Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Sonntag, 12. Februar 2012

Wissen & Computer


Chrome OS

Google veröffentlicht Quellcode

dpa, veröffentlicht am 20.11.2009
Foto: dpa
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Mountain View - Google hat erstmals Einzelheiten seines geplanten Computer-Betriebssystems Chrome OS vorgestellt. Chrome OS soll sich fundamental von herkömmlichen Betriebssystemen unterscheiden und das Web in den Mittelpunkt stellen.

Der Suchmaschinenspezialist veröffentlichte am Donnerstagabend den Quellcode der Software und rief die Entwickler-Gemeinde zur Mitarbeit auf. Das neue Projekt ist ein direkter Angriff auf Microsoft und dessen Kerngeschäft mit den Windows-Betriebssystemen.

Chrome OS sei als "schnelles Leichtgewicht" angelegt, erklärte Google. Anders als bei herkömmlichen Betriebssystemen sollen Anwendungen und Programme aus dem Web laufen. Damit entfalle das Installieren von Software auf dem PC, erklärte Google-Manager Sundar Pichai. Chrome OS benötige lediglich sieben Sekunden, um startklar zu sein.

"Je mehr Menschen das Internet nutzen, umso besser ist das für unser Geschäft", sagte Google-Mitgründer Sergey Brin der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. "Ich glaube, es gibt einen echten Bedarf für ein einfach zu nutzendes System, das weniger Management für die Geräte erfordert." Tatsächlich marktreif soll Chrome OS erst in einem Jahr sein.

Der Kern von Chrome OS basiert auf dem offenen Betriebssystem Linux, während die Benutzeroberfläche dem Google-Browser Chrome stark ähnelt. Dateien wie Textdokumente oder Videos speichert das System nicht auf der lokalen Festplatte, sondern verschlüsselt auf Servern im Internet. Dadurch soll Chrome OS auch einen Vorteil in Sachen Sicherheit haben. Einzelne Anwendungen würden nicht mehr vom Betriebssystem auf dem PC überprüft, sondern durchliefen jeweils ein eigenes Überprüfungsverfahren, hieß es. Dadurch hätten es Computer- Schädlinge deutlich schwerer, den PC zu infizieren.

Das neue Betriebssystem soll zunächst auf den derzeit populären Mini-Notebooks laufen, langfristig aber auf allen Geräten. Unter den Herstellern solcher Billig-Notebooks könnte das Interesse an der kostenlosen Software wegen des großen Preisdrucks groß sein. Lange hatten die Hersteller auf Microsofts Oldtimer Windows XP zurückgegriffen, da Vista auf den kleinen Rechnern nicht lief. Inzwischen hat der weltgrößte Softwarehersteller mit seinem neuen und deutlich schlankeren Windows 7 allerdings nachgelegt.

Beim Vertrieb will Google mit Hardware-Herstellern und dem Handel zusammenarbeiten. Man sei in Verhandlungen mit einigen Herstellern über mögliche Gebühren für ein Marketing mit der Google-Marke, sagte Brin. Konkrete Partnerschaften kündigte das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View bislang noch nicht an. Zuvor hieß es, Google sei in Gesprächen unter anderem mit Hewlett-Packard, Acer und Lenovo, um erste Netbooks in der zweiten Jahreshälfte 2010 auf den Markt zu bringen.

Google hatte das Betriebssystem erstmals im Juli dieses Jahres angekündigt. Experten bewerten die neue Entwicklung als Angriff auf den Erzrivalen Microsoft, dessen Windows-Software auf mehr als 95 Prozent aller PCs läuft und die Haupteinnahmequelle des Herstellers ist. Chrome OS werde eines Tages auf Millionen von Rechnern laufen, hatte Google-Chef Eric Schmidt vorhergesagt.
 
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