Wissenschaftliche Tugenden (6) Fachkompetenz
Rainer Klüting, veröffentlicht am 29.08.2008
Stuttgart - Was macht einen guten Wissenschaftler aus? Auf die Universität zu gehen und dort eifrig zu lernen ist wichtig, aber das allein genügt nicht. Zur Wissenschaft gehört mehr. In unserer Serie über wissenschaftliche Tugenden geht es heute um die Fachkompetenz.
Ein Wissenschaftler muss kompetent in seinem Fach sein. Das klingt zunächst wie eine Banalität. Wozu studiert man, wozu sitzt man in Bibliotheken, wozu arbeitet man sich über Praktika und Diplom- oder Masterabschluss allmählich an die praktische Wissenschaft heran? Das ganze Studium, das ganze Leben eines Wissenschaftlers besteht darin, Fachkompetenz zu bekommen und sie durch ständiges Weiterlernen zu bewahren.
Aber Fachkompetenz kann unterschiedliche Ausfächerungen haben. Das ahnt man schon, wenn man sich fragt, was eigentlich ein Fachidiot ist. Auch den soll es ja in der Wissenschaft geben. Und eine besondere Art der Fachkompetenz wird man gerade ihm nicht absprechen wollen.
Vielleicht hilft eine kleine Geschichte weiter, die einmal der Physiknobelpreisträger Richard Feynman erzählt hat. Feynman hatte einen Vater, der nichts von Wissenschaft verstand, der aber sehr neugierig auf die Phänomene der Natur war. Besonders interessierte ihn das Verhalten der Vögel. Stunden und Tage verbrachte er mit seinem Sohn Richard irgendwo im Gebüsch, und Vater und Sohn beobachteten Vögel. Der kleine Richard kannte Feinheiten ihres Verhaltens und die Eigenheiten verschiedener Arten.
Eines Tages erzählte er davon einem Mitschüler. Der deutete auf einen Mast, auf dem ein Vogel saß. "Wie heißt dieser Vogel dort?" fragte er. Richard Feynman wusste es nicht. Namen waren ihm und seinem Vater bei ihren Beobachtungen nie wichtig gewesen. Der Mitschüler lachte. Wenn er die Namen der Vögel nicht kenne, so spottete er, dann habe er auch keine Ahnung von Vögeln.
Natürlich hatte der Spötter nicht ganz unrecht. Zu jeder Wissenschaft gehört eine eigene Sprache, gehören Namen und Systeme zur Einordnung von Phänomenen. Wer die nicht kennt, dem fehlt es an Kompetenz in seinem Bereich. Doch Feynman genügte das nicht. Er war bekannt für seine unkonventionelle Art, Probleme anzugehen. Er beobachtete viel, löste sich zeitweise bewusst von den Gesprächen unter Kollegen, um sich ein eigenes Bild zu machen. Er suchte den Überblick, der ihm erlaubte, Phänomene einzuordnen. Dazu muss man ab und zu vom Buch aufschauen - und sich vielleicht auch mal bei Nacht und Nebel ins Gebüsch legen.
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Vielleicht hilft eine kleine Geschichte weiter, die einmal der Physiknobelpreisträger Richard Feynman erzählt hat. Feynman hatte einen Vater, der nichts von Wissenschaft verstand, der aber sehr neugierig auf die Phänomene der Natur war. Besonders interessierte ihn das Verhalten der Vögel. Stunden und Tage verbrachte er mit seinem Sohn Richard irgendwo im Gebüsch, und Vater und Sohn beobachteten Vögel. Der kleine Richard kannte Feinheiten ihres Verhaltens und die Eigenheiten verschiedener Arten.
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