Mexiko
Der Traum vom Hotel California
Tom Noga, veröffentlicht am 10.11.2009
"Ich nahm eine zwölfsaitige Akustikgitarre zur Hand und begann gedankenverloren darauf herumzuzupfen", schreibt Don Felder in seiner Autobiografie "Mein Leben mit den Eagles". Ein Blick aufs Meer, eine Prise Salzluft in der Nase – schon hat er eine lässige Melodie aus dem Ärmel geschüttelt. Ein paar Tage später spielt er sie den "Göttern" vor, wie Schlagzeuger Don Henley und Glenn Frey, der andere Gitarrist, gruppenintern genannt wurden. Frey murmelt, das Lied könne vom kalifornischen Traum handeln, was Henley zu einer Textzeile inspiriert: "what a lovely place".
Diesen schönen Ort aus Don Henleys Phantasie soll es wirklich geben. Auf Baja California, der mexikanischen Halbinsel, die wie ein ausgestreckter Finger in den Pazifik ragt. Knapp 1800 Kilometer sind es von Tijuana oben an der Grenze zu den USA bis nach Los Cabos, dem Urlaubsort aus der Retorte unten an der Kuppe. Knapp 1800 einsame Wüstenkilometer und immer das gleiche Bild: links schroffe Bergspitzen, rechts der Pazifik, dazwischen ein Meer aus Kakteen. Ein kühler Wind streicht durchs Haar. Nur der süßliche Marihuanaduft fehlt, warm smell of colitas, wie es im Song "Hotel California" heißt. Die Zeiten sind andere. Eine Autostunde vor Los Cabos zweigt eine staubige Wüstenstraße ab nach Todos Santos, einer Mischung aus Künstlerdorf und Hippie-Oase.
Debbie Stewart empfängt in der Lobby des Hotels California. Über ihr ein bunter Kandelaber, an den Wänden Kunst, zumeist Landschaftsbilder, ab und an etwas Abstraktes. Die Glocke der Missionskirche nebenan läutet – wie im Song der Eagles. Nicht die einzige Paralelle, flötet Debbie. Vom Dach des Patio trompeten vier Figuren aus Eisen herunter, eine stilisierte Mariachi-Kapelle, wie man sie oft sieht in Baja California. Mit viel Wohlwollen kann man in ihnen die Geister sehen, die im Song der Eagles im Innenhof tanzen.
Ja, die Eagles. "Alle Welt glaubt, sie seien einmal hier gewesen", sagt Debbie Stewart. "Und wer weiß, vielleicht trifft das ja auf einen von ihnen zu. Die Leute fragen mich: ,Wo sind die Eagles?’ Warum gibt’s keine CDs zu kaufen?" Gute Fragen. Aber viel lieber wüsste man, warum dieses Hotel California ganz anders aussieht als auf der Plattenhülle. Ein nüchterner, karmesinroter Adobebau, kastenförmig mit überdachten Balkonen, aber ohne Türmchen drauf und Palmen drum herum. Natürlich, Rock-Fans wissen, dass auf dem Cover das noble Beverly Wilshire Hotel in Los Angeles abgebildet ist. Und auch Debbie Stewart irritiert: Sie trägt Business-Look: Bluse, enger Rock, halbhohe Pumps – alles in beige. Nicht eben die Hippiefrau, die man erwartet hätte.
"Ich? Ein Hippie?" Gespieltes Entsetzen. "War ich nie! Ich war immer eine normale verheiratete Frau. Ich wusste nichts über Musik, die Eagles, das Album ,Hotel California’ und all das." Kaum zu glauben, warum sonst hätte sie das Hotel vor sieben Jahren mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann übernehmen und aufwändig restaurieren sollen? "Das war eine Wette auf die Zukunft", erklärt sie. In Los Cabos boomte der Tourismus – nur eine Frage der Zeit, bis für Todos Santos und das Hotel California ein Stück vom Kuchen abfiel. Ihr Kalkül scheint aufgegangen zu sein. Im Restaurant sind alle Tische belegt. Hier wird Englisch gesprochen. Von Leuten in Shorts, Turnschuhen und T-Shirts, deren Aufdrucke vom letzten oder vorletzten Urlaub erzählen: Bahamas, Dominikanische Republik, Costa Rica. Und aus den Boxen klingt – na was wohl?
Auch vor dem Hotel California schieben sich Touristen vorbei. "Man kann die Uhr nach ihnen stellen", sagt Howard Ekman, ein kleiner drahtiger Mann mit Glatze. "Zwischen sieben und acht Uhr morgens gehen die Kreuzfahrtschiffe in Los Cabios vor Anker, ab zehn wird es voll in Todos Santos."
Als Howard Ekman sich in Todos Santos niederließ, war dies ein weltvergessenes Kaff mit knapp 4000 Einwohnern, davon 50 bis 60 Gringos, Einwanderer aus den USA, zumeist Hippies oder Surfer. Telefon, Internet und sonstigen Schickschnack gab es nicht. Heute hat sich die Einwohnerzahl verdoppelt, die Gringos machen fast die Hälfte der Bevölkerung aus. Die Hauptstraße vor dem Hotel California ist asphaltiert, der Mittelstreifen bepflanzt. In der Ladenzeile gegenüber haben sich Souvenir-Shops niedergelassen. Nach rechts, den Hang hinunter schließen sich Galerien an, bergauf ebenso. In den Schaufenstern hängen Landschaften und Sonnenuntergänge – keine große Kunst, die hier verkauft wird. In Todos Santos gibt Howard Ekman ein Anzeigenblatt heraus. Es läuft gut, sagt er, es wartet nur auf jemanden, der bereit ist, mehr zu arbeiten. Ein spitzbübisches Lächeln – er wird das nicht sein. Er zieht ein paar Fotos aus seiner Tasche. Das Hotel California vor 20, 25 Jahren: "Eine richtige Absteige war das", erzählt Howard, kaum ein Lichtschalter oder eine Steckdose habe funktioniert.
"Wir tranken Champagner wie Wasser und schnupften Kokain, dass es beinahe gereicht hätte, ein kleines Land in der Dritten Welt zu finanzieren", erinnert sich Eagles-Gitarrist Don Felder in seiner Autobiografie. "Wir übertrafen uns gegenseitig darin, welchen Luxus wir uns in unseren Hotelzimmern gönnten, nur um die anderen zu ärgern." Kaum vorstellbar, dass diese zerstrittenen, von Ehrgeiz zerfressenen Neureichen hier übernachtet haben sollen.
Haben sie auch nicht, sagt Howard Ekman und kramt die Kopie eines Faxes hervor. Darin versichert Schlagzeuger Don Henley, nie in Todos Santos gewesen zu sein. Und mit dem Lied soll dieses Hotel California nichts zu tun haben.
Howard Ekman grinst. Seine Recherchen haben ergeben, dass ein Makler das Gerücht in den 80er Jahren in die Welt gesetzt hat, um den Tourismus anzukurbeln. Und Manuel Valdez, der ehemalige Betreiber des Hotels, hat es weiter gesponnen. "Er hat mir erzählt, dass er persönlich die Eagles beherbergt und seine Frau sie bekocht habe."
Im Souvenir-Shop gegenüber drängt sich die Kundschaft. Es gibt Shirts, Tassen, Becher, Kugelschreiber und allerlei Andenken mehr. Auf der Hälfte der Artikel prangt das Logo "Hotel California", auf der anderen steht "Tequila Sunrise" – auch das ist ein Song der Eagles. Und mittendrin Manuel Valdez. Er steckt in Klamotten eines Designers, der sein Logo viel zu groß auf die Kleidung druckt, ein großer, massiger Mann, unrasiert mit schwarzen kurzen Haaren und listigen Augen. "Die Marken Hotel California und Tequila Sunrise haben wir auf uns registrieren lassen", sagt er mit wichtiger Miene.
Vier Mädchen schlendern herein, Amerikanerinnen. Ob er Manuel sei, sie hätten gehört, dass er die besten Bloody Marys in ganz Todos Santos mixt. "Kommt drauf an, wie scharf ihr seid", antwortet Manuel und komplimentiert sie in die Bar nebenan. Die heißt Tequila Sunrise und gehört ihm auch. Mit großer Geste mixt er die Drinks und gibt in Abwandlung der Rezeptur ein paar Schuss Damiana, ein südkalifornischer Malvenlikör, hinzu. "Con personalidad", raunt Manuel beim Servieren, ein Drink mit Persönlichkeit.
Bei den Mädchen kommt sein rustikaler Charme an. Manuel Valdez plustert sich noch ein bisschen mehr auf. Seit 26 Jahren lebt er in Todos Santos. "Als ich herkam, war ich wie viele junge Leute, ich hatte eine ganze Welt vor mir und Schwierigkeiten, mich anzupassen. Heute verspürte ich Dankbarkeit, dass dieser ehrwürdige Ort mich akzeptiert hat." Bleibt die Frage nach dem angeblichen Besuch der Eagles. Manuel Valdez windet sich: "Dazu möchte ich mich lieber nicht äußern."
Abends in der Bar des Hotel California. Alle Läden sind geschlossen, die Touristen längst auf dem Weg nach Los Cabos. Übernachtungsgäste? Fehlanzeige. Howard Ekman schaut auf ein Bier vorbei. Was er sieht, gefällt ihm: "Dies ist und bleibt ein ruhiges Städtchen, wo um zehn alles schließt." Und je später der Abend, desto mehr Einheimische machen sich an der Theke breit – als hätten sie darauf gewartet, dass die Touristen verschwinden. Ein großer Mann, ganz in schwarz, mit Gaucho-Hut und Dreitagebart, bestellt einen Damiana. Der Künstler Gabo, eine Ausnahme-Erscheinung in der Kunstszene von Todos Santos. Der Mexikaner malt seine abstrakten Gemälde nicht für die übliche Laufkundschaft. Vermutlich deshalb strahlt sein Ruf weit über Todos Santos hinaus.
Die Eagles? Gabo nippt an seinem Damiana und holt Luft. Genau hier hat er vor vielen Jahren mit einem Freund gesessen, einem verrückten Kerl. "Ich war dabei, als er die Geschichte erfand und als er Manuel Valdez davon erzählte. So nahmen die Dinge ihren Lauf, und heute ist das bereits eine Legende." So kann man das natürlich sehen: Die Geschichte von den Eagles und dem Hotel California als volkstümliche Überlieferung. Oder wie Don Felder es in seiner Autobiografie ausdrückt: "Das Hotel California ist immer das, was man darin sehen möchte." Gabo nickt: "Wir alle wissen, dass unser Hotel California nicht das aus dem Lied ist. Aber insgeheim möchten wir lieber das Gegenteil glauben. Deshalb ist diese Lüge zur Wahrheit geworden."
Info: Anreise: Die Flughäfen San José del Cabo La Paz in Baja California werden von verschiedenen Fluglinien von Berlin über Mexico City, Los Angeles oder Houston angeflogen – ab 900 Euro. Der einfache Flug von Mexico City mit Mexicana kostet 85 Euro, hin und zurück 145 Euro. Von San José del Cabo fährt man knapp eineinhalb Stunden nach Todos Santos, von La Paz eine Stunde. Ein Mittelklassemietwagen ist an beiden Flughäfen ab 278 Euro pro Woche zu haben.
Übernachten: Hotel California, aufwändig restauriertes und mit viel Liebe zum Detail eingerichtetes Hotel. DZ ab 90 Euro exklusive Frühstück; Calle Juarez, Todos Santos, Baja California Sur, Mexico, Tel. 00 52 / 612 / 145 / 05 25, www.hotelcaliforniabaja.com; Posada La Poza, an einer Lagune direkt am Strand gelegenes Luxus-Resort mit wunderschönem Garten, großen Zimmern und ausgezeichneter Küche. DZ inklusive Frühstück ab 150 Euro. Posada La Poza, Col. La Poza, A.P. 10, Todos Santos, B.C.S. 23305, México, Tel. 00 52 / 612 / 145 / 04 00, www.lapoza.com.
Allgemeine Auskünfte: Mexikanisches Fremdenverkehrsbüro, Telefon 069 / 25 35 09, www.visitmexico.com.
Diesen schönen Ort aus Don Henleys Phantasie soll es wirklich geben. Auf Baja California, der mexikanischen Halbinsel, die wie ein ausgestreckter Finger in den Pazifik ragt. Knapp 1800 Kilometer sind es von Tijuana oben an der Grenze zu den USA bis nach Los Cabos, dem Urlaubsort aus der Retorte unten an der Kuppe. Knapp 1800 einsame Wüstenkilometer und immer das gleiche Bild: links schroffe Bergspitzen, rechts der Pazifik, dazwischen ein Meer aus Kakteen. Ein kühler Wind streicht durchs Haar. Nur der süßliche Marihuanaduft fehlt, warm smell of colitas, wie es im Song "Hotel California" heißt. Die Zeiten sind andere. Eine Autostunde vor Los Cabos zweigt eine staubige Wüstenstraße ab nach Todos Santos, einer Mischung aus Künstlerdorf und Hippie-Oase.
Debbie Stewart empfängt in der Lobby des Hotels California. Über ihr ein bunter Kandelaber, an den Wänden Kunst, zumeist Landschaftsbilder, ab und an etwas Abstraktes. Die Glocke der Missionskirche nebenan läutet – wie im Song der Eagles. Nicht die einzige Paralelle, flötet Debbie. Vom Dach des Patio trompeten vier Figuren aus Eisen herunter, eine stilisierte Mariachi-Kapelle, wie man sie oft sieht in Baja California. Mit viel Wohlwollen kann man in ihnen die Geister sehen, die im Song der Eagles im Innenhof tanzen.
Ja, die Eagles. "Alle Welt glaubt, sie seien einmal hier gewesen", sagt Debbie Stewart. "Und wer weiß, vielleicht trifft das ja auf einen von ihnen zu. Die Leute fragen mich: ,Wo sind die Eagles?’ Warum gibt’s keine CDs zu kaufen?" Gute Fragen. Aber viel lieber wüsste man, warum dieses Hotel California ganz anders aussieht als auf der Plattenhülle. Ein nüchterner, karmesinroter Adobebau, kastenförmig mit überdachten Balkonen, aber ohne Türmchen drauf und Palmen drum herum. Natürlich, Rock-Fans wissen, dass auf dem Cover das noble Beverly Wilshire Hotel in Los Angeles abgebildet ist. Und auch Debbie Stewart irritiert: Sie trägt Business-Look: Bluse, enger Rock, halbhohe Pumps – alles in beige. Nicht eben die Hippiefrau, die man erwartet hätte.
"Ich? Ein Hippie?" Gespieltes Entsetzen. "War ich nie! Ich war immer eine normale verheiratete Frau. Ich wusste nichts über Musik, die Eagles, das Album ,Hotel California’ und all das." Kaum zu glauben, warum sonst hätte sie das Hotel vor sieben Jahren mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann übernehmen und aufwändig restaurieren sollen? "Das war eine Wette auf die Zukunft", erklärt sie. In Los Cabos boomte der Tourismus – nur eine Frage der Zeit, bis für Todos Santos und das Hotel California ein Stück vom Kuchen abfiel. Ihr Kalkül scheint aufgegangen zu sein. Im Restaurant sind alle Tische belegt. Hier wird Englisch gesprochen. Von Leuten in Shorts, Turnschuhen und T-Shirts, deren Aufdrucke vom letzten oder vorletzten Urlaub erzählen: Bahamas, Dominikanische Republik, Costa Rica. Und aus den Boxen klingt – na was wohl?
Auch vor dem Hotel California schieben sich Touristen vorbei. "Man kann die Uhr nach ihnen stellen", sagt Howard Ekman, ein kleiner drahtiger Mann mit Glatze. "Zwischen sieben und acht Uhr morgens gehen die Kreuzfahrtschiffe in Los Cabios vor Anker, ab zehn wird es voll in Todos Santos."
Als Howard Ekman sich in Todos Santos niederließ, war dies ein weltvergessenes Kaff mit knapp 4000 Einwohnern, davon 50 bis 60 Gringos, Einwanderer aus den USA, zumeist Hippies oder Surfer. Telefon, Internet und sonstigen Schickschnack gab es nicht. Heute hat sich die Einwohnerzahl verdoppelt, die Gringos machen fast die Hälfte der Bevölkerung aus. Die Hauptstraße vor dem Hotel California ist asphaltiert, der Mittelstreifen bepflanzt. In der Ladenzeile gegenüber haben sich Souvenir-Shops niedergelassen. Nach rechts, den Hang hinunter schließen sich Galerien an, bergauf ebenso. In den Schaufenstern hängen Landschaften und Sonnenuntergänge – keine große Kunst, die hier verkauft wird. In Todos Santos gibt Howard Ekman ein Anzeigenblatt heraus. Es läuft gut, sagt er, es wartet nur auf jemanden, der bereit ist, mehr zu arbeiten. Ein spitzbübisches Lächeln – er wird das nicht sein. Er zieht ein paar Fotos aus seiner Tasche. Das Hotel California vor 20, 25 Jahren: "Eine richtige Absteige war das", erzählt Howard, kaum ein Lichtschalter oder eine Steckdose habe funktioniert.
"Wir tranken Champagner wie Wasser und schnupften Kokain, dass es beinahe gereicht hätte, ein kleines Land in der Dritten Welt zu finanzieren", erinnert sich Eagles-Gitarrist Don Felder in seiner Autobiografie. "Wir übertrafen uns gegenseitig darin, welchen Luxus wir uns in unseren Hotelzimmern gönnten, nur um die anderen zu ärgern." Kaum vorstellbar, dass diese zerstrittenen, von Ehrgeiz zerfressenen Neureichen hier übernachtet haben sollen.
Haben sie auch nicht, sagt Howard Ekman und kramt die Kopie eines Faxes hervor. Darin versichert Schlagzeuger Don Henley, nie in Todos Santos gewesen zu sein. Und mit dem Lied soll dieses Hotel California nichts zu tun haben.
Howard Ekman grinst. Seine Recherchen haben ergeben, dass ein Makler das Gerücht in den 80er Jahren in die Welt gesetzt hat, um den Tourismus anzukurbeln. Und Manuel Valdez, der ehemalige Betreiber des Hotels, hat es weiter gesponnen. "Er hat mir erzählt, dass er persönlich die Eagles beherbergt und seine Frau sie bekocht habe."
Im Souvenir-Shop gegenüber drängt sich die Kundschaft. Es gibt Shirts, Tassen, Becher, Kugelschreiber und allerlei Andenken mehr. Auf der Hälfte der Artikel prangt das Logo "Hotel California", auf der anderen steht "Tequila Sunrise" – auch das ist ein Song der Eagles. Und mittendrin Manuel Valdez. Er steckt in Klamotten eines Designers, der sein Logo viel zu groß auf die Kleidung druckt, ein großer, massiger Mann, unrasiert mit schwarzen kurzen Haaren und listigen Augen. "Die Marken Hotel California und Tequila Sunrise haben wir auf uns registrieren lassen", sagt er mit wichtiger Miene.
Vier Mädchen schlendern herein, Amerikanerinnen. Ob er Manuel sei, sie hätten gehört, dass er die besten Bloody Marys in ganz Todos Santos mixt. "Kommt drauf an, wie scharf ihr seid", antwortet Manuel und komplimentiert sie in die Bar nebenan. Die heißt Tequila Sunrise und gehört ihm auch. Mit großer Geste mixt er die Drinks und gibt in Abwandlung der Rezeptur ein paar Schuss Damiana, ein südkalifornischer Malvenlikör, hinzu. "Con personalidad", raunt Manuel beim Servieren, ein Drink mit Persönlichkeit.
Bei den Mädchen kommt sein rustikaler Charme an. Manuel Valdez plustert sich noch ein bisschen mehr auf. Seit 26 Jahren lebt er in Todos Santos. "Als ich herkam, war ich wie viele junge Leute, ich hatte eine ganze Welt vor mir und Schwierigkeiten, mich anzupassen. Heute verspürte ich Dankbarkeit, dass dieser ehrwürdige Ort mich akzeptiert hat." Bleibt die Frage nach dem angeblichen Besuch der Eagles. Manuel Valdez windet sich: "Dazu möchte ich mich lieber nicht äußern."
Abends in der Bar des Hotel California. Alle Läden sind geschlossen, die Touristen längst auf dem Weg nach Los Cabos. Übernachtungsgäste? Fehlanzeige. Howard Ekman schaut auf ein Bier vorbei. Was er sieht, gefällt ihm: "Dies ist und bleibt ein ruhiges Städtchen, wo um zehn alles schließt." Und je später der Abend, desto mehr Einheimische machen sich an der Theke breit – als hätten sie darauf gewartet, dass die Touristen verschwinden. Ein großer Mann, ganz in schwarz, mit Gaucho-Hut und Dreitagebart, bestellt einen Damiana. Der Künstler Gabo, eine Ausnahme-Erscheinung in der Kunstszene von Todos Santos. Der Mexikaner malt seine abstrakten Gemälde nicht für die übliche Laufkundschaft. Vermutlich deshalb strahlt sein Ruf weit über Todos Santos hinaus.
Die Eagles? Gabo nippt an seinem Damiana und holt Luft. Genau hier hat er vor vielen Jahren mit einem Freund gesessen, einem verrückten Kerl. "Ich war dabei, als er die Geschichte erfand und als er Manuel Valdez davon erzählte. So nahmen die Dinge ihren Lauf, und heute ist das bereits eine Legende." So kann man das natürlich sehen: Die Geschichte von den Eagles und dem Hotel California als volkstümliche Überlieferung. Oder wie Don Felder es in seiner Autobiografie ausdrückt: "Das Hotel California ist immer das, was man darin sehen möchte." Gabo nickt: "Wir alle wissen, dass unser Hotel California nicht das aus dem Lied ist. Aber insgeheim möchten wir lieber das Gegenteil glauben. Deshalb ist diese Lüge zur Wahrheit geworden."
Info: Anreise: Die Flughäfen San José del Cabo La Paz in Baja California werden von verschiedenen Fluglinien von Berlin über Mexico City, Los Angeles oder Houston angeflogen – ab 900 Euro. Der einfache Flug von Mexico City mit Mexicana kostet 85 Euro, hin und zurück 145 Euro. Von San José del Cabo fährt man knapp eineinhalb Stunden nach Todos Santos, von La Paz eine Stunde. Ein Mittelklassemietwagen ist an beiden Flughäfen ab 278 Euro pro Woche zu haben.
Übernachten: Hotel California, aufwändig restauriertes und mit viel Liebe zum Detail eingerichtetes Hotel. DZ ab 90 Euro exklusive Frühstück; Calle Juarez, Todos Santos, Baja California Sur, Mexico, Tel. 00 52 / 612 / 145 / 05 25, www.hotelcaliforniabaja.com; Posada La Poza, an einer Lagune direkt am Strand gelegenes Luxus-Resort mit wunderschönem Garten, großen Zimmern und ausgezeichneter Küche. DZ inklusive Frühstück ab 150 Euro. Posada La Poza, Col. La Poza, A.P. 10, Todos Santos, B.C.S. 23305, México, Tel. 00 52 / 612 / 145 / 04 00, www.lapoza.com.
Allgemeine Auskünfte: Mexikanisches Fremdenverkehrsbüro, Telefon 069 / 25 35 09, www.visitmexico.com.
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