Mensch oder Affe oder beides?
Artikel aus der Nord-Rundschau, S-Innenstadt vom 28.11.2009
Vor 150 Jahren veröffentlichte Charles Darwin (1809-1882) sein Buch "Über die Entstehung der Arten durch natürliche Auswahl . . .". Die Diskussionen reißen seither nicht ab und erreichten in diesem Jahr zum 200. Geburtstag des Forschers einen neuen Höhepunkt. Der Paläontologe Günter Bechly vom Staatlichen Museum für Naturkunde zeigte sich daher am vergangenen Dienstag erstaunt über die vielen Zuhörer, die in den Weilimdorfer Rathaussaal gekommen waren: "Weil man den Namen Charles Darwin doch bestimmt nicht mehr hören kann." Er muss es wissen: Bechly hat dreieinhalb Jahre lang die Ausstellung "Evolution - Der Fluss des Lebens" entwickelt, die derzeit im Rosensteinmuseum zu sehen ist.
Aber Bechlys Vortrag drehte sich ja auch nicht um Darwin allein. Bechly zeigte auf, welche Vordenker und Naturwissenschaftler den Weg für Darwins Evolutionstheorie geebnet hatten. Die etwa die Klassifizierung von Tieren ersonnen und die Erdzeitalter belegt hatten. Darwin dagegen hat sein Medizinstudium abgebrochen und danach - ausgerechnet - Theologie studiert. Aber er hatte das große Glück, fünf Jahre lang mit der HMS Beagle auf Forschungsreise gehen zu können - obwohl es ihm zu der Zeit wohl nicht so vorgekommen sein mag: Bechly verriet, dass Darwin unter extremer Seekrankheit litt: "Er hat sich quasi einmal um die Welt gekotzt - und in dem Zustand dann noch täglich und minutiös Aufzeichnungen zu machen, das ist schon eine Leistung." 1859 habe übrigens weniger für Empörung gesorgt, dass Darwin den Schöpfergott in Frage stellte, sondern vielmehr, dass er davon ausging, dass Menschen und Affen gemeinsame Vorfahren haben: "Er hat Gott vom Thron gestoßen, aber viel schlimmer noch, er hat den Menschen vom Thron gestoßen", brachte es Bechly auf den Punkt. Doch wen das schon erschreckt, für den hatte der Paläontologe noch schlechtere Nachrichten mitgebracht: Die moderne Wissenschaft gehe mittlerweile davon aus, dass alle mit allen verwandt sind, sich manche Arten einfach früher vom gemeinsamen Stamm abgespalten haben als andere. Und: die menschliche Hand ist demnach weit weniger weit entwickelt als etwa der Huf eines Pferdes - von wegen: Krone der Schöpfung. Der Streit um Evolution oder nicht geht übrigens weiter - besonders in den USA, wo die so genannten Creationisten darauf beharren, dass die Schöpfung genauso abgelaufen ist, wie in der Bibel beschrieben. Zumal sich jetzt eine dritte Partei zu Wort meldet, die den "Intelligent Designer" ausgemacht haben will: Evolution ja, aber von göttlicher Hand geleitet. Gerade habe Bechly einer sehr interessanten Diskussion beigewohnt, berichtete er: Es gebe da ein geiselbestücktes Bakterium, das man im Grunde nur sehr mühsam über natürliche Auswahl erklären könne, so der Paläontologe. Er könne es sich aber nur schwer vorstellen, dass Gott Bakterien mit Geiseln bestückt, aber "am 11. September und in Auschwitz weggesehen haben soll". Die Diskussion wird also wohl noch einmal 150 Jahre weitergehen - es sei denn, eine andere Art erweist sich bis dahin dem Menschen überlegen.
Aber Bechlys Vortrag drehte sich ja auch nicht um Darwin allein. Bechly zeigte auf, welche Vordenker und Naturwissenschaftler den Weg für Darwins Evolutionstheorie geebnet hatten. Die etwa die Klassifizierung von Tieren ersonnen und die Erdzeitalter belegt hatten. Darwin dagegen hat sein Medizinstudium abgebrochen und danach - ausgerechnet - Theologie studiert. Aber er hatte das große Glück, fünf Jahre lang mit der HMS Beagle auf Forschungsreise gehen zu können - obwohl es ihm zu der Zeit wohl nicht so vorgekommen sein mag: Bechly verriet, dass Darwin unter extremer Seekrankheit litt: "Er hat sich quasi einmal um die Welt gekotzt - und in dem Zustand dann noch täglich und minutiös Aufzeichnungen zu machen, das ist schon eine Leistung." 1859 habe übrigens weniger für Empörung gesorgt, dass Darwin den Schöpfergott in Frage stellte, sondern vielmehr, dass er davon ausging, dass Menschen und Affen gemeinsame Vorfahren haben: "Er hat Gott vom Thron gestoßen, aber viel schlimmer noch, er hat den Menschen vom Thron gestoßen", brachte es Bechly auf den Punkt. Doch wen das schon erschreckt, für den hatte der Paläontologe noch schlechtere Nachrichten mitgebracht: Die moderne Wissenschaft gehe mittlerweile davon aus, dass alle mit allen verwandt sind, sich manche Arten einfach früher vom gemeinsamen Stamm abgespalten haben als andere. Und: die menschliche Hand ist demnach weit weniger weit entwickelt als etwa der Huf eines Pferdes - von wegen: Krone der Schöpfung. Der Streit um Evolution oder nicht geht übrigens weiter - besonders in den USA, wo die so genannten Creationisten darauf beharren, dass die Schöpfung genauso abgelaufen ist, wie in der Bibel beschrieben. Zumal sich jetzt eine dritte Partei zu Wort meldet, die den "Intelligent Designer" ausgemacht haben will: Evolution ja, aber von göttlicher Hand geleitet. Gerade habe Bechly einer sehr interessanten Diskussion beigewohnt, berichtete er: Es gebe da ein geiselbestücktes Bakterium, das man im Grunde nur sehr mühsam über natürliche Auswahl erklären könne, so der Paläontologe. Er könne es sich aber nur schwer vorstellen, dass Gott Bakterien mit Geiseln bestückt, aber "am 11. September und in Auschwitz weggesehen haben soll". Die Diskussion wird also wohl noch einmal 150 Jahre weitergehen - es sei denn, eine andere Art erweist sich bis dahin dem Menschen überlegen.
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