"I bin de Burgerin vo Leonberg!"
Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung vom 28.11.2009
Als Pauline Wilhelmine Saillet, geborene Köpf, im Jahr 1881 mit 30 Jahren den 17 Jahre älteren und bereits dreimal verwitweten Carl Burger in Leonberg heiratete, brachte sie die dringend notwendige Bargeldspritze mit, die sein Unternehmen benötigte - eine Hundezüchterei. Der gelernte Bäcker hatte als Gastwirt der "Rose" an der Ditzinger Straße (heute Feuerbacher Straße) im Jahr 1865 damit begonnen, nebenberuflich Hunde zu züchten. 1873 gab er den Bäckerberuf ganz auf und verlegte sich auf die lukrativere Hundezucht.
Dafür verkaufte Burger das Wohnhaus mit Bäckerei samt Wirtschaft in der Ditzinger Straße und erwarb stattdessen in der Bahnhofstraße das Haus mit der Wirtschaft "Zum Rosengarten". Nur fünf Monate nach dem Tod seiner dritten Ehefrau heiratete Carl Burger am 18. August 1881 Pauline Wilhelmine Saillet, die als 14. von 15 Kindern des Marbacher Sattler-Ehepaares Köpf am 17. Januar 1850 geboren worden war. Sie brachte einen Sohn, Oskar, mit, zwei weitere waren in den fünf Jahren Ehe mit dem Stuttgarter Konditor Friedrich Saillet verstorben. Die sieben Kinder aus den drei vorherigen Ehen des Carl Burger waren alle kurz nach der Geburt verschiedenen Krankheiten erlegen.
Finanziell ging es dem Hundezüchter Carl Burger nicht gerade glänzend. Doch mit der neuen Ehefrau kam frischer Wind. Vor der Hochzeit bereits investierte die Zukünftige ihr Barvermögen in Höhe von 2500 Mark in Inventar und Getränke für die Wirtschaft sowie in die Hundezucht. Allein 1000 Mark gab sie für "20 Stück größere und kleinere Hunde verschiedener Racen" aus.
Im Jahr 1885 bauten die beiden den neuen Hundepark an der Bahnhofstraße und das Unternehmen florierte. Als Burger am 12. März 1890 starb, besaß seine Witwe als Alleinerbin 50 000 Mark. Nach fünfmonatiger Witwenschaft heiratete sie am 23. August 1890 Christian Stähle, einen Maler aus Stuttgart. Ihr beträchtlicher Besitz veranlasste Pauline, auf einen Ehe- und Erbvertrag mit Gütertrennung zu bestehen.
Nach dem Tode Carl Burgers wurden immer mehr Hunde verkauft, die Firma lief jedoch weiter unter seinem Namen. Steuerbücher belegen allerdings, dass sich unter der Leitung von Pauline Wilhelmine der Umsatz schnell verdoppelte.
Durch ihre Heirat mit Stähle verschwand sie aus den offiziellen Akten, doch der Ehevertrag belegt, dass sie alleinige Besitzerin der Hundezucht war. Steuerrechtlich definiert wurde sie zwar über Stähle. Doch nach dessen Tode wurde sie in den Steuerakten als "Christian Stähle, Hundeparkbesitzer Wte. (Witwe)" geführt. Aus diesen Akten geht ebenfalls hervor, dass Pauline Stähle bis kurz vor ihrem Tode im Jahr 1923 die Hundezucht leitete. Sohn Oskar führte die Firma weiter, bis er 1931 starb.
Welch resolute Frau Pauline Wilhelmine Burger war, zeigt eine Episode, die sich 1882 am Rande einer großen Hundeausstellung in London ereignet hatte. Sie war mit Hatzrüden - so nannte man die Doggen damals in Württemberg - und Spitzerle angereist.
Am Einlass standen zwei englische Aufseher, die ebenso wenig Schwäbisch verstanden wie Frau Burger Englisch. Vergeblich versuchte sie, klar zu machen, dass sie es als Ausstellerin nicht nötig habe, eine Eintrittskarte zu lösen. "Dicke, Dicke (Ticket), hennt se allweil gsait, aber i bi mei Lebtag nit dick gwä!", erzählte die Burgerin später. "Das isch mir endli z"dumm worre." Darauf habe sie jedem einen Stoß gegeben, dass sie beiseite geflogen sind und darauf habe sie gerufen: "I bin de Burgerin vo Leonberg! Koiner het sich mehr was z"sage traut." Pauline Stähle war auch die erste Privatperson in Leonberg mit Telefon. Das Rathaus hatte die Nummer 1 und sie die Nummer 2.
Die Burgerschen Hunde hatten ihren Preis und zu den Kunden gehörten ein türkischer Sultan, die Fürstin Schwarzenberg und die Königin Charlotte von Württemberg, die im November 1907 unerkannt selbst in der Bahnhofstraße mit dem Automobil vorfuhr und einen Bernhardiner kaufte. Im Katalog der Firma Burger aus dem Jahr 1910 werden an erster Stelle Leonberger genannt - der teuerste kostete 500 Mark, ein Bernhardiner schlug mit 1000 Mark zu Buche, ein Neufundländer mit 500 Mark. Aufgeführt sind auch Doggen und Collies, Königspudel und Dachshunde, Spitze und Mopse.
Dafür verkaufte Burger das Wohnhaus mit Bäckerei samt Wirtschaft in der Ditzinger Straße und erwarb stattdessen in der Bahnhofstraße das Haus mit der Wirtschaft "Zum Rosengarten". Nur fünf Monate nach dem Tod seiner dritten Ehefrau heiratete Carl Burger am 18. August 1881 Pauline Wilhelmine Saillet, die als 14. von 15 Kindern des Marbacher Sattler-Ehepaares Köpf am 17. Januar 1850 geboren worden war. Sie brachte einen Sohn, Oskar, mit, zwei weitere waren in den fünf Jahren Ehe mit dem Stuttgarter Konditor Friedrich Saillet verstorben. Die sieben Kinder aus den drei vorherigen Ehen des Carl Burger waren alle kurz nach der Geburt verschiedenen Krankheiten erlegen.
Finanziell ging es dem Hundezüchter Carl Burger nicht gerade glänzend. Doch mit der neuen Ehefrau kam frischer Wind. Vor der Hochzeit bereits investierte die Zukünftige ihr Barvermögen in Höhe von 2500 Mark in Inventar und Getränke für die Wirtschaft sowie in die Hundezucht. Allein 1000 Mark gab sie für "20 Stück größere und kleinere Hunde verschiedener Racen" aus.
Im Jahr 1885 bauten die beiden den neuen Hundepark an der Bahnhofstraße und das Unternehmen florierte. Als Burger am 12. März 1890 starb, besaß seine Witwe als Alleinerbin 50 000 Mark. Nach fünfmonatiger Witwenschaft heiratete sie am 23. August 1890 Christian Stähle, einen Maler aus Stuttgart. Ihr beträchtlicher Besitz veranlasste Pauline, auf einen Ehe- und Erbvertrag mit Gütertrennung zu bestehen.
Nach dem Tode Carl Burgers wurden immer mehr Hunde verkauft, die Firma lief jedoch weiter unter seinem Namen. Steuerbücher belegen allerdings, dass sich unter der Leitung von Pauline Wilhelmine der Umsatz schnell verdoppelte.
Durch ihre Heirat mit Stähle verschwand sie aus den offiziellen Akten, doch der Ehevertrag belegt, dass sie alleinige Besitzerin der Hundezucht war. Steuerrechtlich definiert wurde sie zwar über Stähle. Doch nach dessen Tode wurde sie in den Steuerakten als "Christian Stähle, Hundeparkbesitzer Wte. (Witwe)" geführt. Aus diesen Akten geht ebenfalls hervor, dass Pauline Stähle bis kurz vor ihrem Tode im Jahr 1923 die Hundezucht leitete. Sohn Oskar führte die Firma weiter, bis er 1931 starb.
Welch resolute Frau Pauline Wilhelmine Burger war, zeigt eine Episode, die sich 1882 am Rande einer großen Hundeausstellung in London ereignet hatte. Sie war mit Hatzrüden - so nannte man die Doggen damals in Württemberg - und Spitzerle angereist.
Am Einlass standen zwei englische Aufseher, die ebenso wenig Schwäbisch verstanden wie Frau Burger Englisch. Vergeblich versuchte sie, klar zu machen, dass sie es als Ausstellerin nicht nötig habe, eine Eintrittskarte zu lösen. "Dicke, Dicke (Ticket), hennt se allweil gsait, aber i bi mei Lebtag nit dick gwä!", erzählte die Burgerin später. "Das isch mir endli z"dumm worre." Darauf habe sie jedem einen Stoß gegeben, dass sie beiseite geflogen sind und darauf habe sie gerufen: "I bin de Burgerin vo Leonberg! Koiner het sich mehr was z"sage traut." Pauline Stähle war auch die erste Privatperson in Leonberg mit Telefon. Das Rathaus hatte die Nummer 1 und sie die Nummer 2.
Die Burgerschen Hunde hatten ihren Preis und zu den Kunden gehörten ein türkischer Sultan, die Fürstin Schwarzenberg und die Königin Charlotte von Württemberg, die im November 1907 unerkannt selbst in der Bahnhofstraße mit dem Automobil vorfuhr und einen Bernhardiner kaufte. Im Katalog der Firma Burger aus dem Jahr 1910 werden an erster Stelle Leonberger genannt - der teuerste kostete 500 Mark, ein Bernhardiner schlug mit 1000 Mark zu Buche, ein Neufundländer mit 500 Mark. Aufgeführt sind auch Doggen und Collies, Königspudel und Dachshunde, Spitze und Mopse.
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