Wissenschaftliche Tugenden (10) Begabung
Marcus Sander, veröffentlicht am 24.10.2008
Stuttgart - Was macht einen guten Wissenschaftler aus? Auf die Universität zu gehen und dort eifrig zu lernen ist wichtig, aber das allein genügt nicht. Zur Wissenschaft gehört mehr. In unserer Serie über wissenschaftliche Tugenden geht es heute um die Begabung.
Begabung ist ein mysteriöses Wort. Jeder weiß: ganz ohne Talent geht nichts in der Wissenschaft, in der Kunst (Michelangelo!), beim Elfmeterschießen (Uli Hoeneß!). Dennoch spricht in Deutschland kaum noch einer mit Pathos über Begabungen und noch weniger von mangelndem Talent. Denn das klingt elitär, fast schon sozialdarwinistisch. Früher sagten die Lehrer: "Du wirst Müllmann!" Müllmann werden war das Allerletzte.
Begabung ist keine Tugend im engeren Sinne, aber unerlässlich für die Wissenschaft, weswegen sie in unserer Serie auftauchen muss. Was aber ist das eigentlich, die Begabung? Sie ist erstens ein Geschenk. Entweder man hat sie vom lieben Gott oder - je nach weltanschaulichem Standpunkt - von Darwin mitbekommen, oder man hat sie nicht.
Vor allem aber ist sie ein Rätsel. Besonders geheimnisvoll waren immer die Doppel- und Mehrfachbegabungen. Einstein war ja nicht nur ein kluger Kopf, sondern auch ein mehr als passabler Geiger. Und Heidegger, dieser Todesflüsterer aus Todtnauberg, hatte einen Draht zum Sein, aber ein passabler Skifahrer war er auch. Über Barlach, Kempowski, Grass und andere Hochbegabte schweigen wir nur aus Platzgründen.
Kommen wir lieber zu einem anderen Rätsel, der ungerechten Verteilung des Talents. Die einen, sprich die Hochbegabten trifft es im Übermaß (Daniel Düsentrieb), die anderen haben überhaupt kein Talent, watscheln nur traurig durchs Leben. Oder moderieren im Fernsehen "TV total".
Ein Rätsel bleibt auch, dass manches Wunderkind schon früh sein Talent entdeckt (Mozart). Als der Chinese Lang Lang mit zwei Jahren "Tom und Jerry" im Fernsehen sah, spielte Tom, wie es heißt, die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 cis-Moll von Franz Liszt auf dem Klavier. Also wollte Lang Lang Pianist werden. Manche entdecken ihr Talent spät und widmen sich wie der Literaturnobelpreisträger und Weltkriegschronist Churchill erst im hohen Alter ganz ihrer künstlerischen oder wissenschaftlichen Leidenschaft.
Und in manchen Familien wurde so viel Talent gesät, dass man es kaum glauben kann. Die Bachs. Die Manns. Die Mommsens. Die Weizsäckers. Diese Reihe ist anders als die der Unbegabten endlich. Vielleicht ist ja Talent zu je einem Drittel eine Sache der Gene, des Ehrgeizes und des Geldes. Wahrscheinlich kommt es aber nur darauf an, die eigenen Begabungen zu entdecken.
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Begabung ist keine Tugend im engeren Sinne, aber unerlässlich für die Wissenschaft, weswegen sie in unserer Serie auftauchen muss. Was aber ist das eigentlich, die Begabung? Sie ist erstens ein Geschenk. Entweder man hat sie vom lieben Gott oder - je nach weltanschaulichem Standpunkt - von Darwin mitbekommen, oder man hat sie nicht.
Vor allem aber ist sie ein Rätsel. Besonders geheimnisvoll waren immer die Doppel- und Mehrfachbegabungen. Einstein war ja nicht nur ein kluger Kopf, sondern auch ein mehr als passabler Geiger. Und Heidegger, dieser Todesflüsterer aus Todtnauberg, hatte einen Draht zum Sein, aber ein passabler Skifahrer war er auch. Über Barlach, Kempowski, Grass und andere Hochbegabte schweigen wir nur aus Platzgründen.
Kommen wir lieber zu einem anderen Rätsel, der ungerechten Verteilung des Talents. Die einen, sprich die Hochbegabten trifft es im Übermaß (Daniel Düsentrieb), die anderen haben überhaupt kein Talent, watscheln nur traurig durchs Leben. Oder moderieren im Fernsehen "TV total".
Ein Rätsel bleibt auch, dass manches Wunderkind schon früh sein Talent entdeckt (Mozart). Als der Chinese Lang Lang mit zwei Jahren "Tom und Jerry" im Fernsehen sah, spielte Tom, wie es heißt, die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 cis-Moll von Franz Liszt auf dem Klavier. Also wollte Lang Lang Pianist werden. Manche entdecken ihr Talent spät und widmen sich wie der Literaturnobelpreisträger und Weltkriegschronist Churchill erst im hohen Alter ganz ihrer künstlerischen oder wissenschaftlichen Leidenschaft.
Und in manchen Familien wurde so viel Talent gesät, dass man es kaum glauben kann. Die Bachs. Die Manns. Die Mommsens. Die Weizsäckers. Diese Reihe ist anders als die der Unbegabten endlich. Vielleicht ist ja Talent zu je einem Drittel eine Sache der Gene, des Ehrgeizes und des Geldes. Wahrscheinlich kommt es aber nur darauf an, die eigenen Begabungen zu entdecken.
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