Wissenschaftliche Tugenden (12) Visionen

Rainer Klüting, veröffentlicht am 21.11.2008
Foto: dpa

Stuttgart - Was macht einen guten Wissenschaftler aus? Auf die Universität zu gehen und dort eifrig zu lernen ist wichtig, aber das allein genügt nicht. Zur Wissenschaft gehört mehr. Zum Abschluss unserer Serie über wissenschaftliche Tugenden geht es heute um die Rolle von Visionen.


Weitere Artikel
zum Thema
Um alle Einwände gleich vorwegzunehmen: ja, man kann sich darüber streiten, ob ein Wissenschaftler Visionen braucht. Das liegt aber weder am Wissenschaftler noch an den Visionen, sondern daran, dass dieses Wort erstens viel zu viel benutzt wird und zweitens für viel zu viele unterschiedliche Dinge. Wir hätten diese Tugend deshalb auch anders nennen können. Aber wie? Genau um diese Frage soll es hier gehen.

Jede Firma nennt in ihrem Firmenprospekt oder im Internet ihre Visionen. Meistens bestehen sie darin, die Kunden glücklicher zu machen als die Konkurrenz und deshalb viel Geld zu verdienen. Auch Politiker haben Visionen, vor allem sonntags. Es ist einfach chic, Visionen zu haben. Und deshalb ist es kein Wunder, dass nüchterne Menschen das Wort gern bissig mit Halluzination übersetzen. "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen", hat der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal über seinen Vorgänger Willy Brandt gesagt.

Überlassen wir den Widerspruch Antoine de Saint-Exupéry. Dem französischen Schriftsteller und Piloten wird die Empfehlung zugeschrieben: "Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, die Holz beschaffen, Werkzeuge vorbereiten, Holz bearbeiten und zusammenfügen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, unendlichen Meer."

Was ist all die Mühe des Studiums und langer Abende im Labor, am Schreibtisch oder in der Werkstatt, wenn man nicht weiß, wohin man eigentlich will? Eine Sehnsucht, ein Ziel, eine Imagination oder eben eine Vision ist nötig, sonst bleibt man im Kleinklein des Forschungsalltags stecken. "Genie ist ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration", hat Thomas Alva Edison gesagt. Dieses eine Prozent, das ist der Wegweiser. Er zeigt nicht nur, wohin es gehen soll, er ist auch unentbehrlich, wenn der Tisch voller einzelner Forschungsergebnisse liegt, die zusammengefügt werden sollen. Dann zeigt sich, ob der Forscher ein inneres Bild von dem hat, was er erforscht. Dann fügen sich ihm die Bausteine zusammen. Und als Wissenschaftler kann er im Labor immer noch prüfen, ob die Vision eine Halluzination oder eine Imagination war.


Kommentare (0)

Apple

Steve Jobs stellt iPad 2 selbst vor

Würde er auftreten oder nicht? „18.57 Uhr, Steve Jobs ist bisher nicht zu sehen“, lautet die Nachricht auf Applenews.de.mehr

Vor dem Spiel gegen Schalke

Cacau bricht Training ab

Können die Spieler des VfB Stuttgart nach dem zweiten Auswärtssieg gegen Eintracht Frankfurt (2:0) auch Schalke 04 bezwingen? mehr
Anzeigen

Stuttgart 21
Alle Infos zum Bahnprojekt
Stuttgart 21 finden Sie hier »
Anzeige



Nachrichten-Ticker
03:09 Juncker: Eurogruppe prüft "Szenario" eines griechischen Ausstiegs »
02:48 Merkel: EU will Wachstum ankurbeln »
01:40 Trittin fordert Einstieg in Euro-Bonds - Drohung mit Fiskalpakt-Veto »
01:40 EU-Gipfel sichert Griechenland weitere Hilfe zu »
01:24 Hewlett-Packard setzt 27 000 Mitarbeiter vor die Tür »
1  2  3  4  5  6  7    weiter
Aktuelle Videos
Anzeige

Ausgewählte Adressen

Sie suchen eine neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
Veranstaltungen

24.05. | Nur noch bis 28. Mai in der Staatsgalerie Stuttgart

Turner – Monet – Twombly. Later Paintings

Drei große Maler im Dialog mehr
Finden Sie
Heute können Sie aus 402 Veranstaltungsterminen auswählen
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten

Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung. Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.