(500) Days of Summer

Wenn die Frau fürs Leben doch nicht kommt

Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 22.10.2009
Filmbeschreibung
Jeder Mensch findet, wenn er ein paar Hiebe, Knüffe und Ausrutscher nicht scheut, irgendwann das große Liebesglück, verspricht uns das Kino in seinen romantischen Komödien. Aber kann sich diese Zusage auch auf einen Mann erstrecken, der Ringo Starr für den interessantesten der Beatles hält? Marc Webbs Komödie "(500) Days of Summer" wagt den Härtetest. Und scheint uns das bittere Ergebnis gleich anfangs zu präsentieren. Der kleine Grußkartentexter Tom Hansen (Joseph Gordon-Levitt) hat die Frau fürs Leben gefunden, Summer (Zooey Deschanel). Er liebt sie innig. Sie macht zwar mal einen Flirt mit, mag kosige Stunden, freut sich manchmal auf Tom, aber sie liebt ihn nicht. Sie glaubt überhaupt nicht ans Konzept des einen, absolut richtigen Partners und der ewigen Bindung. Ihr wird schnell alles zu viel, zu eng, zu gängelig.

Das erfahren wir, als die Beziehung schon gescheitert ist. Wir sehen einen kreuzunglücklichen, verhärmten, ja, beinahe granathagelgeschockten Tom. Wirkungsvoll beginnt der Film in der Zeit hin- und herzuspringen, zeigt uns selige und katastrophale, hoffnungsvolle und niederschmetternde Tage aus Toms neuem Leben mit der Unerreichbaren. Und wir dürfen miträtseln, wie es von der einen Phase zur anderen gekommen ist und wo das alles noch hinführen soll.

"(500) Days of Summer" ist eine schlaue und stilwillige Komödie. Sie zeigt uns die Stadt im Wechsel der Jahreszeiten und Stimmungen als wandelbaren, ja als fast fiktiven Ort. Die Kamera behält zwar Tom von außen im Auge, aber sie zeigt uns die Welt so, wie dieser Unglücksrabe sie empfindet. Die soziale Wirklichkeit tritt hier zurück. Wir können nicht einmal die Epoche benennen, in der das spielt. Stilelemente diverser Jahrzehnte werden zu einer stimmigen Kunstwelt arrangiert. Aber vielleicht entsteht so gar keine Kunstwelt. Vielleicht zeigen die Bilder nur genau, dass wir alle in unseren Vorstellungen und Konzepten leben und auf die Welt projizieren, was uns gefällt oder quält.

Webb setzt in seinem Spielfilmdebüt nicht auf grelle Kontraste oder subversive Unwirklichkeit, wie wir sie von Spike Jonze ("Being John Malkovich") kennen. Er gibt uns vor allem das Gefühl von Kontinuität im Wechsel und stellt sich mit seiner Betonung der Jahreszeiten ganz kitschfrei in die Tradition des alten Hollywood. Bessere Zeiten, tröstet er, kommen so sicher wie der nächste Frühling. Und macht sich doch mit Szenen von Toms Arbeit über das Klopfen von Trostsprüchen lustig.
 
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