Kommentar zum Wettskandal Der Unterbau ist außer Kontrolle

Peter Stolterfoht, veröffentlicht am 21.11.2009

Bochum - Aus deutscher Sicht wirft der internationale Wettskandal momentan eine positive Nachricht ab. Die Bundesliga scheint vom vermutlich größten europäischen Fußballbetrug aller Zeiten nicht betroffen zu sein. Die weiteren ersten Ermittlungsergebnisse, die die Bochumer Staatsanwaltschaft gestern öffentlich gemacht hat, zeichnen aber trotzdem ein ganz erbärmliches Bild vom deutschen Fußball. Es besteht der konkrete Verdacht, dass 32 Partien manipuliert worden sind - von der zweiten Fußballliga über die Regionalliga und Oberliga bis hin zu Spielen im Juniorenbereich.


Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat die Vereine unterhalb der Bundesliga nicht mehr im Griff. Während in der ersten Liga ein hochdotiertes Leben im Rampenlicht geführt wird, fristen die Clubs und Spieler in den Etagen tiefer ein Schattendasein. Aus dieser Konstellation heraus ist eine teilweise kriminelle Parallelwelt entstanden, in der Gewalt und Betrug eine große Rolle spielen. Brutale Fanausschreitungen gehören in der zweiten und dritten Liga, der Regional- und Oberliga mittlerweile zur Tagesordnung - und die Manipulation offenbar auch.

In den Niederungen des Profifußballs geht die Saat des Betrugs besonders gut auf. Wenn ein Regionalligaspieler, der teilweise nicht einmal 1000 Euro monatlich verdient, die astronomischen Bundesligagehälter sieht und weiß, dass sogar der Kreisligakicker von nebenan mit Hilfe eines Sponsors mehr als er bekommt, dann hat die Wettmafia oft leichtes Spiel. Das entschuldigt den Betrug nicht, er macht ihn aber erklärbarer. Die Verantwortlichen beim DFB und in der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sollten sich künftig nicht mehr so oft im Erfolg ihrer Vorzeigeteams sonnen, sondern auch im dunklen Keller des Fußballs aktiv werden.

Das europäische Frühwarnsystem hat nicht funktioniert. Außerdem versäumte es der DFB, ein Präventionsprogramm auf den Weg zu bringen, um den gefährdeten Clubs zu helfen. Im Rahmen dieser Vorsorge sollte auch die Sportethik eine Rolle spielen. Das allerdings hätte auch schon die Lehre aus dem vorangegangenen Wettskandal um Robert Hoyzer sein müssen.


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