Schiller und der Trollinger
Artikel aus der Strohgäu Extra vom 30.11.2009
Sein Jubiläumsfest hat der Heimatpflegeverein Gerlingen im Zeichen des Weines gefeiert: mit einer Verkostung von Trollinger, Zweigelt oder Blanc de Noirs aus Gerlinger Lagen. Dass die Heimatgeschichtler just in dem Jahr 30. Geburtstag feiern, in dem sich Friedrich Schillers Geburtstag zum 250. Mal jährt, nahmen sie zum Anlass, etwas um die Ecke gedacht, auch dem berühmten Dichter zu huldigen. Um genau zu sein: es handelte sich um dessen Vater Johann Caspar.
Dank dieses Kunstgriffs und der Bestellung von Isolde Döbele-Carlesso als Festrednerin trat das Thema Wein nicht einen Moment lang in den Hintergrund. Denn die Archivarin aus Brackenheim hat nicht von Johann Caspar Schillers Begeisterung für das Streuobst gesprochen, für die er eine gewisse Berühmtheit erlangt hatte, sondern von dessen Kritik des schwäbischen Weinbaus im 18. Jahrhundert. Und da gab es manch überraschendes Detail.
Ganz offenbar hatte der württembergische Wein in jener Zeit einen derart schlechten Ruf, dass auch ausgewiesene Weinhistoriker nur davon wissen, dass damals viel gepanscht wurde - auch mit giftiger Silberglätte (einem Bleioxid)-, was zu Todesfällen führte und dem eh schon schlechten Image den Rest gab. Auch das Protokoll der Besitztümer von Friedrich Schiller im Jahr seines Todes verzeichnet nach Aussage von Isolde Döbele-Carlesso sehr viele Weine, doch keinen einzigen aus dem Neckarraum. Der Dichter bevorzugte Portwein und Burgunder.
Beim Thema Wein konnte Johann Caspar Schiller nur zwei Rollen für sich reklamieren: die eines Weintrinkers und die des interessierten Laien. Dennoch sei er der Erste gewesen, der kompetent über den Zustand des Weinbaus, von dem in jener Zeit immerhin ein Drittel der württembergischen Bevölkerung lebte, geschrieben hat, sagte die Festrednerin. Er ging in seiner Abhandlung aber noch weiter: So gab er den Winzern und Weinhändlern Tipps, wie sie ihr Geschäft wieder in Gang bringen könnten. Man müsse die Sorten sehr viel raffinierter mischen, meinte der Dichtervater, um "auch Ausländer" für den Württemberger zu begeistern. Außerdem riet er zum Anbau "der welschen Traube" - was nichts anderes als der Trollinger war. lai
Dank dieses Kunstgriffs und der Bestellung von Isolde Döbele-Carlesso als Festrednerin trat das Thema Wein nicht einen Moment lang in den Hintergrund. Denn die Archivarin aus Brackenheim hat nicht von Johann Caspar Schillers Begeisterung für das Streuobst gesprochen, für die er eine gewisse Berühmtheit erlangt hatte, sondern von dessen Kritik des schwäbischen Weinbaus im 18. Jahrhundert. Und da gab es manch überraschendes Detail.
Ganz offenbar hatte der württembergische Wein in jener Zeit einen derart schlechten Ruf, dass auch ausgewiesene Weinhistoriker nur davon wissen, dass damals viel gepanscht wurde - auch mit giftiger Silberglätte (einem Bleioxid)-, was zu Todesfällen führte und dem eh schon schlechten Image den Rest gab. Auch das Protokoll der Besitztümer von Friedrich Schiller im Jahr seines Todes verzeichnet nach Aussage von Isolde Döbele-Carlesso sehr viele Weine, doch keinen einzigen aus dem Neckarraum. Der Dichter bevorzugte Portwein und Burgunder.
Beim Thema Wein konnte Johann Caspar Schiller nur zwei Rollen für sich reklamieren: die eines Weintrinkers und die des interessierten Laien. Dennoch sei er der Erste gewesen, der kompetent über den Zustand des Weinbaus, von dem in jener Zeit immerhin ein Drittel der württembergischen Bevölkerung lebte, geschrieben hat, sagte die Festrednerin. Er ging in seiner Abhandlung aber noch weiter: So gab er den Winzern und Weinhändlern Tipps, wie sie ihr Geschäft wieder in Gang bringen könnten. Man müsse die Sorten sehr viel raffinierter mischen, meinte der Dichtervater, um "auch Ausländer" für den Württemberger zu begeistern. Außerdem riet er zum Anbau "der welschen Traube" - was nichts anderes als der Trollinger war. lai
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