Gourmetmensa Prosecco und Scampi statt Mensa
Matthias Ring, veröffentlicht am 30.10.2009
Stuttgart - Seit gut einem Jahr weht ein frischer Wind in der Speisemeisterei. Im Oktober 2008 ist Frank Oehler in die großen Fußstapfen des ehemaligen Zweisternekochs Martin Öxle getreten und macht seitdem einiges anders. War in der Öxle-Ära manches ein wenig steif, so lockerte Oehler die hochherrschaftlichen Räume auf und hat sie am Donnerstag auch für diejenigen geöffnet, die in der unmittelbaren Nachbarschaft an der Uni Hohenheim fürs Leben lernen. "Studenten Mittagstisch" heißt die Aktion, die gut ankommt.
"Studentischer trifft auf kulinarischen Geist", sagt Oehler, der den Studenten für zehn Euro ein erlesenes Tellergericht anbietet. Im Preis enthalten sind ein Prosecco vorneweg sowie Wasser und Saft. Weil die erste Studentenaktion im Juli auf der Terrasse so gut angenommen wurde, hat er am Donnerstag im Inneren der Speisemeisterei gleich zwei Schichten verköstigt - zwei mal 80 Studenten durften so für einen Tag der Mensa den Rücken kehren. Dort waren übrigens Pasta Carbonara (2,25 Euro), schwäbischer Linsenteller (2,50 Euro) und Putengeschnetzeltes asiatischer Art (2,70Euro) im Angebot.
Auch der Spitzenkoch stellte drei Gerichte zur Auswahl, die sich allerdings etwas anders lesen: Tranche vom Lachs mit Scampirostbratwurst auf Paprikakürbis, Reisstick und grünem Thaicurry etwa. Andreas Kemmner, Student der Wirtschaftswissenschaften, ist ein Kenner und sagt: "Hervorragend die Zusammenstellung verschiedener Aromen." Klar, dass er sich das Angebot nicht entgehen lassen wollte.
Auch Janina Franziskus ist eine Kennerin - vor allem der anderen Seite, arbeitete die Studentin der Wirtschaftspädagogik doch schon im hochklassigen Cateringservice. Ihr Urteil fällt ebenso positiv aus wie das ihrer Tischnachbarin Anne-Cristine Brand, die mit ihren Eltern immerhin schon mal in der Wielandshöhe war. Und das Urteil der beiden über die Mensa: "Geht gar nicht", weswegen sie sich sonst lieber selbst versorgen. Etwas gnädiger äußert sich die angehende Ernährungswissenschaftlerin Sonja Beldermann über das günstige Mensaessen: "Man weiß immer, was man essen kann, aber natürlich ist es längst nicht so gut. Dafür sind die Portionen größer", was vor allem männliche Kommilitonen unterstreichen.
Künftig will Frank Oehler einmal im Monat einen Studententag einrichten, auch wenn dies eine "Non-profit-Aktion" sei. Generell seien die Zeiten für die Spitzengastronomie schwierig. Mit großem Gewinn könne er nicht rechnen, aber für ihn sei das Wichtigste, seine 18 Mitarbeiter bezahlen zu können. Auch außerhalb der Speisemeisterei ist der gebürtige Allgäuer aktiv. Seit kurzem ist er einer der "Kochprofis" auf RTL2, mit bis zu 1,6 Millionen Zuschauern. Das bedeutet aber auch Arbeit an den zwei Ruhetagen. Außerdem Oehler demnächst in den Bordrestaurants der Deutschen Bahn vertreten.
Das Zehn-Euro-Angebot für die Studenten soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ein Abendmenü bei Oehler, der für seine Experimentierfreudigkeit bekannt ist, ab 70 Euro gibt. Die Speisemeisterei hat inzwischen gute Besprechungen zu verzeichnen, etwa vom "Feinschmecker" oder der "Gault Millau"-Baden-Württemberg-Ausgabe, in der sie mit 15 Punkten knapp unter der Wielandshöhe und auf Augenhöhe mit dem Sternerestaurant Top Air ist. Bald erscheint die Deutschlandausgabe, gefolgt vom "Guide Michelin". Dreimal hat Oehler schon einen Stern erkocht - doch die Toptester geben den Spitzenköchen gewöhnlich mehr als ein Jahr Zeit, sich zu beweisen.
"Hervorragend die Zusammenstellung der verschiedenen Aromen"
Frank Kemmer, Student an der Uni Hohenheim
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Auch der Spitzenkoch stellte drei Gerichte zur Auswahl, die sich allerdings etwas anders lesen: Tranche vom Lachs mit Scampirostbratwurst auf Paprikakürbis, Reisstick und grünem Thaicurry etwa. Andreas Kemmner, Student der Wirtschaftswissenschaften, ist ein Kenner und sagt: "Hervorragend die Zusammenstellung verschiedener Aromen." Klar, dass er sich das Angebot nicht entgehen lassen wollte.
Michelin-Sterne sprechen für Öhler
Auch Janina Franziskus ist eine Kennerin - vor allem der anderen Seite, arbeitete die Studentin der Wirtschaftspädagogik doch schon im hochklassigen Cateringservice. Ihr Urteil fällt ebenso positiv aus wie das ihrer Tischnachbarin Anne-Cristine Brand, die mit ihren Eltern immerhin schon mal in der Wielandshöhe war. Und das Urteil der beiden über die Mensa: "Geht gar nicht", weswegen sie sich sonst lieber selbst versorgen. Etwas gnädiger äußert sich die angehende Ernährungswissenschaftlerin Sonja Beldermann über das günstige Mensaessen: "Man weiß immer, was man essen kann, aber natürlich ist es längst nicht so gut. Dafür sind die Portionen größer", was vor allem männliche Kommilitonen unterstreichen.
Künftig will Frank Oehler einmal im Monat einen Studententag einrichten, auch wenn dies eine "Non-profit-Aktion" sei. Generell seien die Zeiten für die Spitzengastronomie schwierig. Mit großem Gewinn könne er nicht rechnen, aber für ihn sei das Wichtigste, seine 18 Mitarbeiter bezahlen zu können. Auch außerhalb der Speisemeisterei ist der gebürtige Allgäuer aktiv. Seit kurzem ist er einer der "Kochprofis" auf RTL2, mit bis zu 1,6 Millionen Zuschauern. Das bedeutet aber auch Arbeit an den zwei Ruhetagen. Außerdem Oehler demnächst in den Bordrestaurants der Deutschen Bahn vertreten.
Das Zehn-Euro-Angebot für die Studenten soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ein Abendmenü bei Oehler, der für seine Experimentierfreudigkeit bekannt ist, ab 70 Euro gibt. Die Speisemeisterei hat inzwischen gute Besprechungen zu verzeichnen, etwa vom "Feinschmecker" oder der "Gault Millau"-Baden-Württemberg-Ausgabe, in der sie mit 15 Punkten knapp unter der Wielandshöhe und auf Augenhöhe mit dem Sternerestaurant Top Air ist. Bald erscheint die Deutschlandausgabe, gefolgt vom "Guide Michelin". Dreimal hat Oehler schon einen Stern erkocht - doch die Toptester geben den Spitzenköchen gewöhnlich mehr als ein Jahr Zeit, sich zu beweisen.
Kommentare (1)
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Alexander,
31.10.2009
Oehler, der "Sterne"-Koch
Die Formulierung "Dreimal hat Oehler schon einen Stern erkocht" ist süß. Realistischer wäre jedoch die Aussage, "dreimal hat Oehler schon seinen Stern verloren", oder nicht?
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