Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Samstag, 04. Februar 2012

Wirtschaft & Finanzen


Fahrkarten Bahn weitet Bedienzuschlag aus

Thomas Wüpper, Berlin, veröffentlicht am 11.10.2009
Die Deutsche Bahn will die Kunden an die Fahrkartenautomaten locken, um Personalkosten und Provisionen einzusparen. Foto: Zweygarth

Berlin - Die Kritik wegen der angekündigten höheren Bahnpreise hält an. Reisebüros beklagen die Ausweitung des Bedienzuschlags durch die Hintertür und fürchten, zunehmend ausgebootet zu werden. Die Bahn weist die Vorwürfe zurück. Im Schnitt werden die Fahrscheine der Deutschen Bahn (DB) ab 13. Dezember zwar moderat um 1,8 Prozent teurer. Zudem wird das Sonderangebot "Dauer spezial" für die einfache Fahrt im Fernverkehr massiv ausgeweitet. Doch gerade diese Strategie stößt beim Verband der Premium-Bahnagenturen auf heftige Kritik. "Durch die Neugestaltung der Sonderangebote setzt die Deutsche Bahn den Bedienzuschlag nun doch auf breiter Front durch", klagt Verbandssprecher Frank Tyzak.


"Alle Preisvergleiche zeigen, dass der Kunde bei der direkten Buchung auf der DB-Seite im Internet oft viel mehr zahlt als bei der sachkundigen Beratung im Reisebüro."
Frank Tyzak, Sprecher Verband der Premium-Bahnagenturen

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Die DB verlangt am Schalter und im Reisebüro für viele Fahrkarten einen Extrazuschlag für die Bedienung, den die Agenturen komplett an den Konzern abführen müssen. So kostete das "Dauer spezial" im Reisebüro schon bisher fünf Euro mehr als am Automaten oder im Internet. Künftig gibt es Spezialtickets auch für Kurzstrecken bis 250 Kilometer (ab 19 Euro) und für Familien (ab 49 Euro). Zudem gibt es 25 Prozent Nachlass, wenn man die Bahncard 25 besitzt, sowie Kinder- und Mitfahrerrabatte. Auch ein Umtausch und eine Erstattung sind erstmals möglich.

Bahn will Verkaufsberatung ausdünnen


"Bis zu 80 Prozent des Fernverkehrs im Inland werden durch die neuen Tarifregeln auf die Spezialtickets umgesteuert", schätzt Tyzak. Dadurch zahlten künftig viel mehr Bahnkunden den Bedienzuschlag, sofern sie noch bei Menschen und nicht bei Automaten kaufen wollten. "So will die DB die Beratung im Verkauf weiter ausdünnen", kritisiert der Verbandsexperte. Aus gutem Grund, lautet sein Verdacht: "Alle Preisvergleiche zeigen, dass der Kunde bei der direkten Buchung auf der DB-Seite im Internet oft viel mehr zahlt als bei der sachkundigen Beratung im Reisebüro." Zudem spare sich der Konzern bei der Direktbuchung die Provision.

Gezielt ausgedünnt würden seit Monaten von der DB die einst heftig beworbenen Sparpreise 25 und 50, bei denen überhaupt kein Bedienzuschlag fällig wird, kritisiert Tyzak weiter. Diese Sparpreise wurden einst mit dem neuen Tarifsystem eingeführt und gelten - anders als die Spezialpreise - für Hin- und Rückfahrt bei Zugbindung. Bei den Sparpreisen gibt es schon lange alle Vergünstigungen wie den Bahncard-Rabatt 25. Anders als bei den Spezialangeboten verlangt die DB bei den Sparpreisen aber keinen Bedienzuschlag.

Das verwirrende Durcheinander hat seine Ursache auch darin, dass der Konzern weder das veränderte Tarifsystem 2003 noch den angekündigten Bedienzuschlag von 2,50 Euro im vorigen Jahr komplett durchsetzen konnte. In beiden Fällen musste der damalige Bahn-Chef Mehdorn nach öffentlichem und politischem Widerstand erheblich zurückrudern. Experten erwarten, dass die DB die Sparpreisangebote bald ganz einstellt. Das stehe "derzeit nicht zur Debatte", sagt dazu ein Bahn-Sprecher. Die Vorwürfe des Agenturverbands seien "Humbug". Die Preisstruktur der DB sei transparent, die Kunden wüssten, dass am Schalter für Spezialtickets fünf Euro extra fällig würden. Daher habe der Konzern die Direktbuchung im Internet besonders einfach gestaltet.


Kommentare (1)
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Wahn-Fried,
16.10.2009
Bahn-Bedienzuschlag unverschämt
Die Bahn-Manager haben schon seit Mehdorn die Bodenhaftung verloren. Wenn sie jetzt bewusst einen erhöhten "Bedien"-Zuschlag erheben wollen, warum nicht auch für das automatische Öffnen der Zugtüren, das Mitnehmen von Gepäck, das Zeitungslesen in den oft versauten Wagen? Vielleicht noch einen Sicherheitszuschlag, damit die Reisenden kein's auf's Maul bekommen?

Leid tun mir die sauschlecht bezahlten Bahn-Mitarbeiter, die für diesen unverschämten Unfug ihrer Spitzenverdienst-Manager dann vor Ort ihr Fett abbekommen. Und die Automaten-Unerfahrenen, die im Verarschungs-Menue der Kartenautomaten das Handtuch werfen müssen.
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