"Wir sind mehr als ein Schrebergarten"
Artikel aus der Strohgäu Extra vom 01.12.2009
Diesen Tag werden die Ditzinger Gartenfreunde nicht so schnell vergessen. Sie hatten den Rasen gemäht, Spezialitäten aus der alten Heimat zubereitet, die Prominenz aus der Umgebung eingeladen und sich extra ein Zelt bei der katholischen Gemeinde ausgeliehen. In den späten Nachmittagsstunden des 3. Juli mussten sie dann machtlos mitansehen, wie ihr großes Eröffnungsfest ins Wasser fiel. Es war gegen 16 Uhr, als sich der Himmel binnen weniger Minuten schwarz einfärbte und alle Schleusen öffnete. Wenig später hatte es alles dahingespült. Auf der einen Seite war die Lache über ihre Ufer getreten, auf der anderen hatten sich die Fluten einen Hang hinab in den Garten gestürzt. Die Anlage stand zeitweise bis zu einen Meter tief unter Wasser. Das Zelt wurde zum Versicherungsfall.
"Es war schlimm", sagt Winfried Doerjer. Der Initiator des Internationalen Gartens kann sich aber auch an ein paar Profiteure des Unwetters erinnern: "Die Kinder sind in Wannen durch den Garten gepaddelt. Sie hatten Riesenspaß." Und Kinder gibt es viele auf dem Gartenareal im Osten Ditzingens zwischen der Konrad-Kocher-Schule und der Autobahn. Es sind die Sprösslinge von 16 Familien mit Wurzeln in zehn Nationen, unter anderem in Portugal, Italien, China, Ägypten und Kambodscha. Jede Familie darf für einen geringen Mitgliedsbeitrag eine kleine Parzelle bewirtschaften. Auf 50 Quadratmetern Mutterboden konnten sie sich erstmals frei entfalten und am Ende der Gartensaison trotz oder vielleicht sogar wegen des Sommerhochwassers ganz anständige Ernten einfahren: Paprika, Bohnen, Kürbisse und Zucchini wanderten in die Gemüsekörbe.
Das erste Jahr in der Vereinsgeschichte hat aber auch in anderer Hinsicht Früchte getragen, mit denen Winfried Doerjer anfangs nicht gerechnet hat. Das Echo in Ditzingen sei zunächst verhalten gewesen, als bekannt wurde, dass die Stadt eine Fläche zur Verfügung stellt, auf der Migranten gemeinsam harken, jäten und pflanzen. Auch manches Vereinsmitglied hat die Absicht, die der 64-jährige Bürgermentor im Sinn hatte, falsch verstanden. "Einige haben uns als Schrebergarten gesehen, aber wir sind mehr als das", sagt der frühere Lehrer, dem es um das gemeinsame Tun geht. Die Mitglieder sollen voneinander lernen, und zwar nicht nur wie man exotisches Obst und Gemüse anbaut, sondern auch wie man gemeinsam lebt. "Manche sind schon seit Jahren hier, kannten aber nichts anderes als ihre Arbeitsstelle und die eigenen vier Wände", sagt Doerjer. Wer sich nicht auf das von der Stiftung Interkultur geförderte Integrationsprojekt einlassen wollte, ist wieder gegangen. Bis zur Jahresmitte hat sich der Garten dennoch gefüllt.
Mittlerweile werden die Multikulti-Gärtner von der Bevölkerung akzeptiert und von ihren Nachbarn unterstützt. Den größten Teil des Gartens beackern die Vereinsmitglieder im Team. Sie haben das gesamte Gelände umzäunt, einen Wasseranschluss gelegt und einen alten Bauwagen übergangsweise zum Geräteschuppen umfunktioniert. Im kommenden Jahr soll er durch eine Hütte abgelöst werden, die der Verein wie viele kleinere Gerätschaften von Ditzinger Bürgern geschenkt bekommen hat. Vielleicht gibt es zur Einweihung wieder ein großen Fest - dann aber eines, an dem nicht nur die kleinen Nachwuchsgärtner ihre Freude haben.
"Es war schlimm", sagt Winfried Doerjer. Der Initiator des Internationalen Gartens kann sich aber auch an ein paar Profiteure des Unwetters erinnern: "Die Kinder sind in Wannen durch den Garten gepaddelt. Sie hatten Riesenspaß." Und Kinder gibt es viele auf dem Gartenareal im Osten Ditzingens zwischen der Konrad-Kocher-Schule und der Autobahn. Es sind die Sprösslinge von 16 Familien mit Wurzeln in zehn Nationen, unter anderem in Portugal, Italien, China, Ägypten und Kambodscha. Jede Familie darf für einen geringen Mitgliedsbeitrag eine kleine Parzelle bewirtschaften. Auf 50 Quadratmetern Mutterboden konnten sie sich erstmals frei entfalten und am Ende der Gartensaison trotz oder vielleicht sogar wegen des Sommerhochwassers ganz anständige Ernten einfahren: Paprika, Bohnen, Kürbisse und Zucchini wanderten in die Gemüsekörbe.
Das erste Jahr in der Vereinsgeschichte hat aber auch in anderer Hinsicht Früchte getragen, mit denen Winfried Doerjer anfangs nicht gerechnet hat. Das Echo in Ditzingen sei zunächst verhalten gewesen, als bekannt wurde, dass die Stadt eine Fläche zur Verfügung stellt, auf der Migranten gemeinsam harken, jäten und pflanzen. Auch manches Vereinsmitglied hat die Absicht, die der 64-jährige Bürgermentor im Sinn hatte, falsch verstanden. "Einige haben uns als Schrebergarten gesehen, aber wir sind mehr als das", sagt der frühere Lehrer, dem es um das gemeinsame Tun geht. Die Mitglieder sollen voneinander lernen, und zwar nicht nur wie man exotisches Obst und Gemüse anbaut, sondern auch wie man gemeinsam lebt. "Manche sind schon seit Jahren hier, kannten aber nichts anderes als ihre Arbeitsstelle und die eigenen vier Wände", sagt Doerjer. Wer sich nicht auf das von der Stiftung Interkultur geförderte Integrationsprojekt einlassen wollte, ist wieder gegangen. Bis zur Jahresmitte hat sich der Garten dennoch gefüllt.
Mittlerweile werden die Multikulti-Gärtner von der Bevölkerung akzeptiert und von ihren Nachbarn unterstützt. Den größten Teil des Gartens beackern die Vereinsmitglieder im Team. Sie haben das gesamte Gelände umzäunt, einen Wasseranschluss gelegt und einen alten Bauwagen übergangsweise zum Geräteschuppen umfunktioniert. Im kommenden Jahr soll er durch eine Hütte abgelöst werden, die der Verein wie viele kleinere Gerätschaften von Ditzinger Bürgern geschenkt bekommen hat. Vielleicht gibt es zur Einweihung wieder ein großen Fest - dann aber eines, an dem nicht nur die kleinen Nachwuchsgärtner ihre Freude haben.
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