Interview
Zu wenige positive Vorbilder
StZ/StN, veröffentlicht am 18.10.2009
Stuttgart - Hagen Lindstädt leitet das Institut für Unternehmensführung an der Universität Karlsruhe. In einer aktuellen Studie haben er und sein Team den Frauenanteil in TopPositionen in Deutschland untersucht. Und die Daten haben selbst ihn verwundert.
Warum, das wir gefragt.
Frage: Nach Ihrer Studie beträgt die Frauenquote in den Vorständen der 600 wichtigsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands nur 2,4 Prozent. Hätten Sie das erwartet?
Herr Lindstädt: Nein. Wir wurden über unsere Forschung zum Corporate Governance Kodex - in dem Regelwerk des Bunds zur "getreuen und wertorientierten" Unternehmensführung liefern Unternehmen jährlich freiwillig ihre Erklärungen ab - und den Wahlkampf angeregt, eine solche Datenbasis zu schaffen. Meine Eingangsthese war, dass es trotz noch sehr wenigen Frauen im Vorstand einen Trend nach oben gibt. Aber in den vergangenen zehn Jahren ist die Quote gerade mal von 1,2 auf 2,4 Prozent gestiegen. Wenn es so weitergeht, dauert es 400 Jahre, bis wir in den Vorständen einen Anteil von 50 Prozent Frauen haben.
Frage: Haben Sie dafür eine Erklärung?
Herr Lindstädt: Zunächst einmal die Dinge, die nicht allein Gründe dafür sein können, dazu gehören die "old boys", also ältere Manager mit traditionellem Familien- und Frauenbild. Die wurden nun von der Generation jüngerer Manager mit anderem Familienbild ersetzt. Dennoch änderte sich nichts. Auch das Thema Familie und Kinderbetreuung, das endlich von der Politik angegangen wurde, hat die Zahlen nicht verbessert. Nach wie vor gibt es die "gläserne Decke", an die Frauen stoßen.
Frage: Aber woran liegt es dann?
Herr Lindstädt: In anderen Bereichen, etwa Medien oder Rechtsprechung, ist zumindest gefühlt der Frauenanteil größer als in der Industrie. Das hat auch mit Führungskultur und Vorbildern zu tun. Dort, wo schon mehr Frauen sind, rücken auch mehr nach. In der Industrie gibt es noch zu wenige positive Rollenvorbilder von Frauen, die im Aufsichtsrat oder im Vorstand sitzen, auch weniger entsprechende Netzwerke.
Frage: Braucht es doch eine Quote wie in Norwegen?
Herr Lindstädt: Nein. So geraten Frauen unter Generalverdacht, nicht wegen ihrer Fähigkeiten, sondern nur wegen der Quote aufgestiegen zu sein. Auch gibt es Erfahrungen, dass ungewollte Mitglieder im Vorstand oder im Aufsichtsrat von Entscheidungen ausgeschlossen werden, die wahren Entscheidungen nicht auf den großen Sitzungen, sondern im kleinen, erlauchten Kreis im Hinterzimmer getroffen werden. Dann ist nach außen hin die Frauenquote toll, aber die Frauen sind dennoch nicht beteiligt am Prozess. Es geht nicht allein um Gerechtigkeit. Unternehmen müssen sich im Klaren sein, dass sie ohne diese zunehmend sehr hoch qualifizierten Frauen 50 Prozent der Ressourcen ungenutzt lassen.
Frage: Wie sieht Ihre Lösung aus?
Herr Lindstädt: Softe Maßnahmen wie Girls' Days oder Frauenwirtschaftstage sollten weitergeführt werden, sind aber allein nicht wirkungsvoll. Innerhalb des Corporate Governance Kodex gibt es Soll- und Kannvorschriften. Wir schlagen daher vor, in den Sollvorschriften zu verankern, dass börsennotierte Unternehmen jährlich auch ihre Frauenanteile innerhalb der oberen Führungsebenen veröffentlichen. Dadurch wird der soziale Druck und der Druck innerhalb der Firmen erhöht. Denn im Wettbewerb um kluge Frauen wirken Firmen unglaubwürdig, wenn sie keine davon in den Top-Positionen haben. Gute Frauen werden eher zu jenen Unternehmen gehen, die mehr Managerinnen haben.
Warum, das wir gefragt.
Frage: Nach Ihrer Studie beträgt die Frauenquote in den Vorständen der 600 wichtigsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands nur 2,4 Prozent. Hätten Sie das erwartet?
Herr Lindstädt: Nein. Wir wurden über unsere Forschung zum Corporate Governance Kodex - in dem Regelwerk des Bunds zur "getreuen und wertorientierten" Unternehmensführung liefern Unternehmen jährlich freiwillig ihre Erklärungen ab - und den Wahlkampf angeregt, eine solche Datenbasis zu schaffen. Meine Eingangsthese war, dass es trotz noch sehr wenigen Frauen im Vorstand einen Trend nach oben gibt. Aber in den vergangenen zehn Jahren ist die Quote gerade mal von 1,2 auf 2,4 Prozent gestiegen. Wenn es so weitergeht, dauert es 400 Jahre, bis wir in den Vorständen einen Anteil von 50 Prozent Frauen haben.
Frage: Haben Sie dafür eine Erklärung?
Herr Lindstädt: Zunächst einmal die Dinge, die nicht allein Gründe dafür sein können, dazu gehören die "old boys", also ältere Manager mit traditionellem Familien- und Frauenbild. Die wurden nun von der Generation jüngerer Manager mit anderem Familienbild ersetzt. Dennoch änderte sich nichts. Auch das Thema Familie und Kinderbetreuung, das endlich von der Politik angegangen wurde, hat die Zahlen nicht verbessert. Nach wie vor gibt es die "gläserne Decke", an die Frauen stoßen.
Frage: Aber woran liegt es dann?
Herr Lindstädt: In anderen Bereichen, etwa Medien oder Rechtsprechung, ist zumindest gefühlt der Frauenanteil größer als in der Industrie. Das hat auch mit Führungskultur und Vorbildern zu tun. Dort, wo schon mehr Frauen sind, rücken auch mehr nach. In der Industrie gibt es noch zu wenige positive Rollenvorbilder von Frauen, die im Aufsichtsrat oder im Vorstand sitzen, auch weniger entsprechende Netzwerke.
Frage: Braucht es doch eine Quote wie in Norwegen?
Herr Lindstädt: Nein. So geraten Frauen unter Generalverdacht, nicht wegen ihrer Fähigkeiten, sondern nur wegen der Quote aufgestiegen zu sein. Auch gibt es Erfahrungen, dass ungewollte Mitglieder im Vorstand oder im Aufsichtsrat von Entscheidungen ausgeschlossen werden, die wahren Entscheidungen nicht auf den großen Sitzungen, sondern im kleinen, erlauchten Kreis im Hinterzimmer getroffen werden. Dann ist nach außen hin die Frauenquote toll, aber die Frauen sind dennoch nicht beteiligt am Prozess. Es geht nicht allein um Gerechtigkeit. Unternehmen müssen sich im Klaren sein, dass sie ohne diese zunehmend sehr hoch qualifizierten Frauen 50 Prozent der Ressourcen ungenutzt lassen.
Frage: Wie sieht Ihre Lösung aus?
Herr Lindstädt: Softe Maßnahmen wie Girls' Days oder Frauenwirtschaftstage sollten weitergeführt werden, sind aber allein nicht wirkungsvoll. Innerhalb des Corporate Governance Kodex gibt es Soll- und Kannvorschriften. Wir schlagen daher vor, in den Sollvorschriften zu verankern, dass börsennotierte Unternehmen jährlich auch ihre Frauenanteile innerhalb der oberen Führungsebenen veröffentlichen. Dadurch wird der soziale Druck und der Druck innerhalb der Firmen erhöht. Denn im Wettbewerb um kluge Frauen wirken Firmen unglaubwürdig, wenn sie keine davon in den Top-Positionen haben. Gute Frauen werden eher zu jenen Unternehmen gehen, die mehr Managerinnen haben.
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