber merkwürdig: in der Ausbildung an der Universität spielt Gruppenarbeit eine auffällig geringe Rolle. Und das, obwohl doch an den Schulen bereits angekommen ist, dass auch das Arbeiten im Team gelernt werden kann und sollte.

Teamfähig zu sein, das heißt, mit dem persönlichen Ehrgeiz die Gruppe zum Erfolg führen zu wollen und nicht in erster Linie sich selbst. Wir befinden uns auf dem Feld der Modewörter im Management. Dort bedeutet Teamfähigkeit manchmal nichts anderes, als dass eine Gruppe sich klaglos und begeistert den Vorgaben des Chefs unterwirft, und die Forderung nach Teamfähigkeit soll verschleiern, dass der Fordernde, der Vorgesetzte, diese Eigenschaft am allerwenigsten verkörpert. Das gilt auch für wissenschaftliche Arbeitsgruppen. Von solchen Begriffsverwirrungen wollen wir hier absehen.

Am europäischen Forschungszentrum Cern in Genf arbeiten mehr als 8000 Wissenschaftler, teils mehr als tausend an einem Experiment. Das ist ein Extrembeispiel. Aber an vielen Stellen in der Wissenschaft knirscht es, wenn Einzelne nicht bereit oder in der Lage sind, ihren Beitrag zu einem Gruppenerfolg zu leisten. Da wundert man sich, dass erst 2007 der hoch angesehene Communicator-Preis, eine Auszeichnung für herausragende Leistungen bei der Vermittlung von Wissenschaft an die Öffentlichkeit, nicht an eine Einzelperson, sondern an eine Gruppe vergeben wurde, die 15 Polar- und Meeresforscher um den Geophysiker Heinz Miller am Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung in Bremerhaven. Die Nobelpreise, gestiftet vor mehr als hundert Jahren, dürfen ganz unzeitgemäß immer noch nicht an mehr als drei Personen vergeben werden.

Teambasierte Forschung und multidisziplinäre Ausrichtung seien die Prinzipien für zukünftige wissenschaftliche Arbeit, sagt Rita Colwell, die Direktorin der nationalen Wissenschaftsstiftung der USA (National Science Foundation). Daran sollten Studierende schon während des Studium denken - und hoffen, dass sie später einen Chef bekommen, der sich an Reinhard Grunwald orientiert. Der hat auf die Lobreden bei seinem Abschied als Generalsekretär der Deutschen Forschungsgemeinschaft erwidert: "Der Trainer muss schon stimmen, aber die Tore schießen andere."


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