Kritik an Bologna-Prozess Alle Parteien für Studienreformen

lsw, veröffentlicht am 26.11.2009
Die Studentenproteste geben Bildungsminister Frankenberg zu denken. Foto: dpa

Stuttgart - Nach wochenlangen Protesten der Studenten haben sich alle Parteien im Landtag für eine Reform von Studiengängen ausgesprochen. Die international anerkannten Abschlüsse Bachelor und Master seien miserabel eingeführt worden, kritisierten SPD und Grüne am Mittwoch in Stuttgart.


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Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) wies die Angriffe der Opposition zurück, gab aber zu: "Es gibt, was einzelne Studiengänge betrifft, berechtigte Kritik." Korrekturen dürften nicht überstürzt angegangen werden. Aus Sicht der mitregierenden FDP haben die Hochschulen hinsichtlich Studiendauer und Art der Abschlüsse mehr Freiheiten, als sie in Anspruch nehmen.

Taten sind gefordert


Die Studiendauer wurde verkürzt, aber der Umfang des Lehrstoffs sei erhalten geblieben und der Prüfungsdruck gestiegen, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Theresia Bauer. Mehr Studenten als früher brächen ihr Studium an den Fachhochschulen und in den Ingenieurwissenschaften ab. Bauer warf Frankenberg und der Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) vor, die Verantwortung anderen zuzuschieben, statt notwendige Korrekturen in Angriff zu nehmen: "Mit schönem Zuhören und warmen Worten ist es nicht mehr getan. Jetzt sind Taten angesagt."

Auch Martin Rivoir (SPD) beklagte, der gleiche Stoff werde in eine kürzere Studienzeit gepresst. Das führe zum "Bulimie-Lernen": "Man lernt schnell und viel auf die Prüfung und vergisst das Gelernte nach der Prüfung wieder schnell. Das ist nicht gut für die Qualität der Ausbildung." Die Hochschulen hätten nicht die nötige Freiheit bekommen, um zu entscheiden, ob und wie sie die Bologna-Reform umsetzen. Außerdem hätten sie dafür kein zusätzliches Geld erhalten, obwohl die Rektoren die Mehrkosten auf 15 Prozent bezifferten.

Die Akkreditierung muss verbessert werden


Frankenberg schlug vor, Studiengänge mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten einzuführen sowie dem eigentlichen Studium sogenannte College-Semester zur Orientierung vorzuschalten: "Wir haben zum Teil ein Qualifizierungsproblem in spezifischen studiengangbezogenen Fähigkeiten, und wir haben ein Orientierungsproblem, weil wir immer spezifischere Studiengänge anbieten, von denen man auf der Schule noch nichts hören konnte."

Für die College-Semester sind nach Frankenbergs Worten aber auch Veränderungen beim Bafög nötig: Die Obergrenze von fünf Jahren Förderdauer müsse fallen und der mehrfache Wechsel von Studiengängen ohne Verlust der Förderung möglich sein. Auch die Genehmigung neuer Studiengänge - die sogenannte Akkreditierung - müsse verbessert werden: Neue Studiengänge sollen erst dann zugelassen werden, wenn sie sich in der Praxis bewährt haben und die Absolventen damit gute Berufschancen haben.


Kommentare (2)
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Christian,
28.11.2009
Forderung 1: Demokratie verwirklichen!
Es ist sehr zu begrüßen, wenn sich die Politik gesprächsbereit zeigt und sich Gedanken macht.

Allerdings sollte dabei nicht die erste Forderung der Studierenden aus dem Auge verloren gehen: sie wollen mehr Mitentscheidungsrechte!
http://www.bildungsstreik-stuttgart.de/forderungen

Dass z.B. dem Unirat nur ein studentisches Mitglied angehört, das auch noch lediglich beratende Funktion hat, ist nicht mehr zeitgemäß.
Dessen überwiegende Mehrheit besteht aus Wirtschaftsleuten.
Seine Auswahl wird im Landeshochschulgesetz geregelt.
http://www.uni-stuttgart.de/ueberblick/organisation/organe/#unirat

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