Whatever works - Liebe sich wer kann

Woodys Uraltthema: Wo die Liebe hinunterfällt

Ruprecht Skasa-Weiß, veröffentlicht am 03.12.2009
Filmbeschreibung
Das soll der neue Woody Allen sein? Verwundert, gereizt, gequält gibt unsereiner hier zu Protokoll, dass "Whatever works" ein Film von gestern ist. Da wäre Allen also wieder ganz der Alte, der stadtneurotisch inspirierte Witzbold aus dem Manhattan der siebziger Jahre? Nein, tut uns leid: der Alte sieht jetzt aus wie ein verglatzter Oller.

Man kann sich fragen, wie das kommt. Allens rastlose Schaffenslüste kennen ja kein Pausieren (pro Jahr mindestens ein Film, so viel möchte schon sein), das zum Ersten. Zum Zweiten übt er bewusst eine Art Rückfall. Nach Jahren, in denen er seine Filmemacherfantasie wunderbar produktiv in Europa Gassi geführt hatte, was ihn von "Match Point" bis zu "Vicky Cristina Barcelona" sowohl thematisch wie inszenatorisch erkennbar bereicherte, strebt er jetzt zurück in die vertraute Runzelhaut des Big Apple. Das Drehbuch, das er zu diesem Zweck reanimiert, stammt von 1977 - demselben Jahr, in dem er einst als "Stadtneurotiker" Furore machte, belämmernd tragisch und hochvergnüglich zugleich. Ungläubig sieht man jetzt, wie Restesottisen, Secondhandzynismen und ein abgehangener Altmann-Jungmädchen-Plot sich fix zu einem Kinostück zusammenfügen, das nur mehr wie eine Parodie auf Woody Allens klassische New-York-Komödien wirkt.

Und nichts works. Schon wenn er loslegt, der senile Schwadroneur und abgehalfterte Karrierephysiker mit seinen ätzenden Sprüchen; wenn er aufsteht vom Straßencafétisch, um als hinkender Egghead in abscheulich grobkarierten Shorts in die Kamera zu dozieren: schon da wirkt die Szene gekünstelt, verfuchtelt, spastisch. Direkt den Zuschauer anquatschen, das war mal eine überrumpelnd schöne Möglichkeit, heute ist es ein Einfall zum Gähnen. Und der TV-Komiker Larry David scheint mit der Intellektuellenrolle bös überfordert: er theatert, brüllt, hampelt mit allen Zipfeln seines Freizeitjankers, wie ein vom Daseinsekel geschüttelter Professor Hausrat. Doch Melody, seine von Evan Rachel Wood gespielte Gespielin, steht ihm an Eindimensionalität nicht nach. Hustend, plappernd sucht sie, dem frommen Elternhaus entwetzt, Unterschlupf beim Professor - ein Südstaaten-Girlie, dass sich benimmt wie eine affektierte Kunstfigur: Unablässig verdreht sie ihre Handgelenke, schnörkelt manuelle Pirouetten in die Luft, was in des Professors düsterem Hinterhofkabuff besonders fremdkörperhaft wirkt. Der Herr trägt Discounterdress, hockt in verwetztem Plüschmobiliar vor unverputzten Backsteinwänden und mimt, mit schlohhell verkringelten Wildwuchskoteletten, den grämlichen Gelehrtengeck.

Bald kommt's knallebumm. Melodys fromme Mutter wird in der City zum Pornoleben bekehrt; ihr Vater entdeckt in sich schwule Talente; ein junger Mann macht Melody den Hof ( "Ich bin nicht der Vater", sagt der Professor, ja wie, "der Großvater?" fragt der Junge) - und als der Prof aus dem Fenster springt, wo landet er? Zufällig auf dem Rücken einer Passantin; und entdeckt - zufällig - in dieser die wahrere Liebe ...

Nicht nur die Zufälle, auch der Rest des Films wirkt verbastelt, artifiziell - grad wie die Kameraführung. Eben noch haben wir Allens Touri-Romanze "Vicky Cristina Barcelona" (als DVD) warm empfohlen - diesmal bleiben wir kalt.
 
Mehr StZ Filmkritiken

Alle Artikel anzeigen
Anzeigen

Was möchten Sie unternehmen?
Wann möchten Sie etwas unternehmen?
vorheriger Monat
Monat
kommender Monat
Heute Morgen Akt. Woche
MODIMIDOFRSASO
0123456
0123456
0123456
0123456
0123456
0123456
Aktuelle Videos


Sie suchen eine neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten

Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.
Trailer oder Video auf filmstarts.de