Wissenschaftliche Tugenden (11) Sozialkompetenz
Nora Somborn, veröffentlicht am 07.11.2008
Stuttgart - Was macht einen guten Wissenschaftler aus? Auf die Universität zu gehen und dort eifrig zu lernen ist wichtig, aber das allein genügt nicht. Zur Wissenschaft gehört mehr. In unserer Serie über wissenschaftliche Tugenden geht es heute um die Sozialkompetenz.
Wissenschaftler vom Einsiedlertyp sind heute nicht gefragt. Ein Wissenschaftler braucht Sozialkompetenz, er muss sich mit anderen arrangieren, muss seine Ideen verkaufen können. Aber keine Panik, Sozialkompetenz kann man lernen. Man muss dies noch nicht einmal von Kindesbeinen an. In der Grundschule kann man sein Gegenüber noch unbedarft in den Matsch schmeißen.
Spätestens an der Uni sollte man Sozialkompetenz allerdings schleunigst lernen. Sozial kompetent zu sein ist unter Wissenschaftlern nämlich schwer gefragt. Und unter Firmen erst. Die haben ganze Auswahltests, um den Sozialkompetentesten auszuwählen. Also kurzum: man muss es wohl lernen. Aber dafür hat die Uni vorgesorgt, es gibt Sozialkompetenz-Module. 200 Punkte, die bescheinigen, wie gut man sich sozial so schlägt. Bis 190 Punkte ist man sozial wirklich herausragend kompetent, bis 180 Punkte immerhin noch sehr sozial kompetent. Wer allerdings weniger als insgesamt 120 Punkte erhält, der sollte sich wirklich schämen. Er ist sozial nur gerade ausreichend kompetent.
Also ran an die Punkte. Und das ist gar nicht so einfach. Man muss Lerngruppen leiten, muss den Stoff, der einen noch vor einem Jahr zur Weißglut getrieben hat, jetzt bestens gelaunt und gut vorbereitet den Jüngeren vorkauen. Es kann schließlich ständig passieren, dass der Sozialkompetenz-Modulbeauftragte - also der sozial Allerkompetenteste - vorbeikommt, um die eigene Sozialkompetenz zu beurteilen. Am besten also, man malt bunte Grafiken ans Flipchart, das macht einen sehr sozial kompetenten Eindruck. Wen man sich hierbei gut schlägt, kann man locker die Hälfte der insgesamt 200 möglichen Punkte holen.
Jetzt gilt es, nur noch an die übrigen Punkte ranzukommen. Das ist nicht einfach. Man muss eine Vorlesung besuchen, abends um sechs. Da kommt man nicht drum herum. Und Schummeln klappt nicht, eine Liste hält bitterhart fest, ob man so sozial kompetent war, abends in den Hörsaal zu schlüpfen. Ratsam ist es auch, interessiert zu gucken. Der Sozialkompetenz-Modulbeauftragte hat nämlich auch hier seine Augen.
Die nächste Hürde der Sozialkompetenz ist die Klausur. Sozial kompetent ist man nur, wenn man beispielsweise weiß, was ein Postkorb ist, eine dieser unseligen Übungen von Firmen, die Sozialkompetente aussuchen. Aber an dieser Stelle gibt es eine kleine Schlupflücke. Man kann auf die Sozialkompetenz seiner Mitstudenten bauen, und auf die gestuft angeordneten Sitzreihen. Wenn man so sozial kompetent war, sich als Erster in den Hörsaal zu drängeln, dann hat man gute Chancen auf einem Platz weit oben. Jetzt gilt es nur noch zu hoffen, dass die anderen fleißig waren und auch nicht so sozial unkompetent sind, die bereits ausgefüllten Zettel sorgsam umzudrehen und den Arm vor den Zettel zu schieben, den sie gerade bearbeiten.
Mit ein bisschen Glück gibt es dann die restlichen Sozialkompetenzpunkte. Man ist dann im Olymp der Sozialkompetenz.
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Spätestens an der Uni sollte man Sozialkompetenz allerdings schleunigst lernen. Sozial kompetent zu sein ist unter Wissenschaftlern nämlich schwer gefragt. Und unter Firmen erst. Die haben ganze Auswahltests, um den Sozialkompetentesten auszuwählen. Also kurzum: man muss es wohl lernen. Aber dafür hat die Uni vorgesorgt, es gibt Sozialkompetenz-Module. 200 Punkte, die bescheinigen, wie gut man sich sozial so schlägt. Bis 190 Punkte ist man sozial wirklich herausragend kompetent, bis 180 Punkte immerhin noch sehr sozial kompetent. Wer allerdings weniger als insgesamt 120 Punkte erhält, der sollte sich wirklich schämen. Er ist sozial nur gerade ausreichend kompetent.
Also ran an die Punkte. Und das ist gar nicht so einfach. Man muss Lerngruppen leiten, muss den Stoff, der einen noch vor einem Jahr zur Weißglut getrieben hat, jetzt bestens gelaunt und gut vorbereitet den Jüngeren vorkauen. Es kann schließlich ständig passieren, dass der Sozialkompetenz-Modulbeauftragte - also der sozial Allerkompetenteste - vorbeikommt, um die eigene Sozialkompetenz zu beurteilen. Am besten also, man malt bunte Grafiken ans Flipchart, das macht einen sehr sozial kompetenten Eindruck. Wen man sich hierbei gut schlägt, kann man locker die Hälfte der insgesamt 200 möglichen Punkte holen.
Jetzt gilt es, nur noch an die übrigen Punkte ranzukommen. Das ist nicht einfach. Man muss eine Vorlesung besuchen, abends um sechs. Da kommt man nicht drum herum. Und Schummeln klappt nicht, eine Liste hält bitterhart fest, ob man so sozial kompetent war, abends in den Hörsaal zu schlüpfen. Ratsam ist es auch, interessiert zu gucken. Der Sozialkompetenz-Modulbeauftragte hat nämlich auch hier seine Augen.
Die nächste Hürde der Sozialkompetenz ist die Klausur. Sozial kompetent ist man nur, wenn man beispielsweise weiß, was ein Postkorb ist, eine dieser unseligen Übungen von Firmen, die Sozialkompetente aussuchen. Aber an dieser Stelle gibt es eine kleine Schlupflücke. Man kann auf die Sozialkompetenz seiner Mitstudenten bauen, und auf die gestuft angeordneten Sitzreihen. Wenn man so sozial kompetent war, sich als Erster in den Hörsaal zu drängeln, dann hat man gute Chancen auf einem Platz weit oben. Jetzt gilt es nur noch zu hoffen, dass die anderen fleißig waren und auch nicht so sozial unkompetent sind, die bereits ausgefüllten Zettel sorgsam umzudrehen und den Arm vor den Zettel zu schieben, den sie gerade bearbeiten.
Mit ein bisschen Glück gibt es dann die restlichen Sozialkompetenzpunkte. Man ist dann im Olymp der Sozialkompetenz.
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