Bildungsstreik Proteste zeigen Wirkung

AP/AFP/dpa, veröffentlicht am 18.11.2009
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Frankfurt/Main - Die Studentenproteste zeigen Wirkung. Nach der Ankündigung von Bundesbildungsministerin Annette Schavan, das Bafög zu erhöhen, erklärten sich mehrere Politiker zu Gesprächen bereit und signalisierten mögliche Zugeständnisse. Das Deutschen Studentenwerk begrüßte Schavans Vorstoß. "Das ist ein wichtiges und richtiges Signal an die Studierenden, die sich in den vergangenen Tagen mit Macht für bessere Studienbedingungen und eine bessere Studienfinanzierung engagiert haben", erklärte der Präsident des Deutschen Studentenwerks, Rolf Dobischat, am Mittwoch in Berlin.



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Ungeachtet dessen kündigten die Studierenden an, ihre Proteste fortzusetzen, bis ihre Forderungen nach einer sozial gerechten Bildungspolitik umgesetzt seien. Die Ökonomisierung der Hochschulen hin zu profitorientierten Unternehmen mit verschulten, wirtschaftsorientierten Studiengängen müsse endlich ein Ende finden, forderte Juliane Knörr, Vorstandsmitglied des studentischen Dachverbands fzs. Für den 24. November kündigten die Studierenden in Leipzig eine Demonstration gegen die Hochschulrektorenkonferenz an. Am 10. Dezember werde im Zuge der Kultusministerkonferenz in Bonn protestiert. Zugleich warfen die Studierenden Politikern und Hochschulvertretern vor, ihr für die Proteste geäußertes Verständnis sei geheuchelt.

Ernsthafte Angebote zum Dialog oder gar Konsequenzen habe es bislang nicht gegeben, sagte Thomas Warnau, ebenfalls im Vorstand des fzs. Offenbar gehe es nur darum, die Studierenden "ruhig zu stellen und möglichst schnell wieder in die überfüllten Hörsäle zu pferchen und von ihnen die Gebühren zu kassieren". Auch Berliner Studenten planen weitere Aktionen. Am Freitag wollen sie das von der "Süddeutschen Zeitung" organisierte Führungstreffen Wirtschaft im Hotel Adlon stören, zu dem unter anderem Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann erwartet wird. Bei dem "Ent-Führungstreffen" solle das Hotel umzingelt und belagert werden, berichtete eine Studentensprecherin am Mittwoch. Ab dem 30. November planen die Studenten außerdem eine bundesweite Aktionswoche. Auch ihre Hörsaal-Besetzungen, die in der vergangenen Woche begonnen hatten, wollen die Berliner Studierenden weiter aufrechterhalten.

Kleinteiligkeit aufbrechen, Prüfungsdichte verringern


Nach den Protesten Zehntausender Schüler und Studenten am Dienstag kündigte der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann Reformen bei Bachelor-Studiengängen an. "Es geht zum einen darum, die Kleinteiligkeit der Studieninhalte aufzubrechen", sagte der CDU-Politiker der "Nordwest-Zeitung". Kompetenzvermittlung sei wichtiger als zu früh vermitteltes Spezialwissen. Zudem müsse die Prüfungsdichte verringert werden. Der CDU-Politiker kündigte an, dass künftig mehr achtsemestrige Bachelor-Studiengänge angeboten werden sollten. "Der Bachelor muss der erste berufsqualifizierende akademische Abschluss sein", sagte der Wissenschaftsminister.

Der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch kündigte in der "Süddeutschen Zeitung" an, er werde sich in den kommenden Tagen in Würzburg und München mit Studenten treffen. Forderungen nach der Abschaffung von Studiengebühren erteilte der FDP-Politiker aber eine klare Absage. Nur eine knappe Mehrheit der Bundesbürger befürwortet ein Festhalten an den umstrittenen Bildungsreformen im Zuge der Bologna-Reformen. In Bildungsbarometer des Zentrums für empirische pädagogische Forschung (zepf) an der Universität Landau erklärten 51 Prozent der Befragten, dass eine Rückführung des Bologna-Prozesses keine Lösung der Probleme bedeute. 43 Prozent der Befragten würden gerne Zustände wie "vor Bologna" an den deutschen Universitäten wieder herstellen.

Laut HRK sind Studenten zufriedener als vor den Reformen


Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, warnte vor einer generellen "Antihaltung" gegen die Hochschulreformen. Die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor- und Masterabschlüsse sei an vielen Stellen "vernünftig und zielführend" gelaufen. Doch von den positiven Beispielen spreche niemand, sagte sie der Wochenzeitung "Die Zeit". Nach Umfragen seien Studenten heute im Schnitt zufriedener mit ihren Studienbedingungen als vor der Reform. Die Abbrecherquoten etwa in den Geisteswissenschaften seien drastisch zurückgegangen. Und auf dem Arbeitsmarkt würden Bachelor-Absolventen gern genommen. Derweil begrüßte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die angekündigte Bafög-Erhöhung. Man habe Bildungsministerin Schavan ein wichtiges Zugeständnis abgetrotzt, erklärte GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller. Die GEW forderte Schavan auf, umgehend einen Gesetzentwurf zur Verbesserung des Bafög vorzulegen.


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