Verblendung
Männer, die Frauen hassen - und umgekehrt
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 01.10.2009
Filmbeschreibung
Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die schwedische Filmindustrie an die Verfilmung der ungemein populären Krimis von Stieg Larsson machen würde. "Verblendung", der erste Teil der sogenannten Millenniums-Trilogie, soll 2008 mit 15 Millionen verkauften Exemplaren das bestverkaufte Buch in der EU gewesen sein und fand hierzulande wohl an die drei Millionen Leser. Wenn jetzt nur jeder zweite ins Kino geht, dann ... Gerade auf Bestseller-Verfilmungen lastet aber auch immer ein immenser Erwartungsdruck; Enttäuschungen bleiben da nicht aus.
Die Geschichte, die Larsson in "Verblendung" erzählt, erinnert in manchen Zügen an die klassischen Hard-Boiled-Krimis à la Hammett und Chandler. Ein Privatdetektiv erhält den Auftrag, in der Familiengeschichte einer einflussreichen Gelddynastie zu recherchieren, und stößt auf Ungeheuerliches. Als er zurückgepfiffen wird, verbietet ihm sein Ehrenkodex, von dem Fall abzulassen. Bis zum bitteren Ende wird geschnüffelt, gerne in weiblicher Begleitung. Man taucht in die Abgründe der menschlichen Seele, bekommt aber statt eines simplen Whodunit auch eine Art Gesellschaftspanorama, und wenn dann noch schlechtes Wetter, Jagdszenen, sexueller Missbrauch und militanter Korpsgeist - wahlweise mit neofaschistischen Tendenzen oder Nazivergangenheit - ins Spiel kommen, fühlt man sich gleich in Schweden zu Hause.
Die Verfilmung besorgte der dänische Regisseur Niels Arden Oplev; die bekannten Drehbuchautoren Rasmus Heisterberg und Nicolaj Arcel nahmen sich die fast siebenhundert Seiten von "Verblendung", strafften die Handlung, behielten aber den Atem des Erzählens bei. Als Glücksfall erwies sich die Besetzung der Protagonisten. Michael Nyquist ("Wie im Himmel") als Mikael "Kalle" Blomkvist trifft das sympathisch Mittelmäßige der Figur, ihre Mischung aus Hartnäckig- und Fehlbarkeit. Wichtiger für Buch wie Film ist jedoch die Figur der mysteriösen, getriebenen Hackerin Lisbeth Salander, die von Noomi Rapace sehr physisch gespielt wird - eine echte Entdeckung!
Auf vielen Ebenen kreist der Film um patriarchalen Machtmissbrauch und Misogynie und stellt klar, dass die Arroganz der Macht nicht mit dem Faschismus endete. Szenen expliziter Gewalt verstärken die dunkle, klaustrophobische Atmosphäre des Films, dessen wuchtige Bilder und Überlänge (155 Minuten!) dem deutschen Fernsehen zurufen: "Ich bei kein konfektionierter ,Tatort'! Ich bin Kino."
Die Geschichte, die Larsson in "Verblendung" erzählt, erinnert in manchen Zügen an die klassischen Hard-Boiled-Krimis à la Hammett und Chandler. Ein Privatdetektiv erhält den Auftrag, in der Familiengeschichte einer einflussreichen Gelddynastie zu recherchieren, und stößt auf Ungeheuerliches. Als er zurückgepfiffen wird, verbietet ihm sein Ehrenkodex, von dem Fall abzulassen. Bis zum bitteren Ende wird geschnüffelt, gerne in weiblicher Begleitung. Man taucht in die Abgründe der menschlichen Seele, bekommt aber statt eines simplen Whodunit auch eine Art Gesellschaftspanorama, und wenn dann noch schlechtes Wetter, Jagdszenen, sexueller Missbrauch und militanter Korpsgeist - wahlweise mit neofaschistischen Tendenzen oder Nazivergangenheit - ins Spiel kommen, fühlt man sich gleich in Schweden zu Hause.
Die Verfilmung besorgte der dänische Regisseur Niels Arden Oplev; die bekannten Drehbuchautoren Rasmus Heisterberg und Nicolaj Arcel nahmen sich die fast siebenhundert Seiten von "Verblendung", strafften die Handlung, behielten aber den Atem des Erzählens bei. Als Glücksfall erwies sich die Besetzung der Protagonisten. Michael Nyquist ("Wie im Himmel") als Mikael "Kalle" Blomkvist trifft das sympathisch Mittelmäßige der Figur, ihre Mischung aus Hartnäckig- und Fehlbarkeit. Wichtiger für Buch wie Film ist jedoch die Figur der mysteriösen, getriebenen Hackerin Lisbeth Salander, die von Noomi Rapace sehr physisch gespielt wird - eine echte Entdeckung!
Auf vielen Ebenen kreist der Film um patriarchalen Machtmissbrauch und Misogynie und stellt klar, dass die Arroganz der Macht nicht mit dem Faschismus endete. Szenen expliziter Gewalt verstärken die dunkle, klaustrophobische Atmosphäre des Films, dessen wuchtige Bilder und Überlänge (155 Minuten!) dem deutschen Fernsehen zurufen: "Ich bei kein konfektionierter ,Tatort'! Ich bin Kino."
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