Die Stadt behält den zweiten Bücherbus

Artikel aus der vom 19.10.2009

Noch ist es nicht offiziell. Aber alles deutet darauf hin, dass die Streichung des Bücherbusses Moritz einer der ersten Sparpläne der Verwaltung ist, der vom Gemeinderat gekippt wird. "Es sieht danach aus, als sei der Bücherbus gerettet", sagt die Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann. Von den Fraktionen habe sie entsprechende Signale bekommen. "Die Menge an Unterschriften, die von Bürgern gesammelt wurden, haben nicht nur mich beeindruckt", sagt sie.

Diese sind jedoch nicht der Grund, dass die Grünen den Bücherbus erhalten wollen. "Wir bleiben bei der Meinung, die wir schon vor einem Monat hatten", sagt Werner Wölfle, der Vorsitzende der größten Fraktion im Gemeinderat. Mitte September jedenfalls, als er das erste Mal von dem Sparplan hörte, war er sich sicher, dass dieser Punkt in dem Doppelhaushalt für 2010 und 2011 fehlen würde. Am Freitag reichten die Grünen einen entsprechenden Antrag bei der Verwaltung ein.

Inzwischen spricht sich auch Wölfles Kollege von der CDU, Fred-Jürgen Stradinger, für den Erhalt der Bücherei auf Rädern im derzeitigen Umfang aus. "Es ist kein Geheimnis. Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass wir die Bücherbusse weiterfahren lassen", sagt der Vorsitzende der zweitgrößten Gemeinderatsfraktion. "Damit verbinde ich auch ein Stück Bildung. Und das ist uns ein wichtiges Anliegen." Am Wochenende haben die Christdemokraten die Sparvorschläge der Verwaltung geprüft und mehrere Anträge formuliert. "Und mit einem Antrag für den Bücherbus ist am Dienstag zu rechnen", sagt er.

Zusammen haben die Grünen und die CDU eine Mehrheit im Gemeinderat. Sie kommen auf 31 von 60 Sitzen. Zudem setzt sich die Fraktionsgemeinschaft von SÖS und Linke für die Busse ein.

Ursprünglich hatte die Stadt geplant, wegen der desolaten Haushaltslage einen der beiden Max und Moritz genannten Bücherbusse abzuschaffen. Diese fahren die Stadtbezirke an, die keine eigene Bücherei haben. Im Verbreitungsgebiet des BLICK VOM FERNSEHTURM halten sie an sechs Stellen. Pro Jahr werden in der Fahrbücherei 280 000 Bücher, CDs und DVDs ausgeliehen.

Doch was einst als unentbehrlich angesehen wurde, galt plötzlich als entbehrlich - verewigt auf einer Giftliste der Verwaltung. Auf der unter anderem auch Moritz stand. Wäre er abgeschafft worden, hätte das Stadtsäckel jährlich um rund 190 000 Euro entlastet werden können. Die besondere Ironie dabei: Erst vor zweieinhalb Wochen war der in die Jahre gekommene Bücherbus Max für 450 000 Euro durch einen neuen ersetzt worden. Beschlossen wurde diese Anschaffung aber bereits vor zwei Jahren, als die Stadtkasse noch gefüllt war.

Kein anderer Sparplan der Stadt hat in den vergangenen fünf Wochen mehr Proteste ausgelöst. In Asemwald, Sillenbuch, Giebel und Hausen sammelten Initiativen Unterschriften. Die Elternbeiratsvorsitzenden aller Weilimdorfer Schulen schickten einen offenen Brief an die Kulturbürgermeisterin Eisenmann. 200 Schüler, Eltern und Lehrer der Steinbachschule in Büsnau schwenkten selbst gebastelte Plakate, als der Bücherbus bei ihnen Halt machte. Die Bezirksbeiräte von Sillenbuch sowie Plieningen und Birkach forderten einstimmig, Moritz nicht abzuschaffen.

Als besonders emsig erwies sich Stefanie Rottmeier. Mit Gleichgesinnten sammelte sie in Sillenbuch fast 1000 Unterschriften. "Ich bin erleichtert. Es hätte mich sehr geärgert, wenn es anders gekommen wäre", sagt die Elternbeirätin der deutsch-französischen Grundschule. "Unser Engagement hat sich damit ausgezahlt."
 
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